Samstag, 25. Juni 2016

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Kursrutsch Wie eine gute Nachricht das Börsen-Sommermärchen beendete

Abwärts: Der Dax hat binnen vier Wochen rund 8 Prozent an Wert verloren

Die Krisen in der Ukraine und in Gaza brachten Anleger wochenlang nicht aus der Ruhe. Nun hat ausgerechnet eine gute Konjunktur-Nachricht das Sommermärchen beendet.

Gute Nachrichten können schlechte Nachrichten sein - zumindest an der Börse. Mit stoischer Gelassenheit haben Anleger die Nachrichten von immer neuer Gewalt in der Ukraine und im Gaza-Streifen hingenommen. Selbst der Staatsbankrott Argentiniens konnte die Indizes weltweit zunächst nicht erschüttern.

Wachsende politische Risiken rund um den Globus - na und?

Erst eine überraschend gute Nachricht ließ die Nervosität an den Finanzmärkten dann deutlich steigen: Am Mittwoch meldete das US-Handelsministerium, dass die US-Wirtschaft im zweiten Quartal um 4 Prozent gewachsen ist - und damit stärker als erwartet. Selbst die US-Notenbank Fed sprach von einer "grundlegenden Stärke" der US-Wirtschaft - und prompt kommen an der Börse Ängste wieder hoch, die Zinsen in den USA könnten nun doch früher steigen als angenommen.

Eine wachsende Wahrscheinlichkeit steigender Zinsen - um Gottes willen.

Die Sommermärchenstimmung ist seit Mittwoch an der Börse verflogen. Dabei las sich die Geschichte lange Zeit tatsächlich märchenhaft: Es war einmal … eine Welt, die sich von wirtschaftlichem Siechtum erholte. Die Menschen fanden wieder in Arbeit, das weltweite Wirtschaftswachstum zog wieder an ... und die Zentralbanken versorgten die Unternehmen dauerhaft mit billigem Geld, um diese zarte Erholung zu stützen. Zarte Erholung, niedrige Zinsen und billiges Geld in beliebiger Menge - für Börsianer ist das die beste aller Welten, das sogenannte Goldilock-Szenario.

Schluss mit dem wattierten Umfeld

Anleger weltweit haben sich an dieses durch Geld wattierte Umfeld gewöhnt. Sie waren sogar bereits, die nahende Argentinienpleite, das unberechenbare Auftreten Russlands und die Ausbreitung des Ebola-Virus in Afrika wochenlang zu ignorieren. Nicht aber die gute Nachricht, dass das US-Wachstum stärker als erwartet - den ein solcher Wachstumssprung beendet das Goldilock-Szenario.

"Die US-Wirtschaft ist auf einem robusten Erholungskurs", schreibt JP Morgan Asset Management. Starkes Wachstum, mehr Jobs, steigender Wohlstand sind eigentlich erfreuliche Entwicklungen - doch für Anleger bedeuten sie ein "ungewisses Ende", sagt Daniel Zindstein, Dachfondsmanager bei Gecam. War es doch vor allem das billige Geld, das die Börsen in den vergangenen Wochen trotz weltweiter Krisen auf immer neue Höhen peitschte.

Nun rutscht der Dax Börsen-Chart zeigen - und ein solcher Abschwung vollzieht sich meist rascher als der Aufschwung vorher. Denn es gibt inzwischen sehr viele Anleger, die nicht binnen weniger Tage ihre Gewinne der vergangenen Monate verspielen wollen. Sie haben nun Grund, rasch zu verkaufen und ihre Gewinne in Sicherheit zu bringen - was zusätzlich auf die Kurse drückt.

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