Freitag, 22. September 2017

Dubioser Flughafen-Investor aus China Wie Top-Prüfer von KPMG sich im Hunsrück blamieren

Flughafen Hahn: Frankfurt im Hunsrück
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DPA

Keinen Monat hat es gedauert, bis der schöne Traum platzte: Vom reichen Investor aus China, der dem Land Rheinland-Pfalz endlich den chronisch defizitären Flughafen Frankfurt-Hahn im Hunsrück für 13 Millionen Euro abkaufen sollte, verlieren sich die Spuren.

Die neueste Wendung der Geschichte: Innenminister Roger Lewentz will der Shanghai Yiqiang Trading Company (SYT) doch wieder Zeit und notfalls "eine Art zweite Mahnung" geben. Am Mittwoch hatte er den Verkauf noch überraschend gestoppt, nachdem sich keine "prüfbaren Belege" fanden, dass die erste Rate fristgerecht überwiesen wurde. Und zudem die Zweifel wuchsen, ob SYT überhaupt ein seriöser Käufer sei.

Jetzt sind die Experten von KPMG wieder gefragt. Für den Fall, dass der Deal bis Ende Oktober nicht vollendet wird (laut "FAZ" sieht SYT-Projektmanager Kyle Wang das "zu 70 bis 80 Prozent abgeschlossen"), sollen die Wirtschaftsprüfer bei zwei unterlegenen Bietern nachhaken, ob sie noch Interesse haben.

Die Pappkartonfirma aus Shanghai

KPMG hatte den Markt für Rheinland-Pfalz, das die Mehrheitsanteile an dem Regionalflughafen 2009 für einen symbolischen Euro vom Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport angedreht bekommen hatte, sondiert. Auf die Expertise der Prüfer berief sich auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die sich persönlich für die Chinesen verbürgt hatte. Das Land habe "alles an Sicherheiten eingeholt, was möglich ist". KPMG habe den Investor geprüft und für seriös befunden.

Doch SYT ist offensichtlich auch in China kaum bekannt. Der angeblich dahinter stehende große Baukonzern Guo Qing, der laut Kyle Wang schon einmal "bis zu 200.000 Mitarbeiter" bei einem einzigen Projekt für Erdräumarbeiten einsetze, erscheint ebenfalls als Phantom.

Ein Fernsehreporter des SWR, der die Adresse von Guo Qing am Rand Shanghais besuchte, fand dort neben einem "schäbigen Büro" voller Pappkartons einen Reifenhändler - mit der Begrüßung "Na, sind Sie auch ein geprellter Anleger?"

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