Dienstag, 26. Juli 2016

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14 Flughäfen in Griechenland Fraport-Flughafen-Deal geht vor Gericht

Bald unter Fraport-Regie: Der Flughafenbetreiber kann 14 Regionalflughäfen mit einem griechischen Partner betreiben - wenn nicht noch ein griechisches Gericht dem Unternehmen einen Strich durch die Rechnung macht

Der Deal hatte sich lange hingezogen, auch weil die Neubildung der Regierung in Griechenland den Verkaufsprozess verzögerte. Nun ist klar: Fraport kann zusammen mit dem griechischen Partner Copelouzos die nächsten 40 Jahre 14 Regionalflughäfen in Griechenland betreiben - wenn nicht noch das Parlament oder ein griechisches Gericht dazwischenfunken.

Die Verträge wurden unterzeichnet, teilten Fraport und die griechische Privatisierungsbehörde am Montag mit. Die Übergabe der Flughäfen ist für den Herbst 2016 geplant. Zuvor muss noch das griechische Parlament der umstrittenen Privatisierung zustimmen.

Die 14 Flughäfen unter anderem auf den Inseln Rhodos, Santorini und Mykonos sowie in der zweitgrößten Griechenstadt Thessaloniki sollen im Besitz des griechischen Staates bleiben.

Im vergangenen Jahr wurden auf den Airports rund 22 Millionen Passagiere abgefertigt, darunter 75 Prozent aus dem Ausland. Die passagierstarken Flughäfen Athen und Heraklion auf Kreta sind nicht in dem Paket enthalten. Auf Kreta übernimmt Fraport lediglich den Flughafen Chania im Nordwesten der Insel.

1,2 Millarden Euro für Betreiberkonzession, Pflicht zur Investition

Die Fraport AG zahlt nach eigenen Angaben gemeinsam mit ihrem griechischen Minderheits-Partner für die Betreiber-Konzession einmalig gut 1,2 Milliarden Euro und verpflichtet sich zu Investitionen an den Flughäfen, die sich bis zum Jahr 2020 auf 330 Millionen Euro belaufen sollen. Zudem muss das Konsortium eine jährliche Konzessionsabgabe von anfänglich 22,9 Millionen Euro an den griechischen Staat leisten.

Während der Privatisierungsfonds den Vertragsabschluss als richtigen Schritt für die Infrastruktur des Landes bewertete bezeichnete die Luftfahrtgewerkschaft Osypa die Übernahme als "Skandal". Sie reichte beim obersten griechischen Verwaltungsgericht Klage gegen das "nationale Verbrechen" der Übernahme ein.

Verhandelt werden soll der Fall Anfang Januar. Konkret befürchtet Gewerkschaftsboss Vassilis Alevizopoulos harte Einsparungen seitens der neuen Betreiber, die nach seiner Darstellung zu verminderter Flugsicherheit führen könnten.

Fraport-Chef Stefan Schulte sprach indes von einer "echten Win-win-Situation". "Unser umfassendes und langjähriges Know-how als Flughafenbetreiber werden wir nutzbringend an allen 14 Flughafenstandorten zum Einsatz bringen." Die griechischen Regionalflughäfen seien von entscheidender Bedeutung für die Gesamtwirtschaft und vor allem für die Tourismusbranche.

rei/Reuters/dpa

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