Freitag, 15. Dezember 2017

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Fußball-Bundesliga Schießt Geld Tore? Wir haben da ein paar neue Erkenntnisse

Die finanzielle Schere in der Bundesliga klafft auseinander. Doch wie groß sind die Unterschiede wirklich - auch im Vergleich zur Premier League? Und in welchem Verhältnis stehen Wirtschaftskraft und sportlicher Erfolg der beiden Ligen?

Siebenmal Deutscher Meister in den vergangenen zehn Jahren, fünf Pokalsiege und ein Champions-League-Triumph - man musste in den vergangenen Jahren kein großer Experte sein, um zu Beginn einer Saison das beste Team im deutschen Profifußball richtig zu tippen. Am FC Bayern München führte zuletzt kein Weg vorbei.

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Heft Dezember 2017

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Einer, der seit Jahren über die sportliche Eintönigkeit an der Spitze der Bundesliga schimpft, ist Heribert Bruchhagen. Er benutzt dann Begriffe wie "finanzielle Schere" und "Spreizung". Für den Vorstandsvorsitzenden des Hamburger SV und früheren Vorstandschef von Eintracht Frankfurt ist das wirtschaftliche Ungleichgewicht in der Bundesliga ein hausgemachtes Problem des Oberhauses. Ein finanzielles, das eng mit der Verteilung der TV-Gelder der Deutschen Fußball Liga (DFL) verknüpft ist. Bruchhagen klagt: "Die Tabelle bleibt vorhersehbar. Die Spreizung darf nicht weiter voranschreiten. Die Bundesliga wird einen Gesamtschaden nehmen."

So weit, so bekannt. Doch wie weit geht diese finanzielle Schere tatsächlich auseinander? Und wie groß ist der Einfluss der Wirtschaftskraft auf den sportlichen Erfolg? Oder anders gefragt: Schießt Geld im Fußball wirklich Tore?

Etwas Licht ins Dunkel bringt einer von Bruchhagens Vergleichen, der 25 Jahre zurückreicht. Er stellt die Lizenzspieleretats des FC Bayern München und von Eintracht Frankfurt gegenüber. Im Jahr 1992, erinnert der HSV-Obere, lag der Unterschied bei lediglich 40 Prozent. Heute ist der Bayern-Kader um 500 Prozent teurer als der des hessischen Traditionsclubs.

Auch SPONSORs hat sich die wirtschaftlichen Unterschiede im europäischen Club-Fußball genauer angesehen. Untersucht wurden zunächst die Bundesliga und die englische Premier League, Europas reichste Fußballliga (siehe Tabelle unten: "Bundesliga vs. Premier League: So verteilen sich Umsätze (2015/16) und Titel (seit 2007/08)"). In einem weiteren Artikel wird SPONSORs Ende des Jahres zudem die wirtschaftlichen Unterschiede innerhalb der UEFA Champions League untersuchen.

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Anders als bei Bruchhagens Rechnung wurde in der Untersuchung der Jahresumsatz der Clubs aus der Saison 2015/16 als Messgröße herangezogen. Vor allem, weil die meisten Clubs ihre Umsätze für das Geschäftsjahr 2016/17 noch nicht veröffentlicht haben. Damit bleiben die Auswirkungen der neuen Medienverträge der Premier League (seit der Saison 2016/17) und der Bundesliga (2017/18) unberücksichtigt.

Allerdings dürften die Umsatzzahlen der Geschäftsjahre 2016/17 und 2017/18 für die hier vorgenommene Betrachtung kein wesentlich anderes Bild ergeben. Schließlich haben beide Ligen ihre Verteilerschlüssel für die TV-Erlöse nicht (Premier League) oder nur minimal (Bundesliga) angepasst. So ist zwar primär deutlich mehr Geld im System, eine deutlich andere "finanzielle Schere" aber keine Folge.

Untersucht man die finanzielle Spreizung innerhalb der Bundesliga, so ist dies vor allem eine Betrachtung der wirtschaftlichen Dominanz des FC Bayern München. Das zeigen folgende Zahlenspiele: 626,8 Millionen Euro nahm der deutsche Rekordmeister in der Saison 2015/16 ein. Damit ist der Umsatz der Münchner deutlich höher als die Erträge von Mainz 05, Eintracht Frankfurt, dem FC Augsburg, Hertha BSC, Hannover 96, dem FC Ingolstadt und Darmstadt 98 zusammen. Die Umsatzdifferenz zwischen Borussia Dortmund Börsen-Chart zeigen (376,3 Millionen Euro) und dem FC Bayern liegt sogar bei 250 Millionen Euro. Will es der BVB also wirtschaftlich mit den Bayern aufnehmen, müsste er sich die Umsätze des FC Schalke (264,6 Millionen Euro, Platz drei) dazuverdienen.

Wie weit die finanzielle Schere in der Bundesliga tatsächlich auseinandergeht, zeigt ein Vergleich zwischen dem umsatzstärksten und dem umsatzschwächsten Club im deutschen Fußball-Oberhaus. Ein Vergleich zwischen München und Darmstadt: Während die Bayern in der Saison 2015/16 auf Umsätze von 626,8 Millionen Euro kamen, nahm Darmstadt 41,5 Millionen Euro ein. Wir sprechen also vom Faktor 15!

Trotz großer wirtschaftlicher Nachteile hielten die "Lilien" am Ende der Saison 2015/16 jedoch zur Überraschung vieler die Klasse. Stattdessen stiegen mit Hannover 96 und dem VfB Stuttgart zwei Clubs in die 2. Bundesliga ab, deren wirtschaftliche Kraft doppelt (Hannover 96) beziehungsweise dreimal (VfB Stuttgart) so groß war wie die von Darmstadt 98.

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Speziell am Beispiel des VfB, der auch in den Jahren zuvor weit unter seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten gespielt hatte, zeigt sich, dass Geld nicht immer zwangsläufig auch Tore schießt. In der Abschlusstabelle der Saison 2015/16 hätten die Schwaben vom Umsatz her (125,5 Millionen Euro) nämlich auf einem gesicherten Mittelfeldplatz landen müssen - und nicht auf Rang 17. Hannover (80 Millionen Euro) hätte es laut Umsatzranking zumindest noch in die Relegation geschafft.

Auf der anderen Seite lässt sich im Sport - und das gilt besonders für den Fußball - nicht alles planen. Oder doch?

Sicherlich wäre es etwas zu kurz gedacht, von Umsatzwerten aus dem Jahr 2015/16 auf sportliche Erfolge der Vergangenheit zu schließen. Es ist jedoch auffällig, dass in den vergangenen zehn Jahren nur noch fünf verschiedene Clubs (FC Bayern, Borussia Dortmund, FC Schalke 04, VfL Wolfsburg und Werder Bremen) einen nationalen Titel (Meisterschaft oder DFB-Pokal) holen konnten.

Mit zwölf Erfolgen gewann der FC Bayern sogar 60 Prozent aller nationalen Titel. In 19 von 20 Fällen waren Clubs erfolgreich, die in der Saison 2015/16 einen Umsatz von 200 Millionen Euro oder mehr erwirtschafteten. Lediglich der SV Werder Bremen (2015/16: 108,1 Millionen Euro), im Jahr 2009 DFB-Pokalsieger, lag deutlich unter dieser Marke.

Finanziell planbar, zumindest in den meisten Fällen, scheint in der Bundesliga mittlerweile auch die Qualifikation für die UEFA Champions League. In den vergangenen zehn Jahren gelang lediglich vier Clubs (Borussia Mönchengladbach, Werder Bremen, VfB Stuttgart und RB Leipzig) mit einem Jahresumsatz unter 200 Millionen Euro pro Jahr die Qualifikation zur "Königsklasse". Alle anderen deutschen Champions-League-Starter lagen entweder deutlich über dieser Umsatzgrenze (FC Bayern, Borussia Dortmund, FC Schalke 04) oder werden als 100-prozentiger Werksclub (Bayer 04 Leverkusen und VfL Wolfsburg) von einem Konzern unterstützt. In der Regel weisen Bayer Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen die Umsatzwerte ihrer Fußballtöchter zwar nicht exakt aus und "verstecken" deren Finanzen in ihren Konzernbilanzen. Doch auch im Falle von Bayer 04 Leverkusen und dem VfL Wolfsburg ist davon auszugehen, dass deren Umsätze über 200 Millionen Euro liegen.

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