Sonntag, 18. November 2018

Diversity Das Frauen-Drama der KPN

Telekomkonzern KPN: "Die Anwerbung von Frauen für Spitzenpositionen geht zu Lasten der qualifizierten Männer mit Migrationshintergrund"

Der niederländische Telekomriese KPN hat seine Bemühungen, den Frauenanteil in der Führung anzuheben, offenbar aufgegeben. Die Begründung des für Chancengleichheit zuständigen Direktors Jasper Rynders gibt zu denken.

Drei Ereignisse in der vergangenen Woche haben mir sehr zu denken gegeben.

Erstens enthüllte Mohamed El-Erian, der die Finanzwelt im Januar schockte, als er seine Chief-Executive-Rolle bei der Allianz-Tochter Pimco aufgab, die wahren Gründe seines Abgangs: Nicht etwa Krach mit seinem bekanntermaßen schwierigen Boss Bill Gross, wie alle vermutet hatten, sondern eine 22 Punkte umfassende Liste seiner zehnjährigen Tochter. Hinter diesen 22 Punkten hatte sie alle wichtigen Ereignisse vom ersten Schultag bis zur Halloween-Parade aufgezählt, die er bis dahin verpasst hatte.

Zweitens scheint der niederländische Telekomkonzern KPN Börsen-Chart zeigen die Bemühungen um eine gezielte Erhöhung des Frauenanteils aufgegeben zu haben. Der für Chancengleichheit zuständige Direktor Jasper Rynders begründete das mit dem Argument, die Anwerbung von Frauen für Spitzenpositionen gehe zu Lasten der qualifizierten Männer mit Migrationshintergrund. Gleichberechtigungsministerin Jet Bussemaker kommentierte die Einschätzung der Personaler zu den unerwünschten Nebenwirkungen von Frauenquoten wie folgt: "Sie gelangen zu dem Schluss, dass Männer mit Migrationshintergrund benachteiligt werden und die Frauen eigentlich den Männern gleichen, die schon da sind".

Drittens erzählte mir ein hochrangiger IT-Manager von all den weiblichen Chefs eines amerikanischen Computerriesen, für die er bislang gearbeitet hat: "Die meisten waren nicht besser als die Männer, sondern nur aggressiver und skrupelloser".

Diese Nachrichtenlage wirft einige wichtige Fragen auf, ethische und ökonomische. Wie wollen wir eigentlich in Zukunft arbeiten? Warum sind Topmanager beiden Geschlechts dauernd gezwungen, mit dem Schuldgefühl zu leben, dass sie ihre Familien vernachlässigen? Warum schlagen wir uns vor diesem Hintergrund überhaupt mit Frauenquoten herum?

Und weiter: Was soll das Ziel der Frauenquoten sein? Das wohlige Gefühl, das ethisch richtiges Verhalten mit sich bringt? Oder die ökonomischen Vorteile, die mit heterogenen Teams unbestritten einhergehen? Oder beides? Funktioniert positive Diskriminierung überhaupt? Und wenn ja, zu welchem Preis? Gibt es überhaupt eine "faire" Form der Bevorzugung bestimmter Gruppen?

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