Dienstag, 22. August 2017

Fusionsfieber in der Lebensmittelbranche US-Konzern Kraft Heinz will Unilever kaufen - und Dekkers und Buffett mischen mit

Kraft hat Appetit: Nicht nur Ben und Jerries gehört zu Unilever

Der US-Lebensmittelriese Kraft Heinz hat Interesse an einer Übernahme des Konsumgüterkonzerns Unilever Börsen-Chart zeigen angemeldet. Die Amerikaner bestätigten am Freitag, dem britisch-niederländischen Hersteller von Dove-Seife, Axe-Duschgel und Lipton-Tee eine Fusion angeboten zu haben. Laut einer Mitteilung von Unilever hat Kraft Heinz einen Kaufpreis von rund 143 Milliarden Dollar (134 Mrd Euro) vorgeschlagen. Das sei jedoch zu wenig, um ins Geschäft zu kommen.

Unilever hält sich durch die vorgeschlagene Offerte - die mit 49,61 Dollar je Aktie immerhin einen Aufschlag von 18 Prozent auf den letzten Schlusskurs darstellt - für "fundamental unterbewertet". "Unilever sieht keine Basis für weitere Diskussionen", verkündete der Konzern. Kraft Heinz hatte zuvor bereits erklärt, weiter auf einen Zusammenschluss drängen zu wollen. Es sei aber nicht sicher, ob letztlich ein verbindliches Angebot zustande komme.

Eine Fusion der Branchenschwergewichte hätte riesige Ausmaße und würde einige der bekanntesten Verbraucherprodukte weltweit unter einem Dach vereinen.

Bei Anlegern sorgte die Nachricht für starke Reaktionen. Unilever-Aktien legten etwa an der Börse in Amsterdam zeitweise um fast zehn Prozent zu, während die von Kraft Heinz im frühen US-Handel um knapp fünf Prozent stiegen. Die Papiere von Konkurrenten wie etwa Mondelez gerieten unter Druck.

Übernahmen: Die M&A Maschine läuft wieder heiß

Kraft Heinz wird von der brasilianischen Private-Equity-Gesellschaft 3G Capital kontrolliert, die mit dem Philadelphia- und Capri-Sonne-Hersteller und der Ketchup-Ikone "Heinz" 2015 zwei US-Traditionsmarken zusammengeführt hatte. Die Fusion hatte auch der Starinvestor und Multimilliardär Warren Buffett mit seiner Firma Berkshire Hathaway maßgeblich mit eingefädelt. Zuletzt war an den Finanzmärkten verstärkt über weitere gemeinsame Deals spekuliert worden.

Im Dezember hatten bereits Gerüchte über eine Wiedervereinigung von Kraft Heinz mit dem Oreo- und Milka-Hersteller Mondelez kurzzeitig für Aufregung an der Börse gesorgt. 2012 hatte sich der damalige Kraft-Konzern unter dem Druck von Investoren aufgespalten. Das Snack- und Süßwarengeschäft sowie das Lebensmittel-Geschäft außerhalb Nordamerikas waren zu Mondelez ausgelagert worden

An dem sich abzeichnenden Bieterpoker sind prominente Namen beteiligt. Chairman bei Unilever ist seit Mai 2016 Ex-Bayer-Chef Marijn Dekkers, der für seinen Wechsel zu Unilever Bayer früher als zunächst geplant verlassen hat.

Bei Kraft Heinz wiederum mischt Anlageguru Warren Buffett mit. Buffett hatte im Frühjahr 2015 gemeinsam mit dem Finanzinvestor 3G die Übernahme von Kraft Foods durch Heinz Ketchup eingefädelt: Die Fusion zu Kraft Heinz spülte Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway mehr als 4 Milliarden Dollar in die Kasse.

Auch Henkel und Beiersdorf legen zu

Ob nach der Fusion von Kraft und Heinz nun auch die viel größere Fusion von Kraft Heinz und Unilever gelingt, ist offen. Die deutschen Konsumgüterhersteller Henkel Börsen-Chart zeigen und Beiersdorf Börsen-Chart zeigen legten am Freitag deutlich zu - Anleger rechnen mit einer weiteren Konsolidierung in der Branche.

In Amerika haben in den vergangenen Jahren Investoren die Branche aggressiv umgepflügt. Nun könnten auch verstärkt europäische Konzerne ins Visier geraten. Der Investor Nelson Peltz etwa war maßgeblich an der Abspaltung der "Milka"-Firma Mondelez von Kraft Foods beteiligt. Auch bei Pepsi hatte sich Peltz eingekauft - scheiterte aber mit dem Versuch, den Getränke- und Snackriesen aufzuspalten.

Der Finanzinvestor 3G Capital übernahm zunächst den Ketchup-Hersteller Heinz und brachte dann die Fusion mit Kraft unter Dach und Fach. Es war nicht der erste Coup: 3G hatte zuvor bei der Fusion von Burger King und Tim Hortons und beim Bier-Zusammenschluss Anheuser-Busch Inbev seine Finger im Spiel.

la/mmo/dpa

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