Montag, 25. Juli 2016

Hoeneß-Prozess Uli Hoeneß - Alles oder nichts

Uli Hoeneß, Anwalt Hanns Feigen (links): Wenn die Selbstanzeige wirksam war, wie die Verteidigung argumentiert, dann spielt die Höhe der hinterzogenen Steuern keine Rolle

Das Verfahren gegen Uli Hoeneß treibt auf eine Alles-oder-nichts-Entscheidung zu. Dass für die Verteidigung die Höhe der Steuerschuld keine Rolle spielt, hat einen Grund: Exklusiv für manager-magazin online analysiert Wirtschafts-Anwalt Oliver Sahan die Chancen des FC-Bayern-Chefs, der Haft zu entgehen.

Nachdem das Gericht heute zwei weitere Zeugen gehört hat, erklärt es die Beweisaufnahme aus seiner Sicht für beendet. Sollten am morgigen Verhandlungstag keine weiteren Beweisanträge der Verteidigung oder Staatsanwaltschaft folgen, können wir bereits am Donnerstag mit Plädoyers und einem Urteil rechnen.

Der als Zeuge geladene EDV-Spezialist bestätigte die bereits gestern von der Verteidigung geäußerte Ansicht, wonach die vor einigen Wochen eingereichten Dateien größtenteils erst in diesem Jahr erstellt wurden. Der zweite Zeuge, der Betriebsprüfer des Angeklagten, konnte keine ergiebigen Aussagen über das Handelsverhalten von Herrn Hoeneß in der Schweiz treffen.

Das Gericht erläuterte anhand einer eigenen Berechnung des Steuerschadens aufgrund der nunmehr vorliegenden Unterlagen, dass es für den Fall einer Verurteilung von einem strafrechtlich relevanten Steuerschaden in Höhe von ca. 27 Millionen Euro ausgehen würde. Dann machte es deutlich, dass es das Beweisprogramm für erschöpft ansieht und das Verfahren zeitnah zu einem Abschluss kommen kann.

Das nahende Verfahrensende ist Anlass, die Strategien der Verfahrensbeteiligten insgesamt zu beleuchten.

Die Staatsanwaltschaft: Forderung einer hohen Haftstrafe wahrscheinlich

Nachdem gestern der Tag durch die Anklageseite dominiert war, hat sich die Staatsanwaltschaft heute eher zurückhaltend gezeigt. Für ihr vornehmliches Ziel - nachzuweisen, dass die Selbstanzeige des Angeklagten aus dem Januar 2013 unvollständig und damit unwirksam war - war vor allen Dingen die gestrige Aussage der Finanzbeamtin von Bedeutung.

Staatsanwaltschaft von Engel wird nun im Plädoyer versuchen, das Gericht abschließend davon zu überzeugen, dass die Selbstanzeige des Angeklagten unwirksam war und vor dem Hintergrund der erheblichen Hinterziehungssumme vermutlich eine hohe Haftstrafe fordern.

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