Dienstag, 31. Mai 2016

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Mitfahrdienst Hamburg stoppt Taxi-Wettbewerber "Wundercar"

"Finde spontan jemanden, der Dich mitnimmt": Der Tourenvermittler "Wundercar" hat in Hamburg eine Tätigkeitsverbot auferlegt bekommen

Die Stadt Hamburg verbietet den Touren-Vermittler "Wundercar". Die Firma selbst sieht sich nicht als gewerblicher Wettbewerber zu Taxi-Unternehmen - und will trotz Androhung eines Millionen-Bußgeldes vorerst weitermachen.

Hamburg - Die Hamburger Wirtschaftsbehörde hat den Taxi-Rivalen Wundercar ausgebremst. Es untersagte dem Unternehmen, Touren über eine App zu vermitteln, wie eine Sprecherin der Wirtschaftsbehörde mitteilte. Demnach würde Wundercar gewerbliche Fahrten wie herkömmliche Taxi-Firmen anbieten, jedoch ohne die nötige Genehmigung, sagte die Sprecherin. Die Praxis des 2013 in Hamburg gegründeten Unternehmens sei durch das Verbot somit hinfällig.

Wundercar sieht sich dagegen eher wie eine Mitfahrzentrale: Über eine Smartphone-App bringt das Unternehmen den Usern mit einem privaten Fahrer zusammen. Prinzipiell sei die Fahrt kostenlos, verspricht das Portal. Jedoch gibt es die Option, ein Trinkgeld in "beliebiger Höhe" zu zahlen, das bargeldlos an den Fahrer geht. Davon behält Wundercar 20 Prozent ein.

Zudem hätte das Unternehmen bereits in Job-Portalen nach professionellen Fahrern gesucht, erklärte die Behörden-Sprecherin. Dies wurde vom Wundercar-Geschäftsführer Gunnar Froh bestätigt.

Wundercar spricht von "organisierten Freizeitfahrten"

All dies lege den Schluss nahe, dass Wundercar kein Wohlfahrtsunternehmen sei, sondern ein Geschäftsmodell betreibe, sagte die Sprecherin der Wirtschaftsbehörde weiter. Die Fahrten würden außerdem eine Gefahr für die Mitfahrer bergen: So seien bei einem Unfall auch die Haftungsfragen nicht geregelt.

Das Unternehmen zeigte sich vom Vorstoß der Hamburger Wirtschaftsbehörde gegen seine organisierten "Freizeitfahrten" überrascht - und will sich davon zunächst nicht beirren lassen. "Ich wundere mich, dass die Behörde in ihrer Stellungnahme so stark verallgemeinert", sagte Froh. Ihm lag nach eigener Aussage am Freitagnachmittag von der Wirtschaftsbehörde keine entsprechende schriftliche Untersagung vor.

"Nach unserer Rechtsauffassung sind weiterhin Fahrten, die nicht die Betriebskosten übersteigen, zulässig." Sollte Wundercar das Verbot ignorieren, drohe dem Unternehmen schlimmstenfalls eine Strafe von bis zu einer Million Euro, teilte die Behörden-Sprecherin mit.

rei/dpa-afx

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