Freitag, 29. Juli 2016

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Globale Rezessionsgefahr Ungebremst in die nächste Krise - und diesmal ohne Munition

Börse in Shanghai: Falls sich der derzeitige globale Abschwung verschärft, haben Regierungen und Notenbanken kaum noch etwas entgegenzusetzen

Griechenland-Chaos, China-Schwäche, Börsenturbulenzen: Die Wirtschaftslage ist wackelig. Gegen die nächste globale Rezession werden die großen Industriestaaten kaum etwas ausrichten können.

Als 2008 die Krise ausbrach, waren die Arsenale der Wirtschaftspolitiker prall gefüllt. Die Zinsen waren relativ hoch, die Staatsschulden niedrig, Öl und Rohstoffe teuer. Mit anderen Worten: Im Kampf gegen den Abschwung nach der Lehman-Pleite verfügten Regierungen und Notenbanken über jede Menge Munition.

Ganz anders heute. Die Zinsen sind bereits bei null, viele Staaten taumeln nach wie vor am Rande der Pleite. Öl und andere Rohstoffe sind bereits billig. Mit anderen Worten: Falls sich der derzeitige globale Abschwung verschärft, haben Regierungen und Notenbanken kaum noch etwas entgegenzusetzen.

Machen Sie sich daher auf eine raue Phase gefasst - innenpolitische und internationale Konflikte inklusive!

Wie wackelig die Lage derzeit ist, das haben die nervösen Reaktionen der Börsen in dieser Woche gezeigt. Die Abwertung des chinesischen Yuan hat rund um den Globus Schockwellen ausgelöst. Denn der Verdacht liegt nahe, dass es um Chinas Wirtschaft noch schlimmer steht, als die ohnehin schon ernüchternden offiziellen Pekinger Zahlen zeigen.

Was passiert, wenn die nächste Krise kommt?

Zur Person
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Henrik Müller ist Professor für wirtschaftspolitischen Journalismus an der Technischen Universität Dortmund. Zuvor war Müller stellvertretender Chefredakteur des manager magazins.
Viele große Schwellenländer, die kräftigsten Motoren der Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren, stecken in der Klemme. In Russland und Brasilien schrumpft der Wohlstand. China erreicht seine Wachstumsziele nicht mehr, während sich in ganz Asien das Wirtschaftsklima eintrübt, wie das Ifo-Institut diese Woche ermittelte.

In den etablierten Volkswirtschaften bleibt die Dynamik brüchig. Japans Ökonomie ist im vergangenen Quartal wieder geschrumpft (hier gibt es neue Zahlen aus Tokio). Die Eurozone schleppt sich mühsam voran (Donnerstag muss Athen Geld an die Europäische Zentralbank (EZB) zurückzahlen; achten Sie auf die anstehende Abstimmung des Bundestags zum Griechenland-Paket am Mittwoch). Der US-Aufschwung scheint zwar relativ robust, fällt verglichen mit früheren Konjunkturzyklen aber blutarm aus.

So instabil, wie die Lage ist, bedarf es womöglich nur eines vergleichsweise kleinen Anstoßes, um die nächste Krise auszulösen. Und was passiert dann?

Bevor die letzte Krise 2008 mit der Lehman-Pleite begann, waren die Staatsfinanzen in relativer Ordnung. Im Vorkrisenjahr 2007 verzeichneten die OECD-Länder im Schnitt ein Haushaltsdefizit von moderaten 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Einige Länder wie Irland und Spanien, die es später besonders hart traf, fuhren sogar Überschüsse ein. Die USA und Großbritannien hatten zwar Defizite zwischen 3 und 4 Prozent des BIP. Aber angesichts von Verschuldungsgraden von 50 Prozent (Großbritannien), 64 Prozent (USA) und 72 Prozent (Eurozone) des BIP bereitete dies kaum jemandem Kopfzerbrechen. Nur in drei etablierten Ländern - Japan, Italien und Griechenland - lag bereits 2007 die Schuldenquote über 100 Prozent.

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