Mittwoch, 19. September 2018

"Ich bleibe aber ein Fan" Logistik-Milliardär Kühne will HSV-Anteile loswerden

Klaus-Michael Kühne im Februar in Hamburg

Der langjährige Mäzen des Hamburger SV, Klaus-Michael Kühne, will sich als Finanzinvestor des Fußball-Zweitligisten vorerst zurückziehen. "Ich muss mich jetzt selbst disziplinieren. Deshalb will ich meine Anteile loswerden", sagte der 81 Jahre alte Logistik-Unternehmer der "Welt am Sonntag" in einem Interview. Einen Käufer habe er noch nicht gefunden. Der Verein müsse jetzt erst einmal kleinere Brötchen backen, forderte der Milliardär.

"Ich schließe aber auch nicht aus, dass ich irgendwann einmal zurückkomme", sagte Kühne, der 20,57 Prozent der Anteile hält und größter Einzelinvestor der HSV-Fußball-AG ist. Seit 2010 hat er rund 100 Millionen Euro in den Verein, der erstmals in die 2. Bundesliga abgestiegen war, investiert. Kühne hatte sich eine zehnprozentige Aufstockung seiner Beteiligung gewünscht.

Bereits Ende Juni hatte er angekündigt, den HSV nicht weiter zu fördern, weil sein Wunsch, seine Anteile langfristig aufstocken zu können, nicht respektiert werde.

"So unglücklich nun auch wieder nicht"

"Es ist ein Drama, wie der Verein in sich zusammengefallen ist. Ich bleibe aber ein Fan, auch nach dem Abstieg in die zweite Bundesliga", betonte Kühen in dem "WamS"-Interview. Er sehe im Moment kein Konzept, für das es sich lohne, weiterhin Geld zu investieren.

Kühne hatte bereits zuvor mehrfach mit einem Abschied vom HSV kokettiert. Entsprechend hat die erneute Ankündigung beim Fußball-Zweitligisten keine Unruhe ausgelöst. "Wir sind in regelmäßigen und guten Gesprächen mit Herrn Kühne, und es gibt keine Absicht, sich zu trennen", sagte Vorstandsvorsitzender Bernd Hoffmann am Sonntag. Der Verkauf erscheint angesichts der schwierigen Suche nach einem Käufer fraglich, erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei den Wertpapieren um vinkulierte Namensaktien handelt. Einer Übertragung auf einen anderen Aktionär müsste die HSV-Aktiengesellschaft zustimmen.

Ob Kühne tatsächlich einen Verkauf anstrebt, ist zudem fraglich. An dem Verein "eine nicht unmaßgebliche Beteiligung zu besitzen, hat aber schon seinen Wert", hatte der Logistik-Unternehmer vor sieben Wochen in einem anderen Interview gesagt. "Insofern bin ich so unglücklich nun auch wieder nicht." Derzeit besitzt der in der Schweiz lebende Hamburger rund 60 Millionen Euro Anteile an dem mit rund 300 Millionen Euro bewerteten Verein.

luk/dpa

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