Donnerstag, 8. Dezember 2016

Infrastruktur-Anlagen Noch meiden Versicherer Investments auf hoher See

Laufend Wind, laufend Erlöse: Der Nordsee-Windpark "Meerwind Süd/Ost" bei Helgoland zieht das Interesse der Investoren an. Die 80 Turbinen mit einer installierten Gesamtleistung von 288 Megawatt können bis zu 360.000 Haushalte mit Strom versorgen. Ob deutsche Versicherer dafür bieten, ist unklar. Ein direktes Investment in Offshore-Windparks meiden sie bislang

Langfristige, regelmäßige und sichere Erlöse - in Zeiten niedrigster Zinsen sind viele Investoren daran interessiert, ganz besonders aber Versicherer. Denn ihre Verpflichtungen sind zumeist langfristiger Natur, und deshalb ihr Anlagehorizont auf lange Zeiten und überwiegend risikoärmere Investments fokussiert. Das gilt nicht zuletzt für deutsche Lebensversicherer.

Ob typische Infrastrukturprojekte wie Autobahnen, Brücken, Stromnetze oder auch regenerative Energien - der Finanzierungsbedarf ist riesig und ihre Rendite mit 4 Prozent und mehr deutlich höher als sich mit als sicheren, aber eben schwach verzinsten Staatsanleihen erwirtschaften lässt.

Da müsste die Assekuranz, die händeringend nach alternativen Geldanlagen sucht, die Versichertengelder doch nur so hineinpumpen, möchte man meinen. Doch weit gefehlt: Gerade mal rund zehn Milliarden Euro und damit weniger als 1 Prozent der gesamten Kapitalanlagen von 1500 Milliarden Euro haben deutsche Versicherer und Pensionskassen in Infrastruktur und Erneuerbare Energien investiert.

Warum sich Versicherer mit Infrastruktur-Investitionen noch schwer tun

Ein Grund ist, dass Investitionen in Infrastrukturprojekte viel Knowhow und eine gute Kapitalausstattung erfordern, so dass vor allem größere und kapitalkräftige Versicherer sich in diesem Segment umtreiben. Zwar sollen die Unternehmen Investments künftig nur noch mit 30 statt 59 Prozent Eigenkapital unterlegen müssen. Doch auch das erscheint vielen Versicherern immer noch zu hoch.

Ein zweiter Grund ist, dass Versicherer auch das Risiko sich ändernder politischer Rahmenbedingungen von weiteren Investments abhält. Werden zum Beispiel Einspeisevergütungen für Ökostrom oder die Höhe für Durchleitungsgebühren mit einem Regierungswechsel oder einem Gerichtsurteil plötzlich hinfällig, kann das Investment schon aus dem Ruder laufen.

"Wenn man Langfristinvestoren ermuntern möchte, stärker in Infrastruktur zu investieren, dann muss man zwingend ein politisch verlässliches Rahmenwerk anbieten, das so lange gilt, wie diese Projekte laufen. Und das sind dann eben 20 oder 30 Jahre oder mehr", forderte unlängst Felix Hufeld, Präsident der Finanzaufsicht im Interview mit der "Börsen-Zeitung".

Der ehemalige Chef-Aufseher der deutschen Versicherer bemängelt aber auch, dass Infrastrukturanbieter oder die Finanzindustrie als Strukturierer von Finanzprodukten, oft nur Formate im dreistelligen Millionenbereich anböten, kleinere Versicherer seien bei derart großen Losgrößen von vornherein ausgeschlossen.

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