Dienstag, 27. September 2016

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Zusammenschluss Deutsche Börse und Londoner Börse wollen fusionieren

Londoner Börse: Die Deutsche Börse will mit der LSE fusionieren

Die Deutsche Börse will sich mit der Börse in London zusammenschließen. Wie beide Unternehmen am Dienstag mitteilten, werde ein Zusammengehen auf Augenhöhe geprüft. Dabei sollen die Aktionäre der Deutschen Börse an dem neuen Konzern mit etwas über 54 Prozent die Mehrheit halten.

Die Deutsche Börse Börsen-Chart zeigen will es wieder wissen: Der seit Frühjahr 2015 amtierende Chef Carsten Kengeter will den Frankfurter Börsenbetreiber mit der London Stock Exchange fusionieren. Bei dem Zusammenschluss auf Augenhöhe würden die Aktionäre der Deutschen Börse mit etwas über 54 Prozent am neuen Gemeinschaftsunternehmen die Mehrheit halten.

Wie beide Unternehmen am Dienstag mitteilten, werde ein Zusammengehen geprüft. Die Gespräche dazu liefen. Wenn es zu einer Übereinkunft kommt, sollen die Anteilseigner der britischen und die der deutschen Börse ihre Aktien gegen Anteile des neuen Gemeinschaftsunternehmens eintauschen.

Neuer Versuch - Fusionsversuche mit NYSE und Euronext waren geplatzt

Die Deutsche Börse hatte vor einigen Jahren mehrere Fusionen angestrebt, die sich aber nicht realisieren ließen: Vor dem Aus für die Fusion mit der New York Stock Exchange waren bereits Pläne zur Übernahme der Londoner Börse LSE und zur Übernahme der Vierländerbörse Euronext geplatzt. Die Deutsche Börse hatte sich zuletzt anders orientiert und suchte ihr Heil vor allem in kleineren Partnerschaften in Asien

Nach den ersten Meldungen über die Fusionsgespräche am frühen Nachmittag legte die Aktie der Deutschen Börse um knapp 4 Prozent zu. Die Aktie der LSE schoss gar um 14 Prozent in die Höhe.

Trotzdem kommt die Deutsche Börse Börsen-Chart zeigen weiterhin auf eine deutlich höhere Marktkapitalisierung von derzeit rund 14,75 Milliarden Euro. Die LSE ist an der Börse derzeit auch nach dem Kurssprung nur rund 8 Milliarden Pfund wert, umgerechnet etwa 10,2 Mrd. Euro.

Die Deutsche Börse wolle bei dem fusionierten Unternehmen den Ton angeben, sagte die andere mit dem Vorgang vertraute Person. "Der Deal ist sehr heiß."

Der seit Juni 2015 amtierende Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter hat bereits im vergangenen Jahr mehrere mittelgroße Übernahmen gestemmt. Kengeter ist gelernter Investmentbanker. Vor seinem Einstieg bei der Deutschen Börse arbeitete er elf Jahre lang für Goldman Sachs in New York, bis 2013 war er im Vorstand der Schweizer Großbank UBS für das Investmentbanking zuständig.

Durch eine Fusion mit der LSE würde der mit Abstand größte europäische Börsenbetreiber entstehen. Allerdings hängt über den Gesprächen derzeit noch eine große Unsicherheit: Erst am 23. Juni sollen die Briten über einen etwaigen Ausstieg ihres Landes aus der EU abstimmen.

Chronik des Scheiterns: Fusionsversuche der Deutschen Börse im Überblick

Kengeters Vorgänger sind mit ihrem Traum eines großen Wurfs in der Vergangenheit bereits etliche Male gescheitert. Nachfolgend ein Überblick:

17. Juli 2000: Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003: Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004: Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004: Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004: Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006: Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006: Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006: Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008: Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011: Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012: Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit den Amerikanern aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

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