Dienstag, 11. Dezember 2018

Tech-Firmen entern Immobilien-Branche Makler gegen Start-ups - der digitale Häuserkampf

Heiß umkämpft: Die Digitalisierung schreitet auch am Immobilienmarkt voran - mit Gewinnern und Verlierern

Das Gefühl, dass sich in der Immobilienbranche etwas reißen lässt, hatte Fabian Mellin schon mit Anfang zwanzig. Deshalb hat der ehemalige BWL-Student investiert, ein eigenes Maklerbüro aufgemacht, um Erfahrungen zu sammeln, zu lernen. 2015 - mit 26 Jahren war es dann soweit.

Der Ex-Berliner wagte - zusammen mit ein paar Mitstreitern - den Sprung ins kalte Wasser: Gründete Moovin - einen "No-Frills-Makler", der Vermietern und Verkäufern seine Dienste dank digitaler Technik zu echten Kampfpreisen bietet. Gezahlt wird nur, was gebraucht wird. Und was das ist - von der Anzeigenschaltung über das Erstellen von Bildmaterial bis hin zum Besichtigungsmanagement- kann jeder Kunde selbst festlegen. Rund 350 Objekte, so Mellin, hat er mit seiner kleinen Mannschaft bisher vermittelt.

Mellin ist nicht alleine. Gleich reihenweise haben in den vergangenen Monaten Immobilienportale aufgemacht, die Kunden ihre Dienstleistung deutlich billiger anbieten, als dies in der Branche lange üblich war. Von Vermietungen über Verkäufe bis zum Investment und Portfolio-Management - in fast allen Segmenten tummeln sich mittlerweile zahlreiche neue Online-Wettbewerber, die den etablierten Akteuren auf dem Markt Konkurrenz machen wollen.

Startschuss am 1. Juni 2015

Ein entscheidendes Datum für den Wandel der Branche - und auch für Mellins Gründung - war der 1. Juni 2015. An dem Tag trat bundesweit das sogenannte Bestellerprinzip in Kraft. Zuvor konnten Vermieter zur Vermittlung ihrer Wohnungen nach Belieben Makler beauftragen. Bezahlt wurden die Vermittler erst nach getaner Arbeit, und zwar in der Regel vom neuen Mieter. Und das meist großzügig. Bis zu zwei Nettokaltmieten konnten die Vermittler für ihre Dienste in Rechnung stellen.

Das ist jetzt anders. Laut Bestellerprinzip zahlt nun derjenige den Makler, der ihn auch beauftragt hat - und das ist in den meisten Fällen der Eigentümer der Wohnung, sprich: der Vermieter. Eine Änderung, die nach den Worten Mellins auch einen deutlichen Mentalitätswandel bei den Besitzern hervorgerufen hat: "Weil sie jetzt selber zahlen müssen, schauen viele Auftraggeber nun viel genauer hin."

Genau in diese Änderung der Rahmenbedingungen haben viele Unternehmer große Hoffnungen gesetzt. Gleich reihenweise witterten Firmengründer die Chance, im Immobilienmarkt unter den neuen Konditionen das große Geld zu machen.

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