Donnerstag, 15. November 2018

Experte warnt vor Verkauf an Abwickler Generali verkauft seine Lebensversicherten

Generali Deutschland will gut 4 Millionen klassische Lebensversicherungen an den Abwickler Viridium verkaufen

Mit der Generali Leben wird in Deutschland der erste große Lebensversicherer an einen Abwickler verkauft. Die Kunden müssen eine Beschneidung ihrer garantierten Leistungen nicht fürchten. Eine gute oder bessere Überschussbeteiligung sollten sie aber nicht erwarten. Der Bund der Versicherten rät dringend vom Verkauf ab. Viridium habe "auffällig hohe Beschwerdequoten" und kämpfe mit IT-Problemen.

Der Protest unter Verbraucherschützern und Experten war groß, als im September 2017 bekannt wurde, dass mit Ergo, Axa und Generali gleich drei Branchengrößen sich von Millionen klassischen Lebensversicherungen zu trennen beabsichtigen. Die Ergo machte nach heftigen Protesten auch in der eigenen Belegschaft einen Rückzieher. Sie entschied sich für den internen Run-off der rund 6 Millionen Policen und will auf einer eigenen Plattform quasi als neues Geschäftsmodell künftig die Bestände anderer Lebensversicherer verwalten. Der Marktführer Allianz Leben hatte in der Vergangenheit einen Verkauf seiner klassischen Policen kategorisch ausgeschlossen.

Die Generali Deutschland hingegen will und wird sich nun sehr wahrscheinlich von ihren klassischen Lebensversicherungen mit festen Zinszusagen weitgehend trennen; die Rede ist von rund vier Millionen Policen. Der Abwickler Viridium werde 89,9 Prozent an der Generali Leben übernehmen, teilten Viridium und der Versicherer am Donnerstag mit.

Viridium wirbt mit möglicherweise höherer Überschussbeteiligung

Generali selbst behält die restlichen Anteile und hält sich zudem die Option offen, sich mit bis zu 10 Prozent an Viridium zu beteiligen. Damit würde die Generali Deutschland nach der Hannover Rück Börsen-Chart zeigen der zweite Partner aus der Versicherungsbranche, der sich an der Viridium Gruppe beteiligt.

Generali Leben wird bei der Transaktion mit bis zu einer Milliarde Euro bewertet. Generali erwartet durch den Verkauf Gesamteinnahmen von bis zu 1,9 Milliarden Euro. Viridium verwaltet bisher eine Million Verträge im Volumen von 16 Milliarden Euro, mit Generali würde sich der Bestand vervielfachen. Die Versicherungsaufsicht der Bafin muss dem Deal noch zustimmen.

"Alle vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Kunden bleiben unverändert", versichert Viridium in der Mitteilung. Die Lebensversicherten sollten zudem von Kostenvorteilen profitieren, die langfristig zu einer höheren Überschussbeteiligung führen könnten, versucht das Unternehmen Bedenken zu zerstreuen.

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