Mittwoch, 19. September 2018

Helpling & Book a Tiger Warum Putz-Start-ups es schwer haben

Helpling: Das Geschäftsmodell scheint gescheitert
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Helpling: Das Geschäftsmodell scheint gescheitert

Die Idee hinter Helpling und Book a Tiger war simpel: Wenn sich Pizzabestellungen (Lieferheld), Taxifahrten (Uber) oder Privatzimmer (Airbnb) via Smartphone-App vermitteln ließen, warum nicht auch Putzkräfte? Das Gründungsjahr 2014 markierte den Höhepunkt der so genannten On-Demand-Economy. Selbstständige Dienstleister wie Handwerker, Boten oder sogar Anwälte sollten in dieser Welt immer nur einen Klick entfernt sein.

Das US-Vorbild Homejoy ging zwar schon 2015 pleite - was Investoren wie Rocket Internet oder Lakestar aber nicht davon abhielt, über 66 Millionen Euro Wagniskapital in Helpling zu pumpen. Zuletzt beteiligte sich Unilever 2017 mit einer Millionensumme.

Helpling, das Honorarputzkräfte und Kunden gegen Provision zusammenbringt, litt von Anfang an unter Qualitätsproblemen und dem Vorwurf, Scheinselbstständige für Hungerlöhne zu beschäftigen. Mittlerweile können die "Helplinge" ihren Stundensatz selbst erhöhen, aber die Beschwerden über unzuverlässige Putzkräfte, die oft wechseln, blieben. Warum auch sollten Profis dauerhaft 25 Prozent ihres schmalen Verdienstes an Helpling abtreten?

Heute erscheint das Modell als gescheitert. Hauptkonkurrent Book a Tiger, der seine gut 500 Putzkräfte am Ende sogar fest anstellte, hat vor Kurzem angekündigt, sein Privatkundengeschäft einzudampfen. Die Wohnungen von Bestandskunden werden zwar vorerst weiter geputzt, aber kein Geld in neues Personal oder Werbung gesteckt. Einer der Gründer, Nikita Fahrenholz (34), verließ das Unternehmen.

In den Modellen sah es damals einfach aus, erzählt CEO Claude Ritter (38). Ein Geschäft, das sich einfach skalieren lässt. Doch dann muss man plötzlich Schulungen in Bielefeld organisieren, für jede Stadt mühsam die Arbeitswege kalkulieren oder mit launischen Kunden fertig werden, die kurzfristig Termine stornieren. Ritter gesteht: "Wir haben den operativen Aufwand unterschätzt."

Weniger Werbung, dafür mehr Experimente

Er konzentriert sich jetzt auf Geschäftskunden und vermittelt dazu auch Aufträge an andere Reinigungsunternehmen. Ein bisschen wie bei Flixbus, das die Busse und Fahrer von Subunternehmern auf seiner Plattform bündelt.

Helpling verbrennt nach wie vor Geld. Trotz teurer Werbekampagnen und Dependancen in neun Ländern kam das Start-up bis zuletzt nicht über 6,2 Millionen Euro Umsatz (2016) hinaus. Laut Mitgründer Benedikt Franke (37) sind die Erlöse mittlerweile zwar gestiegen - eine genaue Zahl nennt er indes nicht. Bei einer "mittleren fünfstelligen" Kundenzahl und durchschnittlichen Stundensätzen um die 17 Euro dürften die Provisionen aber kaum mehr als 10 Millionen einbringen. Rocket Internet wertete seinen 21-Prozent-Anteil laut letztem Jahresbericht um 7 Millionen Euro ab.

Franke erzählt, dass man jetzt weniger Werbung, aber mehr Experimente mache. Zum Beispiel mit Umzugshelfern in Berlin oder dem Verkauf von Putzmitteln "as a service". Die Kundenbeziehung, das ist ihm wichtig, komme jetzt vor schnellem Wachstum.

Helplings wichtigstes Ziel sei es, 2018 profitabel zu werden, sagt Franke. In Deutschland soll es angeblich schon soweit sein.

Für Rocket-Verhältnisse wäre das rekordverdächtig. Lohnende Geschäftsmodelle werden sonst über Jahre mit teurem Marketing gedopt. Anders gesagt: Wahrscheinlich ist es Helplings letzte Chance.

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