Freitag, 9. Dezember 2016

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Kienbaum Consultants Jochen Kienbaums Stellvertreter vor dem Absprung

Firmenchef Jochen Kienbaum (Foto): Sein Stellvertreter Jürgen Kunz muss gehen. Derweil wird Kienbaums Sohn Fabian zum Nachfolger an der Firmenspitze aufgebaut

Paukenschlag bei Kienbaum: Das Beratungsunternehmen trennt sich von seinem langjährigen Vize. Jürgen Kunz, seit fast zehn Jahren Geschäftsführer der Kienbaum Holding GmbH und stellvertretender Geschäftsführungsvorsitzender der Kienbaum Consultants International (KCI) soll das Unternehmen verlassen.

Gegenüber "manager magazin" bestätigte Kienbaum, man befinde sich in einem "Trennungsprozess mit dem Ziel einer einvernehmlichen Einigung"; im Management-Team auf der Website taucht Kunz bereits nicht mehr auf.

Nach seiner Berufung in den höchsten Führungszirkel 2006 war der Hausjurist und enge Vertraute von Eigentümer Jochen Kienbaum noch als dessen möglicher Nachfolger gehandelt worden. Ein Zeitpunkt für seinen Ruhestand gebe es zwar noch nicht, sagte Jochen Kienbaum 2010 in einem Interview. Doch wenn es soweit sei, "dann steht mein Stellvertreter Jürgen Kunz natürlich an vorderster Stelle".

Im Unternehmen hält sich die Trauer über den Abgang des einstigen Kronprinzen in Grenzen. Schon die Beförderung des Syndikus zur Nummer Zwei, ohne Verwurzelung im Beratergeschäft, hatte in der Organisation schweres Grummeln hervorgerufen. Doch Hobbyspringreiter Kunz, der mit Jochen Kienbaum die Leidenschaft für Pferde teilt, galt als einer der wenigen Vertrauten des Übervaters, als graue Eminenz mit sicherem Instinkt für den eigenen Machterhalt.

Abschied: Kienbaum-Vize Jürgen Kunz
Der scheint ihn jetzt verlassen zu haben. Seit knapp zwei Jahren wird Kienbaum-Sohn Fabian konsequent zum Nachfolger an der Firmenspitze aufgebaut; derzeit kümmert er sich um die Digitalisierungsstrategie von Kienbaum und leitet den Berliner Standort - wie einst sein Vater zu Beginn seiner Karriere. "Das Verhältnis zwischen Fabian und Kunz ist nicht gerade das harmonischste", sagt ein Insider. Offenbar macht sich der Junior nun ans Aufräumen.

Sohn Fabian Kienbaum als Nachfolger aufgebaut

Das ist dringend nötig. Kunz' Abgang fällt in eine Zeit, in der die kriselnde Beratung mit Restrukturierungen den Befreiungsschlag sucht. Der Umsatz lag 2015 bei 110 Millionen Euro - fünf Millionen Euro weniger als im schon nicht berauschenden Vorjahr. Die Zahl der Mitarbeiter sank von 730 (2013) auf aktuell knapp 650.

Vor allem die Geschäfte im Headhunting-Zweig Kienbaum Executive Consultants (KEC) schwächeln. Die digitale Konkurrenz wie Xing und Linkedin macht den Kopfjägern das Leben schwer, viele Unternehmen setzen zudem verstärkt auf eigenes Recruiting.

Besser, zumindest in einigen Branchen wie Public Services, läuft der Bereich "Kienbaum Management Consultants" (KMC). Die Beratung zu Human Resources-Themen, die ebenfalls zur KMC gehört, hatte lange an einigen Abgängen vor rund drei Jahren zu knapsen, die als Geschäftstreiber galten: Philipp Hölzle und Matthias Meifert etwa, die ihre eigene Consulting-Firma "HR Pepper" gründeten, oder Christoph Aldering, der bei Kienbaum die Management Diagnostik leitete und sich mit "Aestimamus" selbständig machte. Mittlerweile, sagen Beobachter, liefere das von Walter Jochmann verantwortete HR Consulting wieder recht ordentliche Ergebnisse ab.

Auch KMC-Sprecher Markus Diederich vor dem Absprung

Doch der KMC laufen die Leute davon: Tilman Eichstaedt, Principal in der wichtigen Automotive-Sparte, wechselte gerade zu Hello Fresh. Schwieriger wird zu verkraften sein, dass auch der Chef des Firmenzweigs hinwirft: Markus Diederich, Sprecher der KMC-Geschäftsführung, will nach Informationen von "manager magazin" ebenfalls das Unternehmen verlassen.

Ein Grund dürften die - noch nicht offiziellen - Umbaupläne sein, welche die Organisation derzeit auf Trab halten: Bis Mitte des Jahres sollen KEC und KMC innerhalb der KCI zusammengelegt werden - Diederichs Position als KMC-Sprecher entfiele. Die dann verbundene Unternehmens-, Management- und Executive Search-Beratung soll in Cluster unterteilt und entlang von "Service Lines" geführt werden.

"Einsame Wölfe und Rainmaker" brauche man nicht mehr, verkündete Jochen Kienbaum schon vor gut einem Jahr, die Zukunft gehöre Beratern, die in integrierten Teams für Kunden arbeiten und "in funktionalen Spezialisierungen" denken.

Prozesse sollen verschlankt und Synergien gehoben werden, verspricht man sich im Unternehmen - kurz: die Kosten müssen runter. Die Umbauten segeln unter der Modernisierungsflagge: Digitaler will Kienbaum werden, agiler, weniger in Silos denken. Interner Disruptionstreiber ist Fabian Kienbaum, der gute Kontakte zur Startup-Szene hält.

Auch der Umzug von Gummersbach in den Airport Business Park im Kölner Stadtteil Gremberghoven, mit dem die Firma Anfang 2017 durch sein will, erfolgt im neuen Geist. Die künftige Zentrale soll mehr sein als eine Ansammlung funktionaler Büroarbeitsplätze, sondern offene Gebäudestrukturen haben sowie Partnerfirmen und Startups in die Nachbarschaft locken. Für das gewünschte hippe Ambiente zeichnet die Tochter des Firmenchefs zuständig - Laura Kienbaum ist Innenarchitektin.

In das Bild vom Aufbruch, heißt es in der Organisation, habe Kunz nicht mehr so recht reingepasst: "Nicht jeder kann den Weg mitgehen." Mag sein. Einen Nebeneffekt nimmt Kienbaum aber gerne mit: Branchenexperten schätzen Kunz' Einkommen auf rund eine halbe Million Euro. Das wäre schon mal ein schönes Einsparsümmchen.

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