Mittwoch, 12. Dezember 2018

Chinas Telekomriese als bösester Konzern der Welt Das sollten Sie über Huawei wissen

Die Emissäre aus den USA sind fleißig unterwegs. Im eigenen Land ist der chinesische Netzwerkausrüster Huawei vom Ausbau des künftigen 5G-Mobilfunknetzes ausgeschlossen, seit August auch in Australien, in dieser Woche zog Neuseeland nach. Wie die "Financial Times" an diesem Donnerstag berichtet, wollen die US-Delegationen auch von britischen und deutschen Behörden Signale gehört haben, wonach die bevorstehenden Multi-Milliarden-Aufträge für 5G ohne Huawei über die Bühne gehen könnten. Lesen Sie dazu die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wer ist Huawei?

Das private, aber nicht börsennotierte Unternehmen aus dem südchinesischen Industriezentrum Shenzhen gilt als Weltmarktführer in der Telekommunikationsausrüstung (nebenbei verkauft es auch Geräte wie Smartphones an Endkunden und ist darin inzwischen die globale Nummer zwei hinter Samsung, vor Apple).

Zusammen mit dem kleineren Wettbewerber ZTE, der in diesem Frühjahr schon fast wegen einer US-Intervention kollabiert wäre, führt Huawei seit Jahren die Rankings der Firmen mit den meisten Patentanmeldungen an. Deshalb gilt der Konzern als Paradebeispiel für den Wandel Chinas vom Imitator zum Innovator. Apropos Parade: Gründer Ren Zhengfei war vor seiner Huawei-Zeit jahrzehntelang als Forscher in einem technischen Institut der Volksbefreiungsarmee beschäftigt. Die Führung von Huawei folgt einem eigenwilligen Modell - der Chefposten rotiert im Halbjahresrhythmus zwischen drei Kollegen.

Welches Problem haben die USA mit den Chinesen?

Die offiziellen Erklärungen verweisen etwas nebulös auf "Gefahren für die nationale Sicherheit" und möglichen Einfluss eines fremden Staats. Eher im Hintergrund schwingt die Sorge mit, von Huawei gebaute Funkmasten könnten für Spionage der Chinesen genutzt werden. Konkrete Hinweise darauf wurden bislang aber nicht öffentlich (während westliche Konzerne und Geheimdienste seit den Snowden-Veröffentlichungen wegen ihrer "Backdoors" im Gerede sind). Zudem werfen die USA einigen Huawei-Topmanagern vor, gegen die von den USA verhängten Handelssanktionen gegen den Iran verstoßen zu haben - dieser Vorwurf führte zu der Festnahme von Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou, Tochter von Huawei-Gründer Ren Zhengfei, in Kanada.

Wie antwortet Huawei?

Das Unternehmen versucht sich in einer großen PR-Offensive (in Berlin beispielsweise hängen derzeit launige Plakate) als verlässlicher Partner zu präsentieren. Firmenkunden werden eingeladen, Huawei-Technik auf Sicherheitslücken zu testen, gerade in den aktuell umkämpften Ländern auch staatliche Stellen:

In Großbritannien wird Huawei-Technik vor dem Einsatz in einem Cybersecurity-Zentrum namens HCSEC unter Kontrolle des Geheimdienstes GCHQ getestet, das zunächst Entwarnung gab. Neuerdings geben sich die Briten aber zurückhaltender - man könne nur "begrenzte Sicherheit" geben, dass die chinesische Technik kein Risiko darstelle.

In Bonn hat Huawei Mitte November ein Security Innovation Lab eröffnet, unter dem Applaus von Arne Schönbohm, dem Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik.

Warum ist 5G so wichtig?

Der neue Mobilfunkstandard soll nicht nur ein schnelleres und verlässlicheres Netz bieten, sondern vor allem die Basis für das Internet der Dinge bieten. Vom autonomen Fahren über Smart Homes bis zu industriellen Lieferketten soll eine viel größere Bandbreite an Daten über Mobilfunk verbreitet werden.

Wie hat sich Huawei in Deutschland positioniert?

Die im Frühjahr 2019 von der Bundesnetzagentur geplante Ausschreibung neuer Funkfrequenzen für 5G läuft darauf hinaus, möglichst wenig an der bisherigen Marktstruktur zu ändern. Die drei Mobilnetzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica kooperieren allesamt mit Huawei - schon im bisherigen 4G-Standard sind die Chinesen Lieferant Nummer eins für Funkmasten und Basisstationen.

Erste Versuchsanlagen für 5G nach Vorstandard liefen ebenfalls zumeist mit Huawei. So bauten die Chinesen mit Telefónica 2017 die erste 5G-Antennenlösung in der Münchener Tech City, präsentierten mit der Telekom "Europas erste 5G-Verbindung" in Berlin-Schöneberg und rüsteten mit Vodafone die Teststrecke für autonomes Fahren an der A9 aus.

Welche Alternativen gibt es zu Huawei?

Die Zahl der Anbieter von Netzinfrastruktur ist in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft. Große Westkonzerne wie Siemens haben sich aus dem Geschäft zurückgezogen, andere haben fusioniert und ihre Kapazitäten deutlich verringert. Übrig sind noch Ericsson aus Schweden und Nokia aus Finnland, die folgerichtig das Gros der US-Aufträge für 5G-Netze bekommen - beide produzieren aber auch in China in Joint-Ventures mit Firmen, die unter Parteieinfluss stehen. Die südkoreanische Samsung-Gruppe sieht im Zurückdrängen von Huawei eine Gelegenheit, in den Markt zurückzukehren.

Einhellige Marktmeinung ist, dass die Chinesen das Equipment billiger anbieten als die Konkurrenz. Nicht ganz so einhellig, aber auch weit verbreitet ist die Einschätzung, dass Huawei einen technologischen Vorsprung hat. "Heute gibt es nur einen echten 5G-Lieferanten, und das ist Huawei", schwärmte beispielsweise Neil McRae, Chef des Netzaufbaus beim britischen Mobilfunker BT.

Was bedeutet das für den Wettbewerb der Netzanbieter?

Der Ausschluss der Chinesen führt dazu, dass der Kosten- und Zeitdruck beim Netzausbau steigt. In Australien genießt Marktführer Telstra einen Vorteil gegenüber den Konkurrenten, die allesamt für 5G mit Huawei geplant hatten und dann teilweise aufgaben.

In Deutschland klagen die Netzbetreiber durch die Bank über die teuren anstehenden Investitionen in das 5G-Netz - ohne Huawei dürfte es noch teurer werden. Umso weniger Geld hätten sie für die staatliche Auktion der Frequenzen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz rechnet aber ohnehin nicht mehr mit über fünf Milliarden Euro - nachdem Ex-Infrastrukturminister Alexander Dobrindt noch "mindestens zehn Milliarden Euro" in den schwarz-roten Koalitionsvertrag einrechnen ließ.

Wer macht sich in Berlin gegen Huawei stark?

Offiziell niemand. Ein Huawei-Manager äußerte sich gegenüber der "FT" auch erstaunt: Dass Deutschland einen Ausschluss erwäge, habe er noch nie gehört. Der Bund würde auch gegen seine Interessen beim Netzausbau ebenso wie mit Blick auf Lizenzerlöse handeln - zudem als Großaktionär der Deutschen Telekom. Die "FT" beruft sich auf anonyme Quellen aus dem Außen- und dem Innenministerium. Eine davon wird zitiert: "Die USA haben den Druck zuletzt kräftig erhöht." Trump beruhigen, hieße also die Devise.

Welche Rechtsgrundlage hätte ein Ausschluss der Chinesen?

Bisher keine. Schließlich ist es eine private Entscheidung der beteiligten Firmen, welche Lieferanten sie beauftragen. Nationale Auflagen könnten sogar die EU-Regel zum freien Wettbewerb behindern. Einen administrativen Weg gäbe es, wenn das BSI konkrete Sicherheitsmängel in Huawei-Geräten nachwiese.

Doch die Bundesregierung verhandelt derzeit ohnehin über eine Verschärfung der Außenwirtschaftsverordnung, um kritische Infrastruktur vor chinesischem Zugriff zu schützen. Diese Regeln richten sich gegen Firmenübernahmen. Doch die Grünen haben einen Antrag in den Bundestag eingebracht, auch Aufträge für Netzinfrastruktur in die antichinesische Mauer einzubauen - ausdrücklich mit Blick auf Huawei und 5G.

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