Montag, 24. September 2018

DKB Handball-Bundesliga im Clinch mit Europa-Verband EFH Mit 100 Millionen Euro in den Machtkampf

Handball: Nationalspieler Hendrik Pekeler (links) und Andy Schmid vom All-Star Team in Aktion beim All-Star-Game 2018 in Leipzig

Die DKB Handball-Bundesliga verzeichnet in der Saison 2017/18 einen leichten Umsatzrückgang, ist aber weltweit als Handballliga unangefochten. Ein neuer Machtkampf mit dem europäischen Verband bleibt der HBL dennoch nicht erspart.

Die DKB Handball-Bundesliga (HBL) kann sich zum Ende des Jahres 2017 nicht über mangelnde Medienpräsenz beklagen: erst ein öffentlich entbrannter Streit mit dem Europäischen Handball-Verband (EHF) wegen Terminkollisionen mit der Velux EHF Champions League, dann die unreflektierte Kritik von Bayern-Präsident Uli Hoeneß.

Doch auch sportlich gibt es viel zu berichten - die HBL ist in der Saison 2017/18 ausgeglichen wie lange nicht. Die beiden umsatzstärksten Clubs THW Kiel und Rhein-Neckar Löwen liegen nach dem 13. Spieltag auf Platz acht beziehungsweise drei. Und mit dem TBV Lemgo sowie dem TSV GWD Minden rangieren gleich zwei Clubs in den Top 10 der HBL, die im Umsatzranking in niedrigen Regionen liegen.

Noch deutlicher wird die sportliche Überperformance einiger HBL-Clubs im DHB-Pokal. Im Viertelfinale des Wettbewerbs stehen mit Göppingen, Hannover, Magdeburg, Leipzig, Stuttgart und Wetzlar gleich sechs Clubs, die nicht zu den Top 5 der umsatzstärksten HBL-Clubs in der Saison 2017/18 zählen.

Starkes Umsatzgefälle

Die sportliche Ausgeglichenheit in der HBLSaison 2017/18 wirkt etwas überraschend, wenn man das Umsatzgefälle in der Liga betrachtet. In der höchsten deutschen Handballspielklasse liegen der Club mit dem höchsten Umsatz (Rekordmeister THW Kiel, circa 12 Millionen Euro) und der mit dem niedrigsten Umsatz (Aufsteiger TV Hüttenberg, circa 1,3 Millionen Euro) um das Neunfache auseinander. In den vier wichtigsten Teamsportligen abseits des Fußballs - Deutsche Eishockey Liga (DEL), DKB Handball-Bundesliga, Easycredit Basketball Bundesliga (BBL) und Volleyball- Bundesliga (VBL) - ist das Umsatzgefälle nur in der BBL noch größer (1:11).

Für HBL-Aufsteiger wie den TV Hüttenberg und auch Die Eulen Ludwigshafen, die die Saison 2017/18 jeweils mit einem Umsatz von weniger als zwei Millionen Euro planen, wird es perspektivisch nahezu unmöglich sein, die Liga zu halten - sofern sie ihre Einnahmen nicht nennenswert steigern können. Als Daumenregel in der Liga gilt: Um kontinuierlich in der HBL mitzuspielen, braucht ein Club einen Mindestumsatz von drei Millionen Euro. Hüttenberg und Ludwigshafen kommen für die Saison 2017/18 zusammen gerade auf 2,8 Millionen Euro.

Die drei vergleichsweise umsatzschwachen Aufsteiger aus Hüttenberg, Nettelstedt und Ludwigshafen sind der Grund dafür, dass die HBL trotz des durchschnittlich leichten Wachstums der übrigen Clubs insgesamt einen Rückgang verzeichnet. Der kumulierte Liga- Umsatz wird von rund 103 Millionen Euro in der Saison 2016/17 zur Spielzeit 2017/18 auf rund 100 Millionen Euro zurückgehen.

HBL vs. EHF: Wer gibt nach?

Im internationalen Vergleich mit anderen Handballligen ist die HBL mit ihrem neunstelligen Gesamtumsatz konkurrenzlos. Keine andere Spielklasse kommt an die Marke von 100 Millionen Euro heran, keine andere nationale Handballliga hat in der Spitze so viele Top-Clubs wie die HBL.

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Heft Juli 2018

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Im aktuellen Machtkampf mit der EHF könnte die sportliche und wirtschaftliche Stärke der HBL ein wichtiges Argument werden. Der europäische Verband hat der HBL nämlich gedroht, bereits ab der Saison 2018/19 nur noch einen deutschen Starter in der Velux EHF Champions League zuzulassen. Bislang qualifizieren sich zwei Bundesligisten direkt für die "Königsklasse", ein drittes Team erhielt stets eine Wildcard.

Hintergrund für die Streitigkeiten sind Spielplan-Kollisionen. Im Rahmen des neuen TV-Vertrags mit Sky und den Öffentlich- Rechtlichen finden Spiele der HBL seit dieser Saison nur noch mit festen Spielterminen am Donnerstag (19 Uhr) und Sonntag (12:30 Uhr) statt. Speziell bei Top-Clubs wie den Rhein-Neckar Löwen oder dem THW Kiel, die auch in der Velux EHF Champions League antreten, führt dies oft zu Terminkollisionen und kurzen Regenerationspausen. Denn die Partien der-"Königsklasse" finden an verschiedenen Tagen statt, was die Planbarkeit für die teilnehmenden Clubs erschwert.

Sollten künftig tatsächlich weniger HBL-Clubs in der "Königsklasse" zum Zug kommen, würde das die deutschen Vertreter zwar empfindlich treffen. Andererseits würde die Qualität der Champions League mit weniger deutschen Clubs definitiv auch abnehmen und das Produkt infolgedessen unattraktiver werden. HBL und EHF sind längst dabei, über einen Kompromiss zu verhandeln. Die Frage wird sein, wie stark sich die HBL als sportlich und wirtschaftlich wichtigste Handballliga der Welt positionieren wird.

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