Freitag, 9. Dezember 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Siemens-Spinoff Bei Osram wird es zappenduster

Hauptsitz der Firma Osram in München: Geht beim zweitgrößten Lampenhersteller der Welt das Licht aus?

Der Hoffnungsträger ist weg, der Vorstandschef auf Abruf, der Aufsichtsrat ohne Plan. Geht beim zweitgrößten Lampenhersteller der Welt das Licht aus?

Da ist Feuer unterm Dach! So jedenfalls sieht es für Autofahrer aus, die auf der A9 im Münchener Norden an der Osram-Zentrale vorbeirauschen. Oben an dem Hochhaus leuchtet das Firmenlogo orangefarben in der Dämmerung, als brenne die Hütte.

Der Eindruck stimmt. Seit Wochen dringen aus der Topetage des zweitgrößten Lichtherstellers der Welt nur brandgefährliche Nachrichten.

Ende April stellte sich heraus, dass der Absatz von Energiesparbirnen und Leuchtstoffröhren im Geschäftsjahr 2014 um mehr als 500 Millionen Euro sinken wird. Auf den unerwartet starken Einbruch im traditionellen Geschäft, das zwei Drittel des Umsatzes ausmacht, reagierte Vorstandschef Wolfgang Dehen (60) mit einem seiner berüchtigten Wutanfälle. Bei der überfälligen Korrektur seiner Umsatzprognose indes blieb er ziemlich cool.

Vier Wochen beharrte der Ober-Osramit auf seiner Börsenstory, die Dynamik bei Leuchtdioden (LEDs) bringe dem Konzern im laufenden Jahr mindestens drei Prozent mehr Umsatz. Erst am 27. Mai revidierte er dies auf Null bis maximal ein Prozent Plus.

Streit um Kompetenzen und Zuständigkeiten

Anfang Juni folgte der nächste Schlag. Technikvorstand Peter Laier (45) verließ per Monatsende den MDax-Konzern. Er hatte de facto die operativen Geschäfte geführt und den Krisenbereich Allgemeinbeleuchtung verantwortet. Offizieller Grund des Abgangs: "Unterschiedliche Auffassungen über Führung und Ausrichtung" von Osram Börsen-Chart zeigen.

Nett formuliert. Monatelang stritten sich die Vorstände Dehen, Laier und Finanzchef Klaus Patzak (49) um Kompetenzen und Zuständigkeiten.

Die Sache eskalierte am Ende soweit, dass Dehen und Laier bei Aufsichtsratschef Peter Bauer (53) ihre Bereitschaft zum Rücktritt bekundeten.

Bauer musste sich entscheiden - und tat, was die meisten in seiner Lage getan hätten: Er entschied sich für seinen CEO. Wenn auch nur vorübergehend.

Inzwischen, so meldete das manager magazin im aktuellen Heft, sucht Bauer nicht nur für Laier, sondern auch für Dehen einen Nachfolger. Drei Jahre, nachdem sich Siemens für die Trennung von der Lichttochter entschied, fängt Osram, was die Besetzung seiner Topetage angeht, praktisch wieder bei Null an.

Ein Osram-Sprecher verwies dazu nur auf frühere Aussagen des Unternehmens, dass nach einem Ersatz für Laier gesucht werde. "Darüber hinaus kommentieren wir - wie ganz generell - keinerlei Spekulationen."

Wie bloß konnte es soweit kommen? Laier, ein kommunikativer Techniker, hatte seit seinem Einstieg Anfang 2013 seinem Vorsitzer intern wie extern den Ruf als Retter des angeschlagenen Unternehmens abgelaufen. Nicht der gnadenlose Kostenkürzer Dehen, sondern der in der Belegschaft beliebte Laier galt als Hoffnungsträger für Osram.

Der frühere Continental-Manager arbeitete an der lange vermissten Wachstumsstrategie, legte eine Roadmap für Produkte vor und motivierte die lethargische Mannschaft. Zuletzt kursierten gar Gerüchte, der CTO könne bald den Spitzenjob übernehmen. Damit war sein Karriereende vorgezeichnet. Im Machtkampf der Alphatiere siegte Dehen - zumindest vorerst. Doch Osram verliert.

Dem Lichthersteller droht ein ähnliches Schicksal wie vielen ehemaligen Siemens- Geschäften. Kaum ausgegliedert, verlieren sie rapide an Wert, drehen eine Restrukturierungsrunde nach der anderen (Unify), geraten in die Nähe der Insolvenz (Infineon Börsen-Chart zeigen) oder werden abgewickelt (BenQ Börsen-Chart zeigen). Was kann jetzt noch aus Osram Börsen-Chart zeigen werden?

Nachrichtenticker

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH