Freitag, 20. Oktober 2017

Generali Lebensversicherung wird eingestellt Weitere Versicherer sagen Adieu zu alten Lebens-Policen

Generali-Zentrale in Rom: Der Versicherer trennt sich von seinem Lebensversicherungsgeschäft in Deutschland

Die deutsche Lebensversicherungsbranche kommt immer stärker in Bewegung. Am gestrigen Mittwoch berichtete manager magazin online über die Pläne der Munich Re-Tochter Ergo, sich von sechs Millionen Lebensversicherungspolicen zu trennen. Nun erwägen Wettbewerber den gleichen Schritt.

Nummer eins: Der italienische Versicherungskonzern Generali, der sein Deutschland-Geschäft radikal umbauen will. Die bisherige Generali Lebensversicherung wird in dem Zuge Anfang nächsten Jahres eingestellt, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Mailand mit. Die rund vier Millionen Verträge - überwiegend Policen mit teuren langfristigen Zinsgarantien - könnten danach auch an einen professionellen Abwickler von Lebensversicherungen verkauft werden, so die Generali.

Generali Deutschland entlastet damit sein Kapital massiv, das durch die Zinsgarantien gebunden wird. Die Solvenzquote werde sich um 26 Prozentpunkte verbessern, so das Unternehmen.

Hintergrund: Viele Versicherer suchen gegenwärtig nach Wegen, mit dem Niedrigzinsumfeld umzugehen. In der Lebensversicherung garantieren Altverträge in der Regel eine hohe Verzinsung, was für die Versicherer nun zum Problem wird.

Axa sinniert über Run-off-Plattform

Die 2800 deutschen Generali-Vertreter sollen künftig für den größten deutschen Finanzvertrieb DVAG arbeiten, an dem Generali seit langem 40 Prozent hält. Die DVAG verkauft bisher exklusiv die Generali-Marke AachenMünchener und steht damit für rund die Hälfte der Beitragseinnahmen von Generali in Deutschland.

Die Marke AachenMünchener wird ebenso aufgegeben wie die Krankenversicherungs-Marke Central Kranken. Die DVAG vertreibt künftig nur noch Produkte der Marke Generali, darunter auch fondsgebundene Lebensversicherungen. Im Online-Geschäft setzt der Konzern ganz auf Cosmos Direkt, die künftig verstärkt Sach-, Kranken- und Rechtsschutzversicherungen verkaufen soll.

Neben der Ergo und der Generali plant offenbar auch die Axa Deutschland einen grundlegenden strategischen Schwenk. Wie Unternehmenschef Alexander Vollert der "Börsenzeitung" sagte, setzt der Versicherer künftig stark auf Digitalisierung und die Ansprache der Kunden per sogenannter Insurtechs. Das sind zumeist kleinere Firmen, die das Versicherungsgeschäft mit IT-Unterstützung verbessern und modernisieren wollen.

Das hat auch Konsequenzen für das traditionelle Lebensversicherungsgeschäft der Axa, so Vollert. Zwar legte der Firmenchef ein "klares Bekenntnis" zu diesem Bereich ab, so die "Börsenzeitung". Er erwarte jedoch eine weitere Flexibilisierung am Markt. Für die alten Lebensversicherungsbestände jedenfalls sieht Vollert "durchaus eine Option" in einer "externen Abwicklung über eine Run-off-Plattform", so die Zeitung.

Sprich: Auch bei der Axa denkt die Firmenleitung offenbar bereits über Möglichkeiten nach, sich von den belastenden, weil vergleichsweise hochverzinsten Lebensversicherungs-Altverträgen zu trennen.

cr/rtr/dpa-afx

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