Dienstag, 26. Juli 2016

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Konzerne und Start-ups Späterer Aufkauf nicht ausgeschlossen

Forschung im Verbund: Konzerne arbeiten in Innokubatoren gemeinsam mit Start-ups
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Forschung im Verbund: Konzerne arbeiten in Innokubatoren gemeinsam mit Start-ups

Das Versandhaus Otto hat einen, auch der Medienkonzern Springer und das Handelshaus Rewe: Externes Innovationsmanagement, um gemeinsam mit jungen Gründern an Zukunftsprodukten zu feilen. Der Trend startet jetzt so richtig in der IT-Gründerszene.

Die Strategie dabei ist klar: Biete den Startups am Anfang ein überschaubares Beteiligungskapital, aber mit vollem Zugang zu wertvollen Ressourcen des Konzerns an, entwickle die Geschäftsidee gemeinsam mit den Gründern partnerschaftlich weiter und partizipiere rechtzeitig an der Wertsteigerung - spätere Integration des Startups in den Konzern nicht ausgeschlossen.

Trotz höherem Risiko für Ausfälle soll dann diese Taktik immer noch besser sein, als innovative Geschäftsideen im Konzern allgemein versanden zu lassen oder die erfolgreichen externen Startups später für deutlich mehr Geld kaufen zu müssen, weil sie das Kerngeschäft gefährden. Unter dem politischen Schlagwort "Industrie 4.0" machen sich klassische Industrie- und Handels-Konzerne daher in letzter Zeit immer mehr Gedanken darüber, wie sie den Herausforderungen einer frühzeitigen Zusammenarbeit mit den Startups der digitalen Wirtschaft mit Hilfe von Inkubatoren begegnen können.

Die bisherige Antwort reicht nicht mehr: Die in den vergangenen Jahren angebotene Lösung hieß Corporate Venture Capital (CVC). Dabei wurde vom Konzern direkt oder indirekt über eine zugehörige Beteiligungsgesellschaft den Startups das benötigte Kapital angeboten, um sich den sofortigen oder späteren Zugang zu deren innovativen Ideen zu sichern.

Da sich aber der Kapitalmarkt für Startups gerade in den frühen Phasen in der jüngeren Vergangenheit deutlich verbessert hat, und inzwischen über zahlreiche Business Angels und andere Seed-Investoren das Risikokapital für gute Ideen und Teams in der ersten Runde nicht mehr der limitierende Faktor zu sein scheint, befinden sich die CVCs nur noch als "Einer unter Vielen" im Wettbewerb. Ferner haben sich aus dem Startup-Umfeld selbst, insbesondere über erfolgreiche Gründer und deren Exits, zahlreiche Acceleratoren und Inkubatoren gebildet, die über eine Kombination aus Kapital und Unterstützung "smarter" für die Gründer zu sein scheinen.

Neuorientierung notwendig

In den USA ist der Wandel schon längst vollzogen: Inkubatoren-Angebote seitens der Industrie bzw. der Konzerne muss man in den Vereinigten Staaten nicht lange mit der Lupe suchen. Die Beispiele umfassen Parc (Palo Alto Research Center) von Xerox, den Research Park in Illinois in Kooperation mit Firmen wie Yahoo Börsen-Chart zeigen, Sony Börsen-Chart zeigen und Qualcomm Börsen-Chart zeigen oder aber Walmart Labs vom gleichnamigen größten Retailer der Welt, der das digitale Shopping-Erlebnis von morgen über innovative Startup-Ideen begleiten möchte.

Auch in Deutschland ist eine Neuorientierung notwendig: Im Ergebnis haben die Konzerne nun die Wahl, ob sie sich auf spätere Finanzierungsrunden zurückziehen oder für die Startups in der Frühphase andere Angebote machen wollen. Die erste Strategie hätte zwar den Vorteil eines geringeren Ausfallrisikos, jedoch auch den Nachteil von höheren Preisen für die Beteiligung, sofern für die Gründer in späteren Finanzierungsphasen das CVC überhaupt noch attraktiv ist.

Die zweite Strategie würde an dem frühen und damit günstigeren Einstieg bei Startups im strategischen Zielfokus festhalten, jedoch eine neue Qualität im Angebot in Form eines eigenen Inkubatoransatzes notwendig machen. Im Mittelpunkt steht dann nicht mehr nur das angebotene Kapital sondern vielmehr die gemeinsame Innovationsentwicklung mit den Gründern unter Hinzunahme der konzerninternen Ressourcen von Anfang an als gemeinsame "Innokubation".

Eine frühe Zusammenarbeit macht durchaus Sinn: Gerade im Bereich der jungen digitalen Wirtschaft haben Startups in der Regel ihre Stärken am Anfang des Innovationsprozesses, wo Konzerne aufgrund ihrer Strukturen zeitlich und inhaltlich nicht so flexibel agieren können. Dafür spielen letztere ihre Stärke in späteren Entwicklungsphasen aus, wo auf weitreichende Vertriebs- und Netzwerkformen zurückgegriffen werden kann, um die E-Business-Modelle weitreichend zu implementieren. Ein Zusammenschluss schon von Anfang an könnte also durchaus Sinn für beide Beteiligten machen. Entscheidend ist aber die Art und Weise, wie ein Inkubatorangebot seitens der Konzerne für die Start-ups als "Adapter" zwischen beiden Welten gestaltet ist.

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