Samstag, 1. Oktober 2016

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Germanwings-Absturz in Südfrankreich Was ist los mit dem A320?

Das Modell A320 ist Airbus' wichtigstes Flugzeug. Bisher wurden knapp 6500 Exemplare ausgeliefert

Der A320 ist das wichtigste Modell für Airbus, doch es bereitet dem Flugzeugbauer derzeit auch einige Sorgen. Der Absturz des Germanwings-Fliegers ist ein weiterer schwerer Vorfall mit dem Kurz- und Mittelstreckenjet in relativ kurzer Zeit. Bisher gibt es im Fall des Germanwings-Flugs allerdings keine Hinweise auf technisches Versagen oder anderen Unfallursachen, wie Frankreichs Premierminister Manuel Valls sagte.

Weltweit Aufsehen erregt hatte der Absturz des Air-Asia-Fluges 8501 am 28. Dezember 2014. Der A320 stürzte auf dem Weg von Surabaya in Indonesien nach Singapur in die Karimata-Straße, die die Javasee mit dem Südchinesischen Meer verbindet.

Den Untersuchungsbericht zu dem Unglück halten die Behörden unter Verschluss, doch Radaraufzeichnungen zufolge setzte die Maschine kurz vor dem Absturz zu einem ungewöhnlichen Steigflug an.

Dieses Ereignis stellte das Nachrichtenmagazin "Spiegel" zuletzt in einen Zusammenhang mit einem anderen Vorfall mit einer Maschine der A320-Familie. Dieser ging allerdings glimpflich aus: Am 5. November 2014 geriet ein A321 auf dem Weg von Bilbao nach München in einen steilen Sinkflug.

Dem Bericht zufolge hatten vereiste Sensoren dem Computersystem des A321 falsche Informationen geliefert. Nur dem beherzten Eingreifen des Flugkapitäns sei es zu verdanken gewesen, dass die Maschine nicht abstürzte: Der Pilot schaltete den Computer kurzerhand aus und übernahm das Ruder selbst komplett.

Airbus-Jets werden im Vergleich zu den Modellen von Boeing stärker von Elektronik kontrolliert. Der Bordcomputer kann dabei verhindern, dass die Piloten das Flugzeug in eine gefährliche Situation bringen. Allerdings benötigt er dafür die richtigen Daten.

Laut "Spiegel" ist es denkbar, dass es bei dem Air-Asia-Flug ähnliche Probleme wie bei dem Vorfall auf der Strecke Bilbao-München gegeben habe. Airbus habe die betroffenen Sensoren allerdings noch nicht flächendeckend ausgetauscht, weil dies sehr teuer sei. Lediglich der Lufthansa sei ein solcher Austausch angeboten worden. Die neuen Sensoren seien aber wieder nicht mit einer Heizung im Innern bestückt.

Ob es beim Germanwings-Flug von Barcelona nach Düsseldorf ähnliche Probleme gegeben hat, ist offen. Germanwings-Chef Thomas Winkelmann sagte am Dienstag allerdings, die Maschine sei mit einem neuen Bordcomputer ausgestattet gewesen, der für das Problem nicht anfällig gewesen sei. Ein Problem wie beim A321 von Bilbao nach München sei daher bei dem Unglücksflieger nicht zu erwarten, sagte der Leiter des Flugbetriebs bei Germanwings, Stefan-Kenan Scheib, am Dienstag in Köln.

Doch ein gewisses Misstrauen gegen die A320-Flotte ist in der Welt. So nahmen mehrere Germanwings-Wettbewerber Stellung zu der Frage, ob sie den Flugzeugtyp noch einsetzten.

"Unser Flugbetrieb geht normal weiter", sagte ein Air-Berlin-Sprecher am Dienstag. "Es gibt keine weitergehenden Informationen zu Airbus-Flugzeugen." Die Flotte der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft umfasst 148 Maschinen, davon 42 des Typs A320 und 17 der Langversion A321. Auch Lufthansa Börsen-Chart zeigen, Condor und Swiss Air gaben Treuebekenntnisse zum A320 ab.

Der A320 hatte seinen Jungfernflug 1987 und wurde ein Jahr später erstmals von Airbus an Kunden ausgeliefert. Bis Ende Februar hatte der Hersteller von der Modellfamilie knapp 6500 Maschinen an die Kunden überstellt.

Je nach Ausführung kann der A320 in seiner Hauptversion bis zu 180 Passagiere transportieren. Im Laufe seiner Baugeschichte wurde das knapp 38 Meter lange Modell, das mit Boeings 737 weltweit konkurriert, technisch immer wieder erneuert. Die A320-Flieger haben eine Reichweite von bis zu 6150 Kilometer und können mit einem Gesamtgewicht von 78 Tonnen abheben. Eine A320-Maschine hat einen Listenpreis von an die 100 Millionen Dollar.

Ab dem laufenden Jahr soll der Typ mit neueren, spritsparenderen Turbinen ausgeliefert werden. Die Nachfrage nach diesem sogenannten A320neo ist bislang enorm.

Seit seinem Erstflug kam es dem Aviation Safety Network zufolge zu bisher 27 Unfällen mit Maschinen vom Typ A320. Bei den Zwischenfällen kamen bis zuletzt insgesamt fast 1000 Menschen ums Leben. Über die langen Zeitspanne betrachtet, gilt der Flugzeugtyp damit als verhältnismäßig sicher.

mit dpa-afx

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