Samstag, 22. Juli 2017

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Karl-Heinz Rummenigge über Investoren im Fußball "Die 50-plus-1-Regel wird vor Gericht nicht standhalten"

Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge: "Ich würde nicht ausschließen, dass irgendwann mal einer klagt"
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Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge: "Ich würde nicht ausschließen, dass irgendwann mal einer klagt"

Die Deutsche Fußball-Liga sowie die Profi-Fußballclubs spielen ein Schwarze-Peter-Spiel, sagt Karl-Heinz Rummenigge. Niemand mag gegenüber den Fans die Verantwortung übernehmen, wenn sich Vereine für Investoren stärker öffnen müssen. Dabei könnte eine rechtliche Klärung der Bundesliga helfen und ihr einen Schub geben.

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern, ist Deutschlands einflussreichster Fußball-Manager. Am Rande des Sport-Business Kongress "Spobis" in Düsseldorf sprach Rummenigge mit manager magazin Online über die Zukunft der Bundesliga, den wachsenden Einfluss von Investoren auf die Clubs sowie über die umstrittene 50+1-Regel, die den Vereinen die Stimmenmehrheit sichert und damit die Macht von Investoren begrenzt. Das Modell von RB Leipzig nennt Rummenigge ein "Unikat".

mm.de: Herr Rummenigge, unter den Managern der Fußball-Bundesliga wachsen die Zweifel, dass die so genannte 50+1 Regel rechtlich noch lange Bestand haben wird. Ist diese Regel ein Auslaufmodell?

Karl-Heinz Rummenigge: Ich war ja dabei, als der Ligaverband DFL gegründet und das Statut der 50 plus 1 Regel verankert wurde. Es war von Anfang an klar, dass diese Regel vor dem Europäischen Gerichtshof nicht standhalten wird. Man hat natürlich immer darauf gesetzt und gehofft, dass nie einer klagt. Ich würde aber nicht ausschließen, dass irgendwann mal den Klageweg geht. Ich glaube, es wäre fast schon im Interesse der Liga, dass irgendwann mal jemand klagt. Einfach, um dann Klarheit zu haben.

mm.de: Bislang hat sich noch keiner der 36 Profi-Vereine mit einer Klage vorgewagt. Warum ist es im deutschen Fußballgeschäft so ein Tabuthema, die Vereine für Investoren zu öffnen?

Der Sponsors Business Summit ist Europas größter Kongress zum Thema Sportbusiness. Am 30. und 31. Januar treffen sich rund 120 Referenten und mehr als 2000 Teilnehmer in Düsseldorf, um über die Zukunft des Sportbusiness zu diskutieren. manager magazin ist Medienpartner.

Rummenigge: Mein Eindruck ist: Bei diesem Thema wird seit langem rumgeeiert. Die DFL möchte natürlich nicht den Schwarzen Peter haben gegenüber den Fans und den Ultras, die gegen die Aufhebung der 50 plus 1 Regel sind. Die Fans in Deutschland wollen das auch nicht, sie fühlen sich mit der Situation, so wie sie ist, wohl. Mein Vorschlag lautet daher: Jeder Club sollte für sich selbst entscheiden, wie er damit umgeht - ob er Investoren zulässt und wenn ja, in welcher Qualität und Quantität.

mm.de: Das bedeutet: Jeder Club soll für sich selbst entscheiden, ob er 25, 50 oder gar 100 Prozent seiner Anteile an Investoren verkauft? Und auch die Entscheidung, ob nur langfristige strategische Investoren oder auch ausländische Finanzinvestoren in Frage kommen, bleibt den Clubs überlassen?

Rummenigge: Wir haben das beim FC Bayern in unseren Statuten klar geregelt. Wir könnten beim FCB bis zu 30 Prozent der Anteile veräußern, haben aber nur 24,9 Prozent der Anteile an die strategischen Investoren Adidas, Allianz und Audi verkauft. Da muss jeder Club wissen, wie er damit umgehen will und für sich die beste Lösung finden.

mm.de: Aber nicht jeder Proficlub hat wie der FC Bayern die Möglichkeit, strategische Investoren dieses Kalibers an sich zu binden. Einige Fußballclubs blicken bereits ins Ausland - das Interesse von Investoren aus Asien oder den USA an der deutschen Fußballbundesliga ist zuletzt stark gewachsen.

Rummenigge: Ich weiß, dass sich einige Vereine in der Bundesliga mit dem Gedanken tragen, auch ausländische Investoren reinzunehmen. Ich weiß auch, dass das für die Fans ein No-Go ist. Auch deshalb wäre es gut, wenn da mal grundsätzlich Klarheit geschaffen würde. Dem deutschen Fußball könnte das vielleicht einen weiteren Qualitätsschub bringen.

mm.de: Einige Investoren in der Bundesliga spekulieren bereits auf eine deutliche Wertsteigerung ihrer Anteile, wenn die 50+1 Regel erst einmal fällt und Investoren dann mehr Kontrolle erlangen können. Investmentbanker, aber auch Geschäftsführer von Proficlubs vergleichen Bundesligaclubs mit einem noch unerschlossenen Grundstück, dessen Wert als erschlossenes Baugrundstück bald deutlich steigen könnte. Gehen Sie davon aus, dass der Ligaverband DFL oder die Vereine in naher Zukunft das Wartespiel beenden und selbst aktiv werden, um die 50+1 Regel rechtlich überprüfen zu lassen?

Rummenigge: "Das Modell RB Leipzig wird ein Unikat bleiben"
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Rummenigge: "Das Modell RB Leipzig wird ein Unikat bleiben"

Rummenigge: Ich glaube nicht, dass die DFL im Moment willens ist, hier die Tür zu öffnen. Das ist wie ein Schwarzer Peter Spiel: Den Schwarzen Peter will im Moment niemand anfassen, denn diese Verantwortung gegenüber den Fangruppen in ganz Deutschland will im Moment niemand tragen. Ich glaube, dass dieses Thema nur juristisch gelöst werden kann: Dann ist es ganz einfach verpflichtend und entsprechend umzusetzen, dass diese Klausel abgeschafft wird.

mm.de: In der Bundesliga macht Ihnen derzeit RB Leipzig am stärksten Konkurrenz - ein Club, der durch Millionen Euro des Sponsors Red Bull Salzburg groß gemacht wurde. Martin Kind, der Präsident von Hannover 96, nennt das Modell von RB Leipzig einen "kreativen Umgehungstatbestand", um die 50+1-Regel zu umschiffen. Sollte die DFL nicht selbst tätig werden, bevor die Ausnahmen selbst zur Regel und ihre Statuten durchlöchert werden?

Rummenigge: Ich glaube nicht, dass ein Modell wie bei RB Leipzig zur Regel werden wird. Es wird die Ausnahme bleiben. Die Investoren haben den Standort klug gewählt - in Ostdeutschland ist Leipzig derzeit der einzige Verein in der ersten Liga. Aber einen zweiten Standort wie in Leipzig wird es nicht so schnell geben. Und es wird auch so rasch keinen Investor wie Red Bull geben, der bereit ist, dieses Modell über Jahre - also von der fünften Liga an - bis zum Ende durchzuziehen. Der ostdeutsche Fußballverband hatte damals auch kein Interesse daran, einzugreifen, weil es die einzige Chance war, wieder Profifußball auf diesem Niveau in die Region zu bekommen. Ich glaube nicht, dass das noch einmal von anderen Vereinen kopiert wird: RB Leipzig wird ein Unikat bleiben.

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mm.de: Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Profivereine Investorenmodelle ausloten, die sich von den Modellen FC Bayern und RB Leipzig unterscheiden.

Rummenigge: Es hat nicht jeder die Möglichkeiten wie Bayern München. Wir haben uns glücklicherweise so entwickelt, dass wir solche Shareholder aufnehmen konnten, mit denen man auch strategische Dinge bewältigen kann. Das kann nicht jeder, die Möglichkeit hat auch nicht jeder.

Hintergrund: Die 50+1-Regel ist gegenwärtig ein Bestandteil der Statuten der Deutschen Fußball-Liga DFL. Danach können Investoren momentan nicht die Stimmenmehrheit an Kapitalgesellschaften übernehmen, in die Fußballvereine ihre Profiabteilungen ausgegliedert haben.

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