Donnerstag, 24. August 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Kompromiss mit Medienanstalten DKB darf Handball-WM live übertragen

Übertragung gesichert: Die Landesmedienanstalten dulden die Übertragung durch die DKB

Das Zittern dauerte nur wenige Stunden, die deutschen Handball-Fans dürfen aufatmen: Nach einem Kompromiss ist die Live-Übertragung der Spiele der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Frankreich durch die DKB-Bank gesichert. Wie die Medienanstalten gestern Abend mitteilten, werde die Ausstrahlung wegen "der besonderen und außergewöhnlichen Einzelfallsituation" geduldet.

Zuvor hatte die Dachorganisation der 14 Landesmedienanstalten erklärt, zu prüfen, ob für die Übertragung im Internet eine Sendelizenz notwendig ist. Nach Ansicht der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) sei die Berichterstattung zwar "aller Voraussicht nach als zulassungspflichtiger Rundfunk einzustufen", der Sachverhalt werde aber erst bis zur nächsten Sitzung der ZAK am 31. Januar aufbereitet. Das WM-Finale findet am 29. Januar statt. Bereits am Freitag (17.45 Uhr) steht in Rouen das WM-Auftaktspiel des Europameisters gegen Ungarn auf dem Programm.

"Sollte die ZAK zu dem Ergebnis kommen, dass es sich bei der Übertragung der Handball-WM im Internet um Rundfunk gehandelt hat, muss die DKB mit einer Beanstandung rechnen", hieß es in der Mitteilung weiter. Ein Bußgeld droht der Bank allerdings nicht, wie eine Sprecherin der Medienanstalten dem SID bestätigte. Dieses Mittel würde beispielsweise nur bei Wiederholungstätern, Vorsatz oder Böswilligkeit eingesetzt.

Am Dienstag hatte die Prüfung zunächst für Unruhe gesorgt. Der Deutsche Handballbund (DHB) zeigte sich angesichts der neuen Entwicklung überrascht, die DKB äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht. Hinter den Kulissen wurde jedoch eifrig nach einer Lösung gesucht. Mit Erfolg.

Al-Jazeera-Tochter zahlte 80 Millionen Euro für die TV-Rechte

Weil sich der Rechteinhaber beIN Sports weder mit öffentlich-rechtlichen noch mit privaten Fernsehsendern in Deutschland einigen konnte, war die DKB kurzfristig eingesprungen. Auch Pay-TV-Sender Sky sowie weitere Streamingdienste hatten die Rechte nicht bekommen. BeIN Sports, eine Tochter des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera, hatte die weltweiten Fernsehrechte an jeweils zwei Weltmeisterschaften der Männer und Frauen einst für die Rekordsumme von rund 80 Millionen Euro erworben. Wie schon 2015 erlaubt beIN Sports auch bei der bevorstehenden WM in Frankreich keine Übertragung auf unverschlüsselten Satellitensendern.

Am Montag hatte der Sponsor des DHB daher angekündigt, einen kommentierten Livestream anzubieten. Die DKB-Übertragung beginne mit dem Einlaufen der Mannschaften und ende kurz nach dem Spiel. "Ein Studio oder Team vor Ort wird es nicht geben", teilte die DKB mit. Markus Götz und Uwe Semrau sollen die HD-Livestreams kommentieren. Sie werden auch das Eröffnungsspiel, die Halbfinals und das Finale begleiten. Weitere Spiele sollen bei handball.dkb.de oder im DKB-YouTube-Kanal mit englischem Originalkommentar abrufbar sein.

Der ehemalige Bundestrainer Heiner Brand bezeichnete in den Stuttgarter Nachrichten die Situation als "schlimm" und "sehr bitter". DHB-Vizepräsident Bob Hanning warnte jedoch vor einer zu einseitigen Betrachtung des Falls: "Der Weltverband hat für unfassbar viel Geld die Fernsehrechte verkauft. Und wenn wir ganz ehrlich sind, dann müssen wir sagen: Es hat nur ein einziges Land ein Problem - und das ist Deutschland."

mg/sid

Nachrichtenticker

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH