Montag, 23. Juli 2018

Verjüngung? Nein Danke Die Dax-Vorstände ergrauen

Martin Winterkorn, Dieter Zetsche, Jürgen Fitschen: In den Top-Etagen der Dax-Konzerne zählt Lebenserfahrung mehr als jugendlicher Schwung. Die Zahl der Topmanager unter 50 hat seit 2010 stark abgenommen - das Durchschnittsalter der 179 Dax-Vorstände ist unterdessen auf 54 Jahre gestiegen

Oldies but goldies: Wenn Dax-Konzerne ihre Vorstände besetzen, bauen sie immer öfter auf ältere Kandidaten. Das ist das Ergebnis einer Studie des Personalberaters Kienbaum. Droht Deutschlands Topmanagement die Vergreisung?

Ende Mai feiert Martin Winterkorn seinen 68. Geburtstag. Sein Vertrag als Boss von Volkswagen Börsen-Chart zeigen läuft noch bis 2016. Und nach den jüngsten Wolfsburger Wirren könnte er sogar noch einmal verlängert werden.

Ein 70-jähriger Methusalem, der das Tagesgeschäft eines der größten Konzerne Deutschlands führt? Gut möglich, dass es solche Konstellationen in Zukunft häufiger gibt. Denn auch die Chefetagen können der demografischen Falle immer weniger entgehen. Winterkorn wäre dann keine Ausnahme mehr, er wäre ein Trendsetter.

Das suggeriert jedenfalls eine neue Studie von Kienbaum Executive Consultants, die manager magazin online exklusiv vorliegt. Obwohl seit 2010 fast jeder zweite Dax-Vorstand ausgetauscht wurde, ist deren Durchschnittsalter um zwei auf 54 Jahre gestiegen.

Gruppe der Dax-Topmanager unter 50 hat sich fast halbiert

Die Gruppe der 40- bis 49-Jährigen hat sich sogar fast halbiert: Waren vor fünf Jahren noch 53 Dax-Vorstände unter 50, sind es 2015 nur noch 32.

Die Personalberater haben die 179 Vorstände jener 28 Konzerne von Adidas Börsen-Chart zeigen bis Volkswagen verglichen, die sowohl 2010 als auch 2015 im Dax 30 notierten.

Für Jürgen Siebert, geschäftsführenden Partner bei Kienbaum Executive Consultants, lässt sich am steigenden Alter der Dax-30-Topmanager ablesen, dass die Überalterung der deutschen Gesellschaft langsam auch das Topmanagement erreicht: "Die demografische Entwicklung in Deutschland bringt es mit sich, dass auch im deutschen Topmanagement der Altersdurchschnitt steigt."

Erfahrung zählt mehr als jugendlicher Elan - Oldie-Trend birgt Risiken

Hinzu komme, dass sich die Aufsichtsräte bei Neubesetzungen häufiger für ältere Kandidaten entscheiden, sagt Siebert, weil Erfahrung, Souveränität und Kompetenz hoch im Kurs stünden: "Junge Wilde sind derzeit für Toppositionen weniger gefragt."

Das ist jedoch auch ein gefährlicher Trend. Denn angesichts des Megathemas Digitalisierung bräuchten Deutschlands Topetagen eigentlich gerade mehr jugendlichen Elan: "Konzernlenker sollten Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Innovation, die jüngere Vorstände oft besser bedienen, nicht aus den Augen verlieren", warnt Siebert.Der Duck auf manche Konzerne dürfte in den kommenden fünf Jahren noch steigen, durch die Berufung jüngerer Vorstände das Verständnis für die Digitalisierung und ihre Folgen für das eigene Geschäft zu erhöhen, erwartet der Kienbaum-Partner.

Verjüngung der Topjobs ist Frage der Firmenkultur

Immerhin: Ein bisschen bunter sind die Vorstandsriegen im Dax 30 Börsen-Chart zeigen seit 2010 doch geworden: Die Anzahl der Frauen hat sich immerhin von vier auf 13 erhöht - also auf sieben Prozent. Bei der Lufthansa Börsen-Chart zeigen, der Münchener Rück und Siemens Börsen-Chart zeigen sitzen sogar je zwei Frauen im Vorstand. Bei den drei großen Autobauern BMW Börsen-Chart zeigen, VW und Daimler hingegen hat es nur bei Daimler Börsen-Chart zeigen eine Frau in den Vorstand geschafft.

Lesen Sie auch: Deutschlands Aufsichtsräte - Umbau im Club der alten Männer

Schließlich ist die Verjüngung der Topjobs auch eine Frage der Firmenkultur. Was in Wolfsburg normal scheint, ist in München verpönt. So hat Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann diese Woche im zarten Alter von 61 Jahren den Stab an seinen Nachfolger Oliver Bäte (50) übergeben. In ein paar Jahren kann Diekmann dann als Aufsichtsrat dafür sorgen, dem Vorstand des Versicherers auch zukünftig nicht vergreist.

Übersicht: Die ältesten Dax-Chefs

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH