Samstag, 17. November 2018

Nach Skandalen und Kritik US-Staaten wollen Facebooks Zuckerberg aus Amt drängen

Zuckerberg im Fernsehen, verfolgt von Händlern der Börse in New York: Die Ämterhäufung des Facebook-Chefs gefällt nicht allen Investoren.

Noch ist es eine Aktion mit lediglich symbolischer Bedeutung, aber wer weiß, was noch daraus wird: In den USA haben vier staatliche Fonds mitgeteilt, dass sie den Rücktritt von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg als Verwaltungsratschef des Unternehmens fordern. Im Einzelnen handelt es sich dabei um die Fonds von New York City, Rhode Island, Pennsylvania und Illinois. Sie schließen sich damit einer Initiative an, die im Juni vom Hedgefonds Trillium Asset Management ins Leben gerufen worden war, wie die Fonds mitteilten.

Trillium hatte seine Forderung damit begründet, dass Zuckerberg in verschiedenen Kontroversen rund um Facebook Börsen-Chart zeigen in der Vergangenheit keine gute Figur abgegeben habe. Dabei geht es beispielsweise um den Vorwurf, Facebook gehe nicht ausreichend gegen die mögliche Verbreitung von Falschinformationen auf seinen Seiten vor, durch die Kritikern zufolge auch politische Wahlen wie etwa die letzte US-Präsidentenwahl beeinflusst werden können.

Zudem ist das weltgrößte soziale Netzwerk nach dem Cambridge-Analytica-Skandal und anderen Datenpannen in diesem Jahr massiv in die Kritik geraten. Diese Vorgänge sowie Geschäftsergebnisse, die hinter den Erwartungen zurückblieben, haben auch die Facebook-Aktie bereits unter Druck gesetzt. Seit Juli dieses Jahres hat das Papier etwa 27 Prozent an Wert verloren.

Facebook spiele gesellschaftlich eine überdimensionale Rolle und habe hohe Verantwortung, so der Chef des Rechnungshofs von New York City, Scott Stringer, der auch für den dortigen Pensionsfonds verantwortlich ist. Deshalb sei Unabhängigkeit und Verlässlichkeit im Direktorium nötig. Die Position des Verwaltungsratschefs einer unabhängigen Person zu übertragen, sei "best governance" und damit im Sinne der Anteilseigner, Mitarbeiter, Nutzer sowie der gesamten Demokratie, so die Mitteilung der vier Investoren.

Hintergrund: Wie viele andere US-Unternehmer führt Mark Zuckerberg sein Unternehmen als CEO und Verwaltungsratschef in Personalunion. Der aktuelle Vorstoß der Investoren zielt lediglich auf die Rolle als Chef des Verwaltungsrats ab, der vergleichbar ist mit dem deutschen Aufsichtsrat. Zuckerbergs Amt als Vorstandschef von Facebook dagegen steht derzeit nicht zur Diskussion.

Auch Tesla-Chef Elon Musk beispielsweise war kürzlich wegen einer solchen Postenhäufung unter Druck geraten. Nach der Affäre um seine irreführende Ankündigung eines Börsenrückzugs seiner Firma war Musk von Seiten der US-Börsenaufsicht dazu gedrängt worden, das Amt an der Spitze des Tesla-Verwaltungsrates abzugeben.

Zuckerberg hat die Stimmenmehrheit

Dass Facebook-Chef Zuckerberg aufgrund des Druck durch die vier Pensionsfonds ebenfalls auf sein Verwaltungsratsmandat verzichten muss, ist dagegen wohl ausgeschlossen. Zuckerberg besitzt zwar lediglich eine Minderheit der Facebook-Anteile. Aufgrund einer geschickten Nutzung des Aktienrechts verfügt er jedoch über rund 60 Prozent der Stimmen bei Facebook, wie US-Medien berechnet haben. Gegen seinen Willen passiert bei dem Unternehmen daher praktisch nichts.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Zuckerberg einen ähnlichen Versuch, ihn als Verwaltungsratschef abzusetzen, scheitern lassen, wie der US-Sender CNN berichtet. Es gebe bereits einen "Lead Independent Director", teilte Facebook demnach seinerzeit mit. Dieser sei dazu da, die Interessen aller Facebook-Aktionäre zu vertreten.

Hinzu kommt, dass die vier staatlichen Fonds, die sich jetzt zu Wort melden, lediglich geringe Anteile am Unternehmen besitzen. Dem "Wall Street Journal" zufolge besaß der New Yorker Fonds, der immerhin ein Gesamtvolumen von rund 195 Milliarden Dollar habe, zuletzt insgesamt 4,7 Millionen Facebook-Aktien im Wert von etwa 745 Millionen Dollar. Die drei anderen Staatsfonds zusammen kommen demnach auf 200.000 Aktien des Unternehmens im Wert von 32 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Facebooks Börsenwert beträgt gegenwärtig etwa 460 Milliarden Dollar.

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