Mittwoch, 18. Januar 2017

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Arbeitswelt im digitalen Wandel Wer Karriere macht - und wer um seinen Job bangen muss

Kollege Roboter: Welche Jobs werden wegdigitalisiert? Wer macht noch Karriere? Und wozu braucht man Führungskräfte, wenn agile Teams sich selbst organisieren sollen?
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Kollege Roboter: Welche Jobs werden wegdigitalisiert? Wer macht noch Karriere? Und wozu braucht man Führungskräfte, wenn agile Teams sich selbst organisieren sollen?

Die Digitalisierung wird die Arbeitswelt so stark verändern wie die industrielle Revolution. Werden Mitarbeiter ihre Jobs an Maschinen und Manager an Bedeutung verlieren? Im digitalen Wandel liegen trotz aller Befürchtungen vor allem Chancen, meint Change-Experte Stephan Penning.

mm: Sie begleiten Unternehmen in Veränderungssituationen. Welche Rolle spielt das Thema Digitalisierung dabei?

Stephan Penning: Digitalisierung ist ein Mittel, das Unternehmen nutzen, um langfristig den Veränderungen des Marktes und der Gesellschaft gewachsen zu sein. Sie ist aber kein Selbstzweck. Im Vordergrund stehen zunächst andere Fragen, etwa: 'Was ist der Daseinszweck des Unternehmens?' 'Mit welcher Organisationsform und welcher Kultur ist dies langfristig und gewinnbringend zu erreichen? Ein mittelständischer Fertigungsbetrieb für Solaranlagen zum Beispiel hat andere Anforderungen an die Digitalisierung als ein Gastronomiebetrieb.

mm: Wenn es um die Organisationsform der Zukunft geht, wird häufig "Agilität" genannt. Der Begriff "agiles Management" wird immer wieder hervorgeholt, wenn es um Strukturveränderungen durch die Digitalisierung geht. Zu Recht?

Zur Person
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    Stephan Penning ist Geschäftsführender Gesellschafter von Penning Consulting. Er berät Vorstände, Geschäftsführer und Top-Management im Bereich Change-Management und Management Development. Zuvor war er für verschiedene deutsche Personalberatungen tätig, unter anderem bei Kienbaum Management Consultants. Stephan Penning ist Diplom-Psychologe.

Penning: Agilität als Fähigkeit von Organisationen, in einem unsicheren, sich verändernden Umfeld flexibel, anpassungsfähig und schnell zu agieren, ist grundsätzlich positiv und zukunftsorientiert. Unternehmen sollten aber nicht in "agile Hysterie"verfallen und jede Methode übernehmen, die gerade en vogue erscheint. Ich rate dazu erst einmal zu analysieren, welchen Reifegrad das Unternehmen heute überhaupt hat - und wohin es steuern will. Danach können neue Abläufe und Instrumente mit Bedacht bestimmt werden. Das ist übrigens ein Prozess, bei dem die Mitarbeiter beteiligt werden sollten.

mm: Die Beschäftigten scheinen die Digitalisierung weniger positiv zu beurteilen. Laut einer Studie des DGB sagen 46 Prozent der Arbeitnehmer, dass durch die Veränderungen ihre Arbeitsbelastung gestiegen sei.

Penning: Und in vielen Fällen ist das nachvollziehbar! Wenn vergleichsweise unstrukturiert nur einzelne Methoden und Abläufe eingeführt werden, es aber kein schlüssiges Gesamtkonzept gibt, dann droht Mehrbelastung ohne bessere Ergebnisse. Und das führt zu Unzufriedenheit.

mm: Was heißt das konkret?

Penning: Nehmen Sie das Thema Projektorganisation als Beispiel. Wenn ich diese nicht konsequent umsetze, sondern regelmäßig Linien- und Projektaufgaben mische, wird keiner glücklich. Der Mitarbeiter nicht, weil Projektaufgaben häufig zusätzlich zu den normalen Aufgaben hinzukommen. Die disziplinarische Führungskraft nicht, weil die Linienaufgaben unter den Projektaufgaben leiden. Und der Projektleiter nicht, weil er häufig keinen Einfluss darauf hat, ob der Mitarbeiter ausreichend Ressourcen für das Projekt aufbringen kann. Damit das funktionieren kann, bedarf es eines konzeptionellen Ansatzes für die Gesamtstruktur.

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