Mittwoch, 18. Juli 2018

Arbeitswelt im digitalen Wandel Wer Karriere macht - und wer um seinen Job bangen muss

Kollege Roboter: Welche Jobs werden wegdigitalisiert? Wer macht noch Karriere? Und wozu braucht man Führungskräfte, wenn agile Teams sich selbst organisieren sollen?
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Kollege Roboter: Welche Jobs werden wegdigitalisiert? Wer macht noch Karriere? Und wozu braucht man Führungskräfte, wenn agile Teams sich selbst organisieren sollen?

4. Teil: "Menschen müssen nicht mehr umziehen, um ihre Arbeit auszuüben"

mm: Der lineare Berufsweg ist also ein Auslaufmodell?

Penning: So ist es. Der HR-Vordenker Josh Bersin hat es so dargestellt: 'Jobs' mit ihren festen Anforderungsprofilen, Positionen und vorgezeichneten Karrierewegen sterben zwar aus. Aber natürlich arbeiten wir weiter - mit einem interdisziplinären Kompetenzprofil und der notwendigen Bereitschaft, lebenslang zu lernen. Gerade was den Umgang mit Technik angeht. Das bedeutet, wer sich über seine Berufsbezeichnung definiert, wird es zukünftig schwer haben.

mm: Wenn sich die Arbeitswelt so radikal und schnell verändert - welche Folgen hat dies für die Lebensmodelle vieler Menschen?

Penning: Sehr weitreichende. Nehmen Sie als Beispiel die Möglichkeit, durch die Anbindung an das Internet heute faktisch von jedem Ort der Welt aus arbeiten zu können. Unternehmen im IT-Umfeld haben teils schon ihre ganze Organisation darauf abgestellt. Das schafft Chancen, etwa für den ländlichen Raum. Menschen müssten nicht mehr umziehen, um ihre Arbeit auszuüben. Ein gutes Argument auch für abseits der attraktiven Zentren gelegene Arbeitgeber, die so plötzlich für die Generation Y interessant werden können.

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mm: Die Entgrenzung von Arbeit birgt auch Risiken. Es gibt Unternehmen, die darunter folgendes verstehen: Überall verfügbar, jederzeit, notfalls 24 Stunden pro Tag.

Penning: Hier schließt sich der Kreis: digitalisierte Arbeitsformen sind niemals nur einzelne Bausteine, sondern müssen in ein Gesamtkonzept passen, zu dem auch neue Vereinbarungen zur Zusammenarbeit, Arbeitszeiten und Zielen gehören. Hier sind sowohl Unternehmen als auch die Politik gefragt, die eine entsprechende gesetzliche Flexibilisierung erlauben muss, ohne den Schutz der Arbeitnehmer zu vernachlässigen.

Angst vor Jobverlust: Hilfe, ich werde wegdigitalisiert!

Stephan Penning ist Geschäftsführender Gesellschafter von Penning Consulting . Er berät Vorstände, Geschäftsführer und Top-Management im Bereich Change-Management und Management Development. Vor der Gründung von Penning Consulting im Jahr 2009 war er für verschiedene Personalberatungen tätig, unter anderem bei Kienbaum Management Consultants. Penning ist Diplom-Psychologe.

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