Freitag, 15. Dezember 2017

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Kärcher Schmutz vergolden

Kärcher: Das Sponsoring des Hochdruck-Reinigers
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Kärcher

Der Reinigungsgerätehersteller Kärcher ist Weltmarktführer. Umsatz, Mitarbeiterzahlen und die Zahl der Absatzmärkte wurden zuletzt stetig gesteigert. Wozu braucht Kärcher da noch Sponsoring?

Vor 23 Jahren brauchte Hartmut Jenner drei Stunden, um allen Mitarbeitern in der Deutschland-Zentrale in Winnenden bei Stuttgart "frohe Weihnachten" zu wünschen. Heute nimmt sich der Vorsitzende der Kärcher-Geschäftsführung dafür drei Tage Zeit.

Der schwäbische Mittelständler hat in den vergangenen Jahren ein enormes Wachstum hingelegt. Im Geschäftsjahr 2016 erwirtschafteten knapp 12.000 Mitarbeiter in 60 Ländern einen Umsatz von über 2,3 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 1980 beschäftigte Kärcher gut ein Zehntel der heutigen Mitarbeiterzahl, der Umsatz betrug 107 Millionen Euro.

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Heft Dezember 2017

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Jenner nennt Stabilität und Kontinuität als die wesentlichen Erfolgsfaktoren des Unternehmens - in der Gesellschafterstruktur, im Management sowie bei der Belegschaft von Kärcher. Der Kärcher-Chef kommt im Gespräch mit SPONSORS ins Plaudern. Er gibt Einblicke in die Zehnjahresstrategie des Unternehmens, die aus seiner Sicht notwendig ist, "um Technologie-, Personal- und Kundentrends überblicken zu können". Er spricht über innovative Produkte und Prozesse aus der Fenster- und Supermarktreinigung und sagt Sätze wie: "Wir sind wesentlich innovativer als andere Unternehmen - nicht nur bei unseren Produkten, sondern auch strukturell und bei unseren Prozessen."

Aussagen wie diese zeigen, wie viel Selbstbewusstsein, aber auch wie viel Stolz, Hingabe und Verantwortung Jenner für das Unternehmen und seine Mitarbeiter empfindet. Der 51-Jährige ist in Winnenden aufgewachsen, am Stammsitz von Kärcher. Seit 26 Jahren arbeitet er für den Reinigungsgerätehersteller, 4000 seiner Mitarbeiter kennt er mit Namen. Die Firma ist seine zweite Familie.

Über seinen Job sagte Jenner einst: "Ich bin kein Manager, sondern angestellter Unternehmer." Und diese Maxime verfolgt er auch bei allen Investitionen und Unternehmensentscheidungen. Über die Verteilung des Geldes entscheidet er, "als wenn es mein eigenes wäre". So auch beim Sponsoring: "Ich würde nicht entscheiden, ob ich gern Tennis sehe, sondern ob dem Unternehmen Tennis weiterhilft".

Markenwert vervielfacht

Integriert ist das Sportsponsoring bei Kärcher im Marketing. Eine eigene Abteilung oder ein Team gibt es dafür nicht. Stattdessen verschiedene Gremien, die über Marketing-, Aktivierungs- und Sponsoringbudgets entscheiden. Die finale Verantwortung für das Sportsponsoring trägt Bernd Rützler, der als Executive Vice President Corporate Marketing & Brand Management weltweit mehr als 250 Marketing-Mitarbeiter von Kärcher unter sich hat.

Andererseits ist die Markenführung irgendwie auch Chefsache bei Kärcher. Jenner will die Wichtigkeit des Themas unterstreichen: "Markenführung ist elementar für Kärcher", sagt er. "Der Markenkern ist extrem wichtig, der Markenwert hat sich in den vergangenen sieben Jahren deutlich vervielfacht." Umso wichtiger sei es daher, dass die Marke "nach klaren Zielen, mit hohem Intellekt, viel Strategie und Analytik sowie einer hohen Nüchternheit geführt wird".

Das Marketing ist bei Kärcher eng mit dem Vertrieb verzahnt. Kein Wunder: 45 Prozent der Beschäftigten arbeiten bei Kärcher im Vertrieb oder in vertriebsnahen Bereichen wie dem (Customer-)Service oder eben im Marketing.

Dabei erwirtschaftet das Unternehmen 50 Prozent seines Umsatzes mit Privatkunden, die andere Hälfte der Produkte wird im B2B-Bereich verkauft, also an Gebäudereiniger, in der Landwirtschaft, im Automotive- Sektor oder im Kommunalbereich.

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