Dienstag, 11. Dezember 2018

Chef des Putzportals Helpling  "Ich schließe Festanstellungen nicht aus"

Fröhliche Selbständige: Wenn's gut läuft, bleibt ein Stundenlohn zwischen 8 Euro und 9,50 Euro übrig, sagt Helpling-Chef Franke. Davon müssen die "Helplinge", wie er sie nennt, allerdings noch Rentenversicherung, Anfahrt und Arbeitskleidung selbst bezahlen

Helpling steht für die Vermittlung günstiger Putzkräfte, dank dieses Versprechens wächst das Portal kräftig. Im Interview erklärt der Mitgründer Benedikt Franke, warum sich dennoch eines Tages Festanstellungen und Preiserhöhungen lohnen könnten.

manager-magazin.de: Herr Franke, unser "Helpling" hat uns im vergangenen Monat zwei Mal sitzen lassen und ist zum vereinbarten Termin, an dem die Wohnung gereinigt werden sollte, einfach nicht erscheinen. Ein Einzelfall?

Franke: Das ist natürlich extrem ärgerlich. Wir arbeiten daran, dass so etwas nicht passiert. Es widerspricht auch völlig unserem obersten Ziel: Die Beziehung zwischen Ihnen und der Reinigungskraft nach dem Erstkontakt so lange wie möglich zu erhalten. Der Idealfall ist, dass Sie einen Stamm-Helpling finden, dem Sie einen Schlüssel zu Ihrer Wohnung geben können und ihm oder ihr Ihre Vorlieben erklären. So ist es für beide Seiten bequemer.

mm.de: Wegen der offenbar hohen Fluktuation war es in unserem Fall bislang aber nicht möglich, einen Stamm-"Helpling" zu finden.

Franke: Das entspricht natürlich nicht dem Prinzip, wie Helpling als Plattform funktionieren sollte. Wir arbeiten daran, dies zu ändern.

mm.de: Auf Ihrer Facebook-Seite beschweren sich Kunden regelmäßig, weil sie versetzt wurden.

Franke: Das ist ein verschwindend geringer Anteil unserer Kunden. Normalerweise kommt eine Absage im Durchschnitt einmal im Jahr vor. Aber wie gesagt, wir arbeiten daran.

mm.de: Ist der Job, den Sie bieten, vielleicht einfach nicht attraktiv genug, um die Leute dauerhaft bei der Stange zu halten?

Franke: Zunächst einmal: Niemand muss bei uns bleiben, das liegt ja im Kern der Sache. Die Dienstleister sind genauso unsere Kunden wie Sie einer sind - und denen wir ebenfalls ein attraktives Angebot machen wollen. Auch zu unseren Putzkräften wollen wir ein langfristiges Verhältnis aufbauen. Da wir am Anfang viel Zeit und Mühe in ihre Einarbeitung und Auswahl investieren, würde es sich für uns sonst gar nicht lohnen. Wir fordern etwa das polizeiliche Führungszeugnis ein und führen Einzelinterviews.

mm.de: Wie viele Putzkräfte arbeiten in Deutschland derzeit für Sie?

Franke: Die Zahl liegt im mittleren vierstelligen Bereich. Bis Ende dieses Jahres sollen es 10.000 sein.

mm.de: Und wie viel verdient ein "Helpling"?

Franke: Zwischen 12,90 Euro und 14,90 Euro pro Stunde. Davon nehmen wir eine Kommission von 20 Prozent. Dann müssen die Putzkräfte natürlich noch Abgaben zahlen, also Steuern, Krankenversicherung und so weiter. Aber das ist ja bei allen Selbstständigen so.

mm.de: Was bleibt unterm Strich pro Stunde übrig?

Franke: Nach Steuern und Krankenversicherung zwischen 8 und 9,50 Euro.

mm.de: Da sind die Kosten für die Anfahrt oder die Rentenversicherung aber noch nicht mit einberechnet. Hinzu kommen noch andere Versicherungen. Wer kommt auf, wenn der "Helpling" beim Putzen von der Leiter stürzt?

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