Donnerstag, 8. Dezember 2016

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Trotz Ukraine-Krise Warum ist Gas so billig wie seit Jahren nicht mehr?

Gasverdichterstation in Sachsen: Rohstoff im Überfluss vorhanden

Energiewelt paradox: Politiker warnen angesichts der Ukraine-Krise vor Gasengpässen, doch der Rohstoff ist an den europäischen Handelsplätzen so günstig wie lange nicht. Industrie und Haushalte können auch in Deutschland mit Preissenkungen rechnen.

Hamburg - Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine versetzt Europa in Aufruhr: Sollte Putin Kiew den Gashahn abdrehen, könnte auch weiter westlich weniger von dem Brennstoff ankommen. Dann drohen schmerzhafte Engpässe, fürchten Energiepolitiker.

Noch schlimmer könne es werden, wenn Russland sich auch mit der EU so sehr überwirft, dass es weitere Pipelines dichtmacht. Verzweifelt suchen Brüssel und die Mitgliedsstaaten daher nach alternativen Gaslieferanten.

Am Markt spielen all diese Ängste allerdings kaum eine Rolle. Das zeigt sich besonders daran, dass der Gaspreis sich seit Monaten nur noch in eine Richtung bewegt: nach unten. Lag er an den europäischen Handelsplätzen zum Jahreswechsel noch bei fast 30 Euro pro Megawattstunde, ist er seither um mehr als 30 Prozent auf unter 20 Euro gefallen (siehe Grafik in der linken Spalte). Zuletzt war dies 2010 der Fall.

Die Ursachen für die paradoxe Entwicklung sind vielfältig:

• Die meisten Gashändler erwarten nicht, dass Russland wirklich die Lieferungen stoppt - das Land sei auf die Einnahmen aus dem Export dringend angewiesen. Marktteilnehmer gehen laut dem Branchendienst "Energie und Management" zudem davon aus, dass Putin sich bald mit Kiew einigt

• Der Winter und der Frühling waren extrem mild in Mitteleuropa. Deshalb haben die Haushalte weniger geheizt als erwartet

• Gaskraftwerke in Europa sind schlecht ausgelastet, weil sie von wachsenden Ökostrom-Mengen aus dem Markt gedrängt werden. Zudem liegt die Stromnachfrage aufgrund von schwachem Wirtschaftswachstum und Effizienzmaßnahmen deutlich unter den Erwartungen.

In der Folge strömt ein immenses Überangebot von Gas auf den europäischen Markt. "Viele Importeure bekommen derzeit Lieferungen, die sie gar nicht benötigen und zu ungünstigen Bedingungen weiterverkaufen", sagt Rohstoffexperte Steffen Bukold vom Hamburger Informationsdienst Energycomment.

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