Donnerstag, 20. September 2018

Gibson vor dem Schlussakkord? Gitarren-Ikone in akuter Geldnot

Gitarrist Les Paul mit Gibson-Instrument

Die Musikwelt zittert um den Pionier der elektrischen Gitarre: Seit Wochen ranken sich Pleitegerüchte um den Kult-Klampfenhersteller Gibson aus der Country-Hochburg Nashville in Tennessee. Die Firma, auf deren Gitarren schon Legenden wie Elvis, John Lennon oder Johnny Cash vertrauten, steckt in akuter Finanznot. Der langjährige Unternehmenschef Henry Juszkiewicz steht vor einem Schuldenberg und droht, das Vertrauen der Geldgeber zu verlieren.

Um Kredite bei Anleihegläubigern zurückzuzahlen, muss Gibson schon länger Mittel zusammenkratzen, wo es geht. "Wir haben Vermögen wie Aktienbeteiligungen, Immobilien und Geschäftsbereiche zu Geld gemacht, die nicht das Erfolgsniveau erreichen konnten, das wir erwartet hatten", räumt Juszkiewicz ein. "Es ist wichtig für unser Geschäft, wieder zu den finanziellen Erfolgen zurückzukehren, die wir einmal hatten". Das Unternehmen arbeite hart dafür.

Doch die Lage ist kritisch. Gibson-Chef Juszkiewicz kämpft mit einer Gruppe von Investoren, die ihn aus dem Unternehmen drängen und die Kontrolle übernehmen will. Trotz eines Jahresumsatzes von rund 1,2 Milliarden Dollar hat Gibson mehr als 500 Millionen Miese. Im Juli und August müssen Bankkredite und Anleihen refinanziert werden, ob diese Herkulesaufgabe gelingt, scheint derzeit ungewiss. Juszkiewicz hat die Investmentbank Jefferies beauftragt, Auswege zu finden.

Hat sich Gibson an 135-Millionen-Deal verhoben?

Analysten sind skeptisch. Kevin Cassidy von der Ratingagentur Moody's warnte schon im August 2017 vor Zahlungsproblemen. Das Geschäft sei schwach, die Kapitalstruktur nicht aufrechtzuerhalten. Die hohen Schulden werfen die Frage auf, ob Gibson sich übernommen hat mit der 135 Millionen Dollar teuren Übernahme der Unterhaltungssparte des Philips-Konzerns im Jahr 2014. Dazu kamen andere Zukäufe, die Gibson nach eigener Aussage zum "weltweit führenden Anbieter im Bereich Musik und Sound" machen sollten.

Doch die Geschichte des 1902 gegründeten Unternehmens, das 1936 die weltweit erste E-Gitarre in die Serienfertigung schickte, handelt natürlich auch von eben diesem Instrument. Spätestens seit das US-Traditionsblatt "Washington Post" letzten Sommer in einer großen Story den "schleichenden Tod" der E-Gitarre ausrief, wird über ihren vermeintlichen Niedergang diskutiert. Könnte es ein größerer und grundlegender kultureller Wandel sein, der Branchen-Urgesteinen wie Gibson, aber auch dem Erzrivalen Fender das Leben schwer macht?

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