Mittwoch, 24. August 2016

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John Cryans Brief an die Mitarbeiter "Ich weiß, Sie arbeiten sehr hart"

John Cryan, seit Mitte 2015 CEO der Deutschen Bank, wendet sich gern mit Briefen an seine Mitarbeiter.

John Cryan, Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, hat sich am 28. Januar 2016 mit folgender Botschaft an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewandt

Nachricht | 28. Januar 2016

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich möchte Sie über die anhaltenden Fortschritte bei der Umsetzung der Strategie 2020 informieren sowie über die Details der Ergebnisse im vierten Quartal 2015, die wir heute bekannt gegeben haben.

Seit Oktober ist es uns gelungen, den Verkauf unserer Beteiligung an der Hua Xia-Bank vertraglich zu vereinbaren. Wir haben einen Vergleich mit einigen Aufsichtsbehörden zum Thema US-Sanktionsverstöße (OFAC) geschlossen. Und wir sind bei unserem Ziel vorangekommen, die NCOU bis Ende 2016 abzuwickeln.

Wir haben dringend erforderliche Maßnahmen ergriffen, um die Bank zu vereinfachen und sie besser kontrollieren zu können. Wir verringern die Anzahl der Produkte und Dienstleistungen, die wir anbieten. Wir vertiefen die Beziehungen zu unseren vielversprechenden Kunden und fokussieren unsere regionale Aufstellung, indem wir unsere lokale Präsenz in zehn Ländern beenden.

Wir haben begonnen, uns aus bestimmten Kundenverbindungen in Regionen mit höherem Risiko zurückzuziehen. Seit November haben wir zudem unsere Prozesse zur Prüfung neuer Kundenverbindungen deutlich verbessert. Darüber hinaus haben wir ein Programm aufgesetzt, mit dem wir in unsere IT-Infrastruktur investieren und diese verbessern werden.

Bedauerlicherweise haben sich die im zweiten Halbjahr 2015 umgesetzten Maßnahmen stark auf die Ergebnisse des Gesamtjahres ausgewirkt. Wie wir am 20. Januar bekannt gaben, führte dies zum ersten Jahresverlust seit 2008.

Der Verlust nach Steuern von 2,1 Mrd Euro im vierten Quartal ist maßgeblich auf drei Faktoren zurückzuführen: der zusätzlichen Vorsorge für regulatorische Angelegenheiten und Rechtstreitigkeiten von rund 1,2 Mrd Euro; den Aufwendungen für den Umbau der Bank und Abfindungen von 0,8 Mrd Euro, vor allem im Zusammenhang mit unseren bereits bekannten Plänen, Filialen im Geschäftsbereich Private & Business Clients (PBC) zu schließen; sowie einem Rückgang der Erträge im Vergleich zum Vorjahr, hauptsächlich in Corporate Banking & Securities (CB&S).

Der Verlust nach Steuern für das Gesamtjahr von 6,8 Mrd Euro wurde maßgeblich bestimmt von der Vorsorge für regulatorische Angelegenheiten und Rechtsstreitigkeiten von 5,2 Mrd Euro, Abschreibungen auf den Firmenwert und andere immaterielle Vermögenswerte von 5,8 Mrd Euro, 0,7 Mrd Euro Belastungen aus der Hua Xia Bank-Transaktion, einschließlich der Wertminderung der Beteiligung sowie von 1,0 Mrd Euro Aufwendungen für den Umbau der Bank und Abfindungen im Zusammenhang mit der Strategie 2020.

Wir sollten dennoch nicht vergessen, dass sich alle Geschäftsbereiche dank Ihres Einsatzes im Jahr 2015 gut entwickelt haben.

Die Erträge in PBC haben sich trotz des anhaltenden Drucks durch niedrige oder sogar negative Zinsen gut behauptet. Deutsche Asset und Wealth Management (AWM) sind mit einem Plus von 23 Prozent beim Vorsteuergewinn sehr gut vorangekommen. Global Transaction Banking (GTB) verzeichnete ein Rekordjahr und konnte den Vorsteuergewinn um 25 Prozent steigern. Das sind ausgezeichnete Resultate.

In CB&S verzeichneten wir im Handelsgeschäft ebenfalls starke Ergebnisse, trotz schwieriger Märkte im zweiten Halbjahr. Die Erträge im Anleihehandel stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent und im Handel mit Aktien um 6 Prozent. Der Bereich Corporate Finance verzeichnete einen leichten Rückgang, konnte jedoch einige herausragende und wichtige Transaktionen für unsere Kunden umsetzen.

In der NCOU konnten wir die risikogewichteten Aktiva um 41 Prozent verringern.

Wir bleiben auch 2016 fokussiert. Wir arbeiten hart daran, unsere Altlasten zu bereinigen. Dazu gehört, dass wir unsere Rechtsstreitigkeiten und regulatorischen Angelegenheiten so schnell wie möglich beilegen. Zudem hat der Abbau unserer Positionen in der NCOU hohe Priorität. Der Umbau der Bank wird über das gesamte Jahr hinweg weitergehen, einschließlich der Vorbereitung der Entkonsolidierung der Postbank, der Anpassung unseres Filialnetzes und der Verbesserung unseres digitalen Angebots. In den USA müssen wir den Aufbau unserer Intermediate Holding Company abschließen.

Wir alle wissen, dass eine Restrukturierung sehr herausfordernd sein kann. Sie braucht Zeit, Entschlossenheit und Geduld. Ich kenne solche Situationen aus eigener Erfahrung und bin überzeugt, dass wir auch diese erfolgreich bewältigen werden.

Ich habe bereits ausgeführt, dass wir das Potential haben, unsere Bank durch die Restrukturierung zu einer stärkeren, effizienteren und besser geführten Institution zu machen.

Ich weiß, Sie arbeiten sehr hart. Im Namen des gesamten Vorstands danke ich Ihnen für Ihren unermüdlichen Einsatz und Ihr Engagement für die Deutsche Bank.

Mit freundlichen Grüßen

John Cryan

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