Montag, 16. Juli 2018

Deutsche-Bank-Großaktionär setzt auf Luftfahrt Nach Wang Jians Tod - HNA könnte Anteil an Deutscher Bank verkaufen

HNA-Mitgründer Wang Jian: Tödlicher Sturz in Südfrankreich. Der hoch verschuldete HNA Konzern könnte seine Beteiligung an der Deutschen Bank weiter reduzieren
HNA Group/AP/dpa
HNA-Mitgründer Wang Jian: Tödlicher Sturz in Südfrankreich. Der hoch verschuldete HNA Konzern könnte seine Beteiligung an der Deutschen Bank weiter reduzieren

Am Dienstag dieser Woche starb Wang Jian (57), Co-Chairman des chinesischen HNA- Konzerns, auf einer Geschäftsreise in der Provence. Der tödliche Mauersturz des Managers ist durchaus symbolisch zu betrachten. Auch sein Unternehmen HNA ist tief gestürzt, doch es lebt immerhin noch. Nun muss sein Kompagnon Chen Feng (65), mit dem er einst das Unternehmen gründete und der kurz nach Wangs Tod zum Chairman ernannt wurde, das Unternehmen alleine retten.

Aber hat Chen Feng noch viel zu sagen? Eher nicht. Die entscheidenden Herren sitzen woanders, nicht im HNA-Headquarter auf der Sonneninsel Hainan, sondern in Peking und Shanghai, in den Regierungsbüros und den Banktürmen. HNA steht quasi unter dem Kuratel des Staates und dessen Banken.

Denn HNA ist ein gigantischer Sanierungsfall. Aus der Traum von Chen und Wang, die HNA in die Top-Liga der globalen Konzerne hieven wollten und dabei auf eine weltweit beispiellose Einkaufstour gingen: Banken, Versicherungen, Hotelketten, Wolkenkratzer, Fluglinien. Über 40 Milliarden Dollar gaben sie aus.

HNA ist ein gigantischer Sanierungsfall

Woher das Geld kam? Zum größten Teil von den Staatsbanken. Im Sommer vergangenen Jahres wurde es aber der politischen Führung Chinas zu heiß. Die vielen irrationalen Investments von HNA (aber auch der beiden anderen kaufwütigen Konzerne Anbang und Wanda) schadeten dem Image des Landes. Die Staatsbanken reagierten und gaben kein neues Geld mehr - mit fatalen Folgen für HNA.

Der Konzern sitzt heute auf einem Schuldenberg von mindestens 90 Milliarden Dollar. Kein Unternehmen in Asien muss mehr für Zinsen aufbringen als HNA, allein fünf Milliarden Dollar waren es im vergangenen Jahr.

In ihrer Not musste im Frühjahr die HNA-Führung gar bei ihren Mitarbeiter um Kredite betteln, zahlte dafür acht Prozent Zinsen und bei hohen Summen (15 000 Dollar aufwärts) noch viel mehr. In dieser verzweifelten Situation bleibt für HNA nur ein Ausweg: Ein Großteil dessen, was sie soeben eingekauft haben, wieder zu verkaufen.

In diesem Jahr wurden bereits Beteiligungen und Immobilien im Wert von rund 15 Milliarden Dollar verscherbelt, darunter die Anteile an den Hotelketten Hilton, Park und NH sowie Immobilien in Hongkong, New York, San Francisco, Singapur und Sydney.

Weil jeder weiß, dass HNA dringend verkaufen muss, drückt das allerdings auf die Verkaufserlöse. Doch das HNA-Management hat seine Verkaufsliste noch nicht abgearbeitet. Es hat noch einiges im Portfolio, zum Beispiel Bürotürme in London, den 60-stöckigen HNA Tower in Shanghai oder die Radisson Hotel Group (Beteiligung: 51 Prozent).

Anteil an Deutscher Bank schon reduziert - und bald komplett verkauft?

Und was passiert mit dem HNA-Anteil an der Deutsche Bank? Schon im Februar wurde er von 9,9 auf 8,8 Prozent und im April dann nochmals auf 7,9 Prozent reduziert. Nach jedem dieser Schritte verkündete der Statthalter C-Quadrat treuherzig, weitere Verkäufe seien nicht geplant.

Doch dieser Durchhalteappell lässt sich schwer mit dem vereinbaren, was Mitte Juni bei einem Krisentreffen von Zentralbank, Regulierungsbehörden, China Development Bank (HNAs größtem Gläubiger) und HNA Chairman Chen Feng offenbar vereinbart wurde. Dort bekundeten die Teilnehmer, dass man zu HNA stehe, dass man das Management bei Bondverkäufen stützen will.

Kerngeschäft ist nicht Finanzbereich, sondern Luftfahrt

Doch sie verbanden mit diesem Treuebekenntnis auch die Mahnung, die Schulden weiter zu reduzieren und sich aufs Kerngeschäft zu konzentrieren - und das ist nicht der Finanzbereich, sondern die Luftfahrt.

Wolfgang Hirn

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Hainan Airlines - das ist der Nukleus des Unternehmens. Mit einer Boeing 737 fing 1993 alles an. Heute hat die Fluglinie über 400 Flugzeuge, eine extrem junge Flotte (4,7 Jahre alt) und 13 Beteiligungen an anderen Airlines. In China genießt Hainan Airlines einen guten Ruf, ist mit einem Marktanteil von 14 Prozent die veritable Nummer Vier hinter den drei großen Staatsairlines Air China, China Eastern und China Southern.

Im Vergeich zu diesem Trio ist Hainan Airlines allerdings sehr stark vom Inlandsgeschäft abhängig, was sicher auch ein Grund ist, warum sich die Regierung ein Bankrott von HNA nicht leisten kann, denn ein Totalausfall von Hainan Airlines würde zu großem Unmut in der Bevölkerung führen. Hainan Airlines hat auch einige Verbindungen nach Europa (zum Beispiel nach Berlin) und Nordamerika, das Asien-Geschäft ist aber relativ schwach und deshalb ausbaufähig.

Mittelfristig kann bei der Internationalisierung der Standort Hainan Vorteile bringen. Denn die Regierung hat große Pläne mit Hainan, will die subtropische Insel vor der Küste Vietnams zu einem Hawaii des Ostens ausbauen. Schon jetzt versucht sie Touristen aus aller Welt an die schönen Strände der Insel zu locken. Seit 1. Mai dürfen sich Besucher aus 59 Ländern - darunter auch Deutschland - 30 Tage visumfrei in der Sonne aalen. Und freien Zugang zu - den im Rest-China gesperrten - sozialen Diensten Facebook und Twitter sowie Google bekommen sie auch.

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