Samstag, 1. Oktober 2016

Russland-Krise schlägt ins Kontor Verkauf der Sportfirma Bogner steht auf der Kippe

Ex-Skifahrer und Unternehmer: Weil er keinen Nachfolger an der Firmenspitze hat, muss Willy Bogner verkaufen

Der Verkaufsprozess für die Münchener Sport- und Skimodefirma Bogner steht auf der Kippe. Zum Ende der Abgabefrist für die bindenden Gebote im April haben nur der britische Finanzinvestor Permira sowie ein nicht näher bekanntes Privatkonsortium Offerten eingereicht, erfuhr manager magazin online aus Finanzkreisen. Diese Gebote lagen zudem unter 300 Millionen Euro und somit weit unter den ursprünglichen Preiserwartungen von Firmeneigner und Vorstandschef Willy Bogner.

So wurde in den vergangenen Wochen kräftig nachverhandelt. In diesen Tagen sollen neue, nachgebesserte Offerten bei der von Willy Bogner mandatierten Investmentbank Goldman Sachs eingehen. Ob wirklich einer der verbliebenen Interessenten nachbessert und ob Bogner dann eine der Offerten akzeptiert oder ob der Eigner den Prozess platzen lässt, ist offen. Die Chancen stünden 50 zu 50, berichteten mehrere Insider. Sprecher von Bogner, Permira und Goldman Sachs lehnten einen Kommentar ab.

Eine endgültige Entscheidung solle nächste Woche fallen, so die Insider. Sicher ist aber auch das nicht, denn das Verkaufsverfahren hat bereits ungewöhnlich viele Volten hinter sich.

Das begann schon damit, dass vergangenen Sommer zunächst ein Börsengang kolportiert wurde. Bereits wenig später hieß es, man konzentriere sich nun doch auf den Verkauf. Dann war von 50 Interessenten die Rede, die angeblich bis zu 700 Millionen Euro für das Unternehmen zahlen wollten. Willy Bogner selber habe diese Zahl in die Welt setzen lassen, wird in Finanzkreisen gemunkelt. 400 bis 600 Millionen Euro habe der einstige Spitzenskifahrer und Filmemacher auf jeden Fall zu erzielen erhofft.

Bogner hält trotz Schwierigkeiten an Verkauf fest

Trotz der weltweit heißgelaufenen Übernahmemärkte schienen derlei Preisvorstellungen allerdings von Anfang an weit hergeholt. Schließlich hat das Unternehmen - nach profitablem Wachstum in den Vorjahren - schon im vergangenen Geschäftsjahr (zum 31. Oktober) etwas geschwächelt: Bei einem stagnierenden Umsatz von 188 Millionen Euro fiel der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um fast ein Fünftel auf 30 Millionen Euro.

Dann kam noch Pech hinzu: Im vergangenen Winter schlugen die Russland-Krise und der Verfall des Rubels voll auf Bogners Geschäft durch, was die Preisbereitschaft der Interessenten zusätzlich drückte. Bogners Umsätze seien in den ersten Monaten des neuen Geschäftsjahres eingebrochen, der Gewinn habe sich mehr als halbiert, heißt es in Finanzkreisen. Schließlich zählten russische Kunden seit jeher zu den wichtigsten Käufern der Modemarke - nicht nur im Export. Sie kauften die Bogner-Skikleidung auch gerne in den Skiorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein. Diesen Winter jedoch blieben viele Russen den Alpen fern.

Ob und wann die russische Kundschaft zurückkehrt, ist schwer zu prognostizieren - und entsprechend auch, welches Gewinnniveau das Unternehmen Bogner künftig erzielen kann. Mancher Experte soll Willy Bogner deshalb geraten haben, den Verkauf der 1932 von seinem Vater gegründeten Firma nochmals aufzuschieben.

Willy Bogner ist allerdings bereits 73 Jahre alt; einen Nachfolger in der Familie hat er nicht. Seine Ehefrau Sonia, eine gebürtige Brasilianerin, ist Mitte sechzig und will die Firmenführung nicht übernehmen. Die Tochter Florinda ist Innenarchitektin und hat beruflich eigene Pläne. Sohn Bernhard hat sich 2005 siebzehnjährig das Leben genommen.

Newsletter von Angela Maier

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