Montag, 20. November 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Klimaschutz soll Vorrang haben Mehr als 50 Unternehmen fordern raschen Kohleausstieg

Kohlekraftwerk in Sachsen: Unternehmen fordern "verlässlichen Ausstiegspfad" aus der Kohleverstromung

Mit einem eindringlichen Appell an die künftige Bundesregierung haben sich mehr als 50 deutsche Unternehmen in die Debatte um Klimaschutz und Energiewende eingeschaltet. Wie die "Stiftung 2 Grad - Deutsche Unternehmer für den Klimaschutz" mitteilte, fordern die Unterzeichner des Schreibens, das am Dienstag veröffentlicht wurde, unter anderem den Abschied aus der Kohleverstromung über "einen verlässlichen und sozialverträglichen Ausstiegspfad". "Spiegel Online" hatte zuvor über die Initiative berichtet, die zur in Bonn laufenden Weltklimakonferenz an die Öffentlichkeit geht.

Während die Jamaika-Gespräche in Berlin über Klima und Energiewende scheitern könnten, zeigten die Unternehmen, wie Klimaschutz und Energiewende zu einem Modernisierungsprojekt für Deutschland werden könnten, hieß es weiter.

Unterzeichnet haben die Erklärung unter anderem die Dax-Konzerne Siemens Börsen-Chart zeigen , SAP Börsen-Chart zeigen , Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen Telekom und Deutsche Börse sowie Aldi Süd, Metro, Tchibo und der Paketdienstleister Hermes. Selbst Energiekonzerne wie Eon Börsen-Chart zeigen und EnBW, die vor einigen Jahren noch in der Kohleverstromung aktiv waren, gehören dazu.

"Umfassendste Unternehmenserklärung für Klimaschutz"

Die Stiftung sprach von einer der bislang größten und "umfassendsten Unternehmenserklärungen für ambitionierten Klimaschutz". Die Betriebe brächten mit 450.000 Beschäftigten alleine in Deutschland und 350 Milliarden Umsatz weltweit auf die Waage.

Unterzeichnet wurde der Appell auch von der Initiative German Watch und vom Bundesdeutschen Arbeitskreis für umweltbewusstes Management. Die Stiftung 2 Grad gibt es seit rund 10 Jahren, sie sieht sich als eine branchenübergreifende Plattform zur Lösung von Fragen zum unternehmerischen Umweltschutz.

In der Erklärung dringen die Unternehmen unter anderem auf den Ausbau des Ökostroms, auf mehr Anreize für die Gebäudesanierung und auf Vorfahrt für Stromnetze und Speicher. Zudem solle die neue Regierung Steuern und Abgaben modernisieren und bis 2025 prüfen, fossile Subventionen zu beenden. Außerdem benötigten Deutschland und die EU "jetzt einen konsequenten Einstieg in die Verkehrswende auf Schiene und Straße". Das Klimaziel 2050 sollte auf bis zu 95 Prozent Emissionssenkung angehoben werden.

Chance für den Standort Deutschland

Eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz sei eine große Chance für die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, heißt es in der Erklärung. Die künftige Regierung müsse die Geschwindigkeit des Umbaus hin zu treibhausneutralen Wirtschaft erhöhen und eine enge Zusammenarbeit mit europäischen und internationalen Partnern suchen.

Vorfahrt für Stromnetze und Speicher

Die Unternehmen und Verbände fordern unter anderem höhere Ausschreibemengen für Ökostrom, mehr Anreize für Gebäudesanierungen und "Vorfahrt für Stromnetze und Speicher". Außerdem solle die künftige Regierung eine "Modernisierung" von Steuern und Abgaben und die Beendigung von Subventionen für fossile Energieträger bis 2025 "prüfen". Mit klugen staatlichen Rahmensetzungen könne auch die im internationalen Wettbewerb stehende energieintensive Industrie ihren Umbau vorantreiben und dabei ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten.

Mitunterzeichner Christoph Bals von der Umweltorganisation Germanwatch erklärte: "Während des Klimagipfels in Bonn schaut die Welt mit Spannung auf Deutschland, ob in den Koalitionsverhandlungen endlich die notwendigen Umsetzungsschritte für die international angekündigten Klimaziele beschlossen werden." Dieser "starke Appell eines relevanten Teils der deutschen Wirtschaft" sei ein wichtiger Antreiber.

Der Kohleausstieg ist ein Streitthema in den Sondierungsgesprächen in Berlin. Grünen-Chefin Simone Peter zeigte sich in der "Rheinischen Post" (Dienstagsausgabe) aber kompromissbereit: Es komme nicht darauf an, ob die Kohlekraftwerke 2030 oder 2032 vom Netz gehen, solange die CO2-Emissionen 2020 um 40 Prozent unter denen von 1990 lägen.

la/dpa/afp

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH