Freitag, 1. Juli 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Steuern Versteckt Berggruen Karstadt in einer Steueroase?

Nicolas Berggruen: Der einstige Retter von Karstadt steht in der Kritik.

Karstadt-Eigentümer Berggruen investiert kaum in die angeschlagene Kaufhauskette, zieht aber Millionen aus ihr ab. Das Geld landet offenbar in einem Trust in einer Steueroase, dem Karstadt auch gehören soll. Berggruen weist den Verdacht der Steuervermeidung zurück.

Essen/Berlin - Der Warenhauskonzern Karstadt soll nach Informationen der "Bild am Sonntag" (BamS) über mehrere Zwischenfirmen einem Nicolas Berggruen Charitable Trust auf den British Virgin Islands gehören. Die Zeitung beruft sich auf ihr vorliegende Dokumente der US-Börsenaufsicht SEC. Der Trust halte "die Aktienbeteiligungen der Berggruen Holdings und soll gemeinnützige Aktivitäten unterstützen", zitiert die BamS aus dem SEC-Papier.

Die Geschäftsanschrift des Trusts sei ein Briefkasten vor einem Holzhaus am Pelican Drive in Road Town auf der Insel Tortola. Nach dem Zeitungsbericht bleiben im Ausland erwirtschaftete Erträge auf der Insel steuerfrei.

Eine Berggruen-Sprecherin sagte der Zeitung zum Verdacht der Steuervermeidung: "Alle Unternehmen zahlen dort Steuern, wo sie beheimatet sind. Nicolas Berggruen profitiert in keiner Weise vom Nicolas Berggruen Charitable Trust. Dieser wird das Vermögen noch zu Lebzeiten Nicolas Berggruens vollständig gemeinnützigen Zwecken spenden."

In die karibische Steueroase fließen nach Informationen der Zeitung auch Gelder, die Berggruen Jahr für Jahr bekommt, weil er die Namensrechte an Karstadt erworben hat. Berggruen lege Wert darauf, dass nicht er persönlich das Geld erhält, sondern die Holding. Die residiert laut "BamS" auch auf den British Virgin Islands.

Berggruens Karstadt-Sanierungsplan gescheitert

Bereits in der April-Ausgabe hatte das "manager magazin" ausführlich über den gescheiterten Sanierungsplan von Berggruen berichtet. Der vermeintliche Retter von einst, entpuppt sich jetzt als knallharter Investor. Bis auf ein längst zurückgezahltes Darlehen hat er nicht viel in Karstadt investiert und hat dies offenbar auch nicht vor.

Die von der Insolvenz bedrohte Kaufhauskette hatte Berggruen für einen erworben. Besagte Namensrechte an Karstadt bezahlte er einmalig mit fünf Millionen Euro. Die Nutzung der Marke lässt sich Berggruen aber allem Anschein nach fürstlich vergüten. Allein im laufenden Geschäftsjahr muss Karstadt nach Insiderangaben rund 7,5 Millionen Euro für die Namensrechte überweisen, berichtete "manager magazin" im April.

Kritik erhob die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Sprecher Christoph Schmitz sagte: "Berggruen zieht jedes Jahr Millionen bei Karstadt ab, anstatt endlich in das Unternehmen zu investieren. Er muss offenlegen, wie die Finanzströme zwischen Karstadt und seiner Stiftung laufen."

rei/dpa

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH