Mittwoch, 19. September 2018

Digitale Lebensversicherung Neue Altersvorsorge der Allianz - die Tücken von "Fourmore"

Altersvorsorge für junge hippe Leute: Kostenstruktur von "Fourmore" bleibt unklar
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Altersvorsorge für junge hippe Leute: Kostenstruktur von "Fourmore" bleibt unklar

Der Versicherer Allianz bietet mit "Fourmore" ein neues digitales Produkt zur Altersvorsorge an. Es soll flexibel, einfach und klar sein. Doch das Produkt hat seine Tücken.

"Fourmore" ist die Wortkreation, die sich die Kreativen der Marketingabteilung der Allianz ausgedacht haben. Offensichtlich sollen damit die jungen und hippen Menschen angesprochen werden. Auf der Produktimageseite im Netz wimmelt es dann auch von den bekannten Stereotypen: Der volltätowierte Sportliche, die Surferin mit frischen, blonden Haaren oder der langhaarige Fotograf, der in Berlin seine Fotos schießt. Da sieht man den Berliner Fernsehturm und eben nicht den aus Stuttgart. Der wäre aber eigentlich passender, denn die Allianz Lebensversicherung ist in der Schwabenmetropole ansässig.

Die Internetpräsenz ist auch ansonsten sehr sparsam mit Hinweisen auf die Allianz Lebensversicherung. Das Logo sucht man vergeblich. Anscheinend soll "Fourmore" für sich selbst sprechen. Umgekehrt findet man auch auf der eigentlichen Seite der Allianz erst nach ein paar Klicks einen Hinweis auf das neue Angebot. Offensichtlich soll hier ein Produkt mit möglichst wenig Anknüpfung an die klassische Allianzwelt etabliert werden.

Axel Kleinlein
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    Axel Kleinlein ist Versicherungs-mathematiker. Bevor er sich dem Verbraucherschutz zuwandte, arbeitete Kleinlein in dieser Funktion auch für die Allianz. Der gefürchtete Kritiker der Assekuranz führt seit 2011 (mit kurzer Unterbrechung) den Bund der Versicherten (BdV) an. Die größte Verbraucherschutzorganisation für Versicherte in Deutschland. Vor allem mit seinen Studien zur Riester-Rente wurde er einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Die Funktionsweise von "Fourmore" ist auch in vielen anderen Punkten ungewohnt. Das Positive vorweg: Die Flexibilität ist bemerkenswert. Es gibt keine Verpflichtungen, sich auf regelmäßige Einzahlungen festzulegen. Es gibt viele Möglichkeiten, sich das Geld auszahlen zu lassen: als Rente, als Zeitrente, in einem Schlag oder auch zwischendrin. Das ist ungewöhnlich für ein Versicherungsprodukt. Da hat sich die Allianz an dem orientiert, was in den USA bereits als "Universal Life" Produkt anerkannt ist.

Problematisch wird es, wenn man sich das Produkt dann im Detail anschaut. Da liegt mir ein Beispielfall vor, bei dem ein Kunde nur einmalig 2.000 Euro einzahlt und sich diese nach Hochrechnung der Allianz dann auf 8.611,04 Euro bis 2060 verzinsen sollen. Dabei unterstellt der Versicherer einfach mal eine "jährlich gleichbleibende Wertentwicklung der Gesamtanlage von 5,00 %". Fünf Prozent? In welcher Welt lebt denn die Allianz? Anscheinend nicht in der, die man derzeit an den Finanzmärkten beobachten kann. Das irritiert mich schon mal.

Kostenstruktur bleibt unklar

Genau zu diesem Angebot findet sich dann auch der Hinweis, dass die "Effektivkosten" 1,31 Prozent betragen würden. Diese Effektivkosten werden auch erläutert, als der Wert, "um wie viel sich die jährliche Wertentwicklung nach Abzug von Abschluss- und Vertriebskosten sowie sämtlichen Verwaltungskosten vor Rentenbeginn reduziert". Diese vermaledeiten Effektivkosten versteht natürlich kein normaler Kunde. Deswegen habe ich mal ausgerechnet, wie hoch denn die Kosten gemessen am eingezahlten Beitrag sind. Mehr als 40 Prozent! Anders ausgedrückt: Für den Kunden fühlt sich das so an, als würden nur 60 Prozent von dem, was er einzahlt, tatsächlich der vollen Verzinsung unterworfen. Die Kosten sind also sehr, sehr hoch.

Und schaut man sich die Kostenstruktur im Einzelnen an, so stellt man fest, dass es jährlich einen Kostensatz gibt, um den das angesparte Kapital geschmälert wird (nämlich um 0,8 Prozent). Vom Kapital im Sondervermögen zieht die Allianz dann "aktuell" noch 0,18 Prozent ab. Unklar ist, ob dieser Kostensatz zukünftig dann beliebig frei gewählt werden kann. Es wird ja ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es "aktuell" 0,18 Prozent seien. Wie hoch maximal? Dazu gibt es keine Information.

Vertriebskosten - für ein digitales Produkt ohne Vertrieb

Und dann kommen noch Kosten in Höhe von 4 Prozent auf jede Einzahlung hinzu. "Kenn ich doch", sagen jetzt viele Experten. "Das ist doch genau die Höhe, in der üblicherweise die Provision angesetzt wird". Und folgerichtig nennt die Allianz diese Kosten auch "Abschluss- und Vertriebskosten". Lustig nur, dass es sich ja bei "Fourmore" um ein digitales Produkt handeln soll, dass eben ohne Vertrieb und nur über das Internet vermarktet werden soll.


Die Allianz bin ich: Oliver Bäte, alles andere als ein digitaler Erneuerer


Das heißt, die Kundinnen und Kunden sollen Abschluss- und Vertriebskosten in Höhe einer üblichen Provision zahlen ohne im Gegenzug die Vorteile zu bekommen, die sich daraus ergeben, dass da jemand ist, der die Provision kassiert.

Denn eigentlich soll ja die Provision nur fließen, wenn da auch jemand ist, der qualifiziert berät. Das ist bei "Fourmore" aber eben ziemlich eingeschränkt. Der Versuch, über die Hotline zumindest mal Versicherungsbedingungen anfordern zu können, ist kläglich gescheitert. Wie sollen die denn dann beraten können, wenn die noch nicht mal die Bedingungen vorliegen haben?

Wenn es also keine vernünftige Beratung gibt, dann sollten also eigentlich die Abschluss- und Vertriebskosten entsprechend geringer ausfallen. Tun sie aber nicht. Auch hier gilt also: Ziemlich überteuert.

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