Dienstag, 18. September 2018

DFB-Trainer will trotz WM-Pleite weitermachen Jogi Löw klebt an seinem Posten

Ganz entspannt: Jogi Löw an der Strandpromenade von Sotschi

Jogi Löw macht weiter: Sechs Tage nach dem historischen Vorrunden-Aus der DFB-Auswahl bei der Weltmeisterschaft in Russland haben sich die DFB-Spitze und Löw für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit entschieden, teilte der Verband am Dienstag mit. "Ich möchte mit ganzem Einsatz den Neuaufbau gestalten", sagte Löw, der sich nach dem WM-K.o. eine paar Tage Bedenkzeit erbeten hatte.

In der DFB-Zentrale hatte zuvor die WM-Delegation um Präsident Reinhard Grindel, Vize Rainer Koch, Ligapräsident Reinhard Rauball und Generalsekretär Friedrich Curtius sowie Teammanager Oliver Bierhoff bei Löw "eine ungebrochene Motivation und Energie" verspürt, "die Mannschaft auf die anstehenden Herausforderungen vorzubereiten". Löws Vertrag läuft noch bis zur WM-Endrunde 2022 in Katar. Der 58-Jährige hatte vorausschauend bereits vor der WM seinen lukrativen, millionenschweren Vertrag im Mai um zwei Jahre bis 2022 verlängert.

Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff erfahren unterdessen massive Kritik auch aus den eigenen Reihen. Aus "Spielerkreisen" sowie von zwei "erfahrenen Kennern der sportlichen und organisatorischen Verhältnisse" beim DFB-Team werden in der FAZ Stimmen laut, die das Bild des langjährigen Führungsduos erschüttern.

Überheblichkeit und Sorglosigkeit von Löw und Bierhoff

Demnach sei die Mannschaft bei der WM in Russland wie zuletzt kolportiert tatsächlich in zwei Lager gespalten gewesen (Etablierte und Junge). Vor allem aber habe die Sorglosigkeit der Verantwortlichen Löw und Bierhoff zum Desaster Vorrunden-Aus geführt, hieß es.

Die Zeitung listet unter Berufung auf die namentlich nicht genannten "Maulwürfe", die aktiv auf sie zugegangen seien, eine Reihe von Fehlentscheidungen von Löw und Bierhoff auf. Dass Löw Kapitän Manuel Neuer nach dessen Verletzung einen Sonderstatus einräumte, soll "für einige Spieler" ein Problem gewesen sein. Löw habe damit "dem Leistungsgedanken und der Leistungsgerechtigkeit geschadet".

Überhaupt habe Löw älteren Verdiensten den Vorrang eingeräumt, jüngere Spieler seien für ihren Einsatz im Training nicht honoriert worden. Weitere Kritikpunkte: Die Auswahl der Testspielgegner in der Vorbereitung. Die Hybris Bierhoffs bei der Quartierswahl, der sich vor allem an einer möglichen Halbfinal- und Finalteilnahme orientierte ("Spielplan von hinten gedacht"). Auch der Besuch der Kanzlerin am Vorabend der endgültigen Kader-Benennung sei einigen im Team sauer aufgestoßen.

la/dpa/reuters

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