Dienstag, 22. Mai 2018

Angriff auf Eurowings Was Ryanair-Chef O'Leary mit Laudamotion vor hat

Die zwei sind sich einig: Laudamotion-Chef Niki Lauda und Ryanair-Vorsteher Michael OLeary

Die neue österreichische Fluglinie Laudamotion setzt sich kurz nach dem Start ehrgeizige Expansionsziele. Laudamotion solle eine der größten Billigfluglinien Europas werden, kündigte Ryanair-Chef Michael O'Leary am Mittwoch in Wien an. Der irische Billigflieger war vergangene Woche überraschend mit einem Anteil von 24,9 Prozent bei der Nachfolgegesellschaft der insolventen Air-Berlin-Tochter Niki eingestiegen.

Nach der Pleite von Air Berlin buhlten mehrere Fluggesellschaften um Niki, unter anderem die deutsche Lufthansa Börsen-Chart zeigen mit ihrer Billigmarke Eurowings, die britische IAG mit ihrer Tochter Vueling und auch Ryanair. Die Lufthansa zog sich wegen kartellrechtlicher Bedenken der EU-Kommission zurück, den Zuschlag hatte Ende Januar schließlich der ehemalige Formel-1-Fahrer Niki Lauda bekommen, der die Fluggesellschaft 2003 gegründet hatte.

Spekuliert wird seitdem, ob Lauda als Strohmann für Ryanair agiert habe. Schließlich kommen die Iren durch die inzwischen in Laudamotion umbenannte Fluglinie nun an attraktive Start- und Landerechte an deutschen Flughäfen und könnten der Lufthansa einen schärferen Preiskampf liefern. Doch sowohl Lauda als auch O'Leary wiesen die Vorwürfe erneut zurück. "Wie kann man ein Strohmann sein, wenn man gegeneinander bietet?", meinte der 69-jährige Lauda.

Laudamotion-Crew soll besser bezahlt werden als bei anderen Billigfliegern

Lauda kündigte nun an, dass das Personal im Cockpit und in der Kabine so gut bezahlt werden solle, wie bei keiner anderen gleichartigen Fluglinie - wenn die Produktivität stimme. Es sei wichtig, dass Stabilität und Motivation im Unternehmen herrschten, so Lauda. "Jetzt beginnen wir, volle Pulle zu fliegen." O'Leary fügte hinzu, dass Ryanair Börsen-Chart zeigen die Gewerkschaften bei Laudamotion akzeptieren werde.

Für die ersten beiden Jahre rechne die Airline mit Verlusten, meinte O'Leary. 2018 werde Laudamotion voraussichtlich rund 50 Millionen Euro Verlust verbuchen. 2019 solle das Minus auf 10 bis 25 Millionen Euro schrumpfen. "Wir hoffen, im dritten Jahr Geld zu machen", so O'Leary weiter. Grund dafür seien unter anderem die hohen Kosten für das Leasing von Lufthansa-Flugzeugen sowie der Umstand, dass man voraussichtlich einen höheren Preis für Kerosin zahlen müsse.

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Laudamotion startet im Sommer mit 21 Flugzeugen. Sie will ab Juni von sieben deutschen Flughäfen (Berlin/Tegel, Köln, Düsseldorf, Frankfurt, München, Nürnberg, Stuttgart) sowie von Zürich und Wien insgesamt 65 Strecken bedienen. Die Ziele liegen im Mittelmeerraum und auf den Kanarischen Inseln.

In zwei bis drei Jahren solle die Flotte von Laudamotion auf 40 Maschinen wachsen. Damit werde der Wettbewerb nicht zuletzt am Standort Österreich im Interesse der Fluggäste deutlich belebt, hieß es.

Der Lufthansa-Konzern hat sich unterdessen Flugkapazitäten von Laudamotion im Sommerflugplan gesichert. Laudamotion schickt ab Sonntag acht ihrer gerade erst angemieteten Airbus A320-Jets im Auftrag der Lufthansa-Tochter Eurowings in den Himmel. Die Vereinbarung gilt zunächst bis Ende Mai. Ob der Deal danach weitergehe, hänge von den Behörden ab, meinte Lauda.

mg/dpa

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