Donnerstag, 24. August 2017

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Parallelen der Auto- und Energiebranche Auto-Topmanagern fehlt Mut zur Wahrheit - und nicht nur ihnen

Auto-Bosse Müller (VW), Krüger (BMW), Zetsche (Daimler)

Hochmut kommt vor dem Fall. Und - gewollte oder ungewollte - Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Das gilt ganz generell - und damit auch für Noch-VW-Chef Müller, für Noch-Audi-Chef-Stadler und für viele weitere potenziell von Dieselgate kontaminierte vermeintliche Spitzen-Manager der Automobilindustrie in Wolfsburg, Ingolstadt und offenbar auch andernorts.

Das Kartell des aus maliziösem Vorsatz oder aber beklagenswerter Hilflosigkeit geborenen Unwissens-Managements hat Deutschlands groß-industriellem Rückgrat schwere Verstauchungen, Verrenkungen und auch einzelne Frakturen zugefügt. Lähmungserscheinungen sind beim Anpacken der Probleme unverkennbar, insbesondere Sprachlähmungen und Sprechstörungen werden von einzelnen Verantwortlichen fast täglich einem staunenden Millionen-Publikum offenbart.

Utz Claassen
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    Syntellix
    Utz Claassen, geboren am 7. Mai 1963 in Hannover, ist Topmanager, Unternehmensberater, Unternehmer, Investor, Wissenschaftler und Publizist. Er war unter anderem Vorsitzender des Vorstandes der EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Sartorius AG und Solar Millennium AG und ist Gründer, Mehrheitsaktionär und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Syntellix AG, Mitgründer und Anteilseigner der Rulebreaker Management GmbH sowie Senior Advisor der Cerberus European Investments LLC, New York/USA.

Dass es nicht nur einzelne wenige Top-Führungskräfte der germanischen Fahrzeugwelt mit den vermeintlich urdeutschen Sekundärtugenden nicht ganz so genau nahmen, ist inzwischen bis in den letzten Winkel der sinoamerikanisch globalisierten Welt hinein bekannt. Kunden, Aktionäre, Anleihezeichner, Banken, Versicherungen, Umwelt-, Kontroll- und Strafermittlungsbehörden, Ministerien, ganze Regierungen und sogar veritable Staatenbünde: sie alle wurden von Managern getäuscht, hintergangen und betrogen, die offenbar meinten, omnipotent zu sein und keinerlei wirksamen Kontrollmechanismen mehr zu unterliegen. Nur wer skrupellose Eigennutzoptimierung und betörende Selbstüberschätzung in sich vereint, ist fähig, Hunderttausende von Arbeitsplätzen und Familienschicksalen in Gefahr zu bringen und gleichzeitig Unwissenheit und Unschuld für sich zu reklamieren oder aber unternehmerisches Fehlverhalten ebenso wie hardwareseitige Nachrüstmöglichkeiten schlichtweg zu negieren.

Ignoranz, Arroganz, Übermut

Ignoranz, Arroganz, Übermut. Doch wo war die ganz normale Zivil-Courage der Beteiligten, als die Probleme entstanden, die später zum Dieselbetrug führten? Wo waren die so strotzend selbstbewussten Automobil-Könige, als parlamentarische und außerparlamentarische Soziologen und Literaturwissenschaftler, Assistenzärztinnen und Grundschullehrer, Philosophen und Philologen Emissionsgrenzwerte forderten, festlegten und durchsetzten, die als unerreichbar galten und sich als unerreichbar erwiesen, jedenfalls in Kombination mit dem, was der leistungsaffine PKW-Kunde sonst noch erwartet, und zu dem Preis, den er zu bezahlen gewillt ist?

Die traurige Wahrheit ist: Die PS-Protze aus den Top-Etagen der Milliarden-Konzerne scheuten den offenen, kritischen und mutigen Diskurs mit Politikern, Beamten und Aktivisten, über die sie sonst nur verächtlich lächeln. Sie wollten sich weder bei den Verantwortungsträgern der Politik noch bei Umweltfreunden, kritischen Journalisten oder skeptischen Kunden unbeliebt machen. Sie hatten schlichtweg nicht den Mut, dem Zeitgeist die Welt ihrer wissenschaftlich-ökonomischen Fakten gegenüberzustellen, und verleugneten stattdessen dieselben Überzeugungen, die sie sonst wie Monstranzen vor sich hertragen.

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