Samstag, 18. November 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Kursrutsch Wie eine gute Nachricht das Börsen-Sommermärchen beendete

Abwärts: Der Dax hat binnen vier Wochen rund 8 Prozent an Wert verloren

2. Teil: Klare Worte, kalte Dusche

Hinzu kommt, dass der Börsenrücksetzer aus dieser Woche wie eine kalte Dusche wirkt. Ernüchtert schauen Investoren auf das vor ihnen liegende Fahrwasser. Und sehen nun auch die eigentlich längst bekannten Untiefen. Die Ukraine führt eine Kriegssteuer ein, Russland droht dem Westen mit höheren Energiepreisen - das würde auch Deutschlands Wirtschaft treffen.

Argentiniens Staatspleite wiederum führt allen vor Augen, dass die Weltpolitik noch immer keine Insolvenzordnung für Staaten geschaffen hat, die eine geordnete Abwicklung gewährleisten würde. Und in Teilen Afrikas breitet sich das Ebola-Virus aus, was den Handel mit der Region aus der Angst vor Ansteckung einfrieren könnte.

Es ist ein neuer Blick auf längst reale Risiken: Investoren ist klar geworden, dass das Goldilock-Szenario die realen Risiken in Europa und der Welt lange überdeckte. Was zum Beispiel geschieht in Euro-Land? "Keine wirklichen Reformen in den Kernländern Italien und Frankreich, stattdessen Lippenbekenntnisse zur eigenen Stärke und frischer Mut nach der Europawahl neue Verschuldungsorgien zu fordern, vorzugsweise zu Lasten Deutschlands", sagt Fondsmanager Zindstein.

Auch Geldprofis werden vorsichtig

Zudem sind Aktien nun schon sehr lange gut gelaufen. Kann das noch lange gut gehen? "Günstig sind Aktien nicht mehr", sagt Markus Weis von Goldman Sachs Asset Management gegenüber manager magazin. "Die Bewertungen liegen im langfristigen Schnitt. Investoren sollten heute eine klare Überzeugung haben, dass es mit den Unternehmensgewinnen weiterhin bergauf geht." Und genau das ist im Licht der jüngsten Ereignisse eben fraglich.

"Ein Absinken des Dax auf 8400 Punkte ist möglich, da neben der schlechten technischen Situation auch die geopolitischen Krisen erheblich belasten", schlussfolgert Lothar Koch, Portfoliomanager GSAM + Spee Asset Management. Eine exklusive Umfrage von manager magazin und V-Bank unter Deutschlands Vermögensverwaltern zeigt, wie unsicher auch Anlageprofis inzwischen sind - gut die Hälfte der Befragten war skeptisch für die nahe Zukunft des Dax. Die Wackelbörse dürfte also weitergehen - und wackeln dürfte auch die 9000-Punkte-Marke im Dax.

Seite 2 von 2

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH