Samstag, 23. März 2019

Diversity Das Frauen-Drama der KPN

Telekomkonzern KPN: "Die Anwerbung von Frauen für Spitzenpositionen geht zu Lasten der qualifizierten Männer mit Migrationshintergrund"

4. Teil: Der Blick nach innen

Dass Frauenquoten für Aufsichtsräte zunächst mal zu so genannten "goldenen Röcken" führen - einer kleinen Zahl von Frauen mit überproportional vielen Mandaten - hatten zuvor schon die Norweger beklagt. Nun schimpfen die Niederländer, dass sich diese wenigen Frauen, die es ganz nach oben geschafft haben, auch noch verhalten wie die Männer und dass es mit dem Endziel der Diversity nicht weit her sein kann, wenn vor lauter Frauenbevorzugung die aus dem Ausland stammenden männlichen (und weiblichen) Bewerber außen vor bleiben.

Die Lösung für Unternehmen, die bunter werden und den gesamten Talentpool nutzen wollen, liegt daher nicht in der Jagd nach dem Erreichen von Quotenvorgaben, sondern im Blick nach innen.

Welche begabten Leute - egal welchen Geschlechts und Hintergrunds - sind schon da? Welche Unterstützung brauchen sie, um weiter voran zu kommen? Wie müssen die Arbeitszeitmodelle gestaltet sein, dass wir junge Eltern (auch die frustrierten Väter!) an Bord behalten, bis die Kids aus dem Gröbsten raus sind?

Mit welchen Kinderbetreuungsangeboten können wir helfen? Welche Kräfte könnte man von außen dazu holen und auf der dritten und zweiten Ebene installieren, um dann zu sehen, wer sich für die erste qualifiziert? Wie müssen wir unsere Bonussysteme umbauen, damit wir eine nach allen Seiten offene Personalpolitik fördern - und diskriminierende Chefs bestrafen?

Wer diese Fragen stellt und die entsprechenden Strategien wirklich seriös, nachhaltig und mit Begeisterung betreibt, wird über kurz oder lang sowohl 20 Prozent Frauen auf Leitungsebene haben als auch 20 Prozent Ausländer. Und dazu den wirtschaftlichen Erfolg, den das mit sich bringt. Wer darunter dann wirklich nur die nach ganz oben befördert, die im Betrieb bereits bewiesen haben, was sie können, vermeidet zudem den Ärger, den die "eingeflogenen" Quereinsteigerinnen-Besetzungen bei allen anderen Gruppen im Haus so mit sich bringen.

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