Sonntag, 24. März 2019

Finanzielle Schwierigkeiten Fluggesellschaft Germania kämpft ums Überleben

Flugzeug der Fluggesellschaft Germania: "Kurzfristiger Liquiditätsbedarf"

Nach dem Flugchaos im vergangenen Jahr steckt jetzt auch die Fluggesellschaft Germania in finanziellen Schwierigkeiten. Die Airline prüft nach eigenen Angaben mehrere Finanzierungsoptionen, um den kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu sichern, wie sie am Dienstagabend in Berlin mitteilte. "Es geht dabei um die zentrale Frage, wie wir als mittelständisches Unternehmen auch weiterhin in einem Marktumfeld schlagkräftig bleiben, das von Fluggesellschaften mit konzernähnlichen Strukturen geprägt ist."

Beim Flugbetrieb soll es aber keine Einschränkungen geben. Alle Germania-Flüge fänden planmäßig statt, wurde betont.

Dem Luftfahrtportal "Aerotelegraph" zufolge ist auch ein Verkauf der Gesellschaft denkbar. Die Suche nach neuen Aktionären sei aber bisher erfolglos geblieben. Dem Bericht zufolge brauchte Germania bereits kurz vor dem Jahreswechsel 20 Millionen Euro, um weiterfliegen zu können. Eine Germania-Sprecherin wollte diese Informationen am Mittwochmorgen nicht kommentieren.

Als Käufer käme am ehesten der ungarische Billigflieger Wizz Air infrage, berichtet "Aerotelegraph". Zumindest das Portfolio wäre in etwa gleich, da Osteuropa für beide Airlines wichtige Märkte seien. Und Wizz Air habe in letzter Zeit oft betont, eine aktive Rolle bei der Konsolidierung spielen zu wollen. Doch die Integration wäre aufgrund der operativen Kosten eine deutliche Herausforderung.

Im Video: "Ein volles Flugzeug verdient noch kein Geld"

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Bild: Planestream

Germania ist eine deutsche Fluggesellschaft mit einer mehr als 30-jährigen Geschichte. Sie betreibt nach eigenen Angaben 37 Mittelstreckenjets und ist neben Linienflügen auch für viele Reiseveranstalter unterwegs.

Germania gehört über eine zwischengeschaltete Beteiligungsgesellschaft komplett ihrem Chef Karsten Balke. Dieser startete Mitte 2016 eine Investitionsoffensive. So orderte Germania auf der Farnborough Airshow bei London 25 Airbus-Mittelstreckenjets der A320neo-Modellfamilie und sicherte sich Optionen auf 15 weitere Flugzeuge der Reihe. Die Auslieferungen sollen nach bisherigen Angaben im Jahr 2020 beginnen. Künftig will Germania mit einer reinen Airbus-Flotte unterwegs sein.

Kerosinpreise und Euro-Abwertung sollen Schuld sein

Dass das Geld bei der Airline jetzt knapp wurde, begründete das Management mit den stark gestiegenen Kerosinpreisen im vergangenen Sommer und der Abwertung des Euro zum US-Dollar. Zudem habe es "erhebliche Verzögerungen" bei der Aufnahme neuer Flugzeuge in die Flotte gegeben, und Germania habe außergewöhnlich viele technische Serviceleistungen bei ihren Flugzeugen in Anspruch nehmen müssen. Die Folge seien "große Belastungen" gewesen.

Den Problemen von Germania gingen in Europa zuletzt eine ganze Reihe von Airline-Pleiten voraus. Nach den Insolvenzen von Air Berlin und der britischen Fluglinie Monarch 2017 waren im vergangenen Jahr gleich mehrere kleinere Gesellschaften wie Skyworks (Schweiz), VLM (Belgien), Small Planet und Azur Air (Deutschland), Cobalt (Zypern) und die skandinavische Primera Air kollabiert.

mg/dpa-afx

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