Dienstag, 12. Dezember 2017

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Gewinnwarnung von General Electric Kraftwerk-Krise zwingt Siemens zum Sparen - und lässt GE taumeln

GE-Chef John Flannery mit seinem Vorgänger Jeff Immelt (rechts): Die Energiesparte bringt den Siemens-Rivalen in Not. Auch in München zieht man bereits Konsequenzen

Topmanager gehen, Anleger fliehen: Der US-Mischkonzern General Electric durchlebt unruhige Zeiten. Die Aktie setzt ihren Kurssturz fort.

Auf den Exodus im Topmanagement folgt die Flucht der Anleger: Der US-Industrieriese General Electric Börsen-Chart zeigen hat Investoren nach einem schwachen dritten Quartal mit einer drastisch gesenkten Gewinnprognose verschreckt. Verglichen mit dem Vorjahreswert sank der Überschuss um neun Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar, wie der Siemens -Rivale am Freitag in Boston mitteilte.

Der Umsatz legte zwar um gut 14 Prozent auf 33,5 Milliarden Dollar zu, das lag jedoch vor allem am Zukauf des Ölfeldausrüsters Baker Hughes. Die Aktie, die bereits vor Wochen auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gestürzt war, setzte am Freitag ihre Talfahrt fort.

"Dies war ein sehr herausforderndes Quartal", sagte der neue Konzernchef John Flannery. Er hatte den Spitzenposten im August von Jeff Immelt übernommen, der wegen der schwachen Aktienkursentwicklung bei Investoren in die Kritik geraten war. Der Großteil der Geschäfte habe zwar solide Ergebnisse erzielt, so Flannery zu den Quartalszahlen.

Preisdruck im Kraftwerksgeschäft: Auch Siemens hat Probleme

Dies sei jedoch durch die schwache Energiesparte zunichte gemacht worden. Die Branche leidet unter Auftragsflaute und Preisdruck, auch Siemens tut sich hier schwer: Siemens-Chef Joe Kaeser plant unterdessen einen Kahlschlag in der Kraftwerksparte, der auch zahlreiche Jobs in Deutschland zum Opfer fallen könnten.

General Electric kappte den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr drastisch. Für 2017 stellt der Konzern nun nur noch ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 1,05 bis 1,10 Dollar in Aussicht - bislang hatte die Prognose bei 1,60 bis 1,70 Dollar gelegen.

Flannery will das Unternehmen nach der 16-jährigen Immelt-Ära umkrempeln. Am 13. November sollen Pläne vorgestellt werden, die die US-Industrie-Ikone wieder in die Spur bringen. Bislang hält sich die Hoffnung bei Anlegern in Grenzen - die Aktie ist im bisherigen Jahresverlauf um rund 25 Prozent gesunken.

Nachdem der langjährige GE-Chef Jeff Immelt, der den Industrieriesen 16 Jahre lang geführt hatte, als Chairman vorzeitig zurücktreten musste, haben inzwischen auch weitere langjährige Topmanager den Konzern verlassen.

Finanzvorstand Jeff Bornstein, einer der engsten Immelt-Vertrauten, verlässt den Konzern nach 28 Jahren und wird durch die bisherige Leiterin der Sparte GE Transportation, Jamie Miller, ersetzt. Auch Beth Comstock, der erste weibliche Vice Chairman bei GE, geht im jungen Alter von 57 Jahren in den Ruhestand.

Damit ist der "Executive Shakeup", wie US-Medien die Vorgänge bei General Electric nennen, noch nicht beendet: Auch Vize-Chairman John Rice wird zum Jahresende den Konzern verlassen.

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Die Abgänge der Top-Manager und die Sorgen um die künftige Dividende von General Electric Börsen-Chart zeigen haben den Kurs des Schwergewichts im Dow Jones Börsen-Chart zeigen Index inzwischen auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahren gestürzt.

Aktivistischer Investor erhöht Druck, Analysten in Sorge

Ex-CEO Jeff Immelt hatte den Spitzenposten Anfang August nach knapp 16 Jahren an John Flannery übergeben. Bei GE hat der aktivistische Investor Trian den Druck auf das Management erhöht: Wie allgemein erwartet, berief General Electric zudem einen Vertreter von Trian in den Verwaltungsrat.

Steve Tusa von JP Morgan nannte die Abgänge der Top-Manager "eindeutig negativ". Zudem drohe angesichts geringerer Barmittel - Basis für die Ausschüttungen an die Aktionäre - eine Kürzung der Dividende, warnte der Analyst. Das wirtschaftliche Umfeld für GE sei unsicher. Die Nachfrage aus der Branche der Kraftwerksbetreiber sei schwach, ebenso wie die aus der Ölindustrie.

Siemens-Rivale GE mit neuem Chef - Flannery löst Immelt ab

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