Freitag, 16. November 2018

Flüchtlingskrise: McKinsey bekommt mehr als 20 Millionen Euro Wie selbstlos ist McKinsey?

Für Deutschland verantwortlich: McKinsey-Mann Cornelius Baur.
Thomas Effinger
Für Deutschland verantwortlich: McKinsey-Mann Cornelius Baur.

Zu Beginn der Flüchtlingskrise schenkte McKinsey dem Staat nach SPIEGEL-Informationen mehr als eine Million Euro. Inzwischen verdienen die Berater prächtig - und die nächsten Aufträge des Bundes warten schon.

Das Beratungsunternehmen McKinsey hat für seinen Beitrag zur Bewältigung der Flüchtlingskrise mehr Geld erhalten als bisher bekannt. Seit Herbst 2015 bekamen die Berater, die zuletzt unter internen Konflikten litten, vom Bund Aufträge in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro. Nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hat McKinsey seitdem 15,5 Millionen kassiert, um die Behörde zu beraten. Hinzu kommen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) 4,96 Millionen Euro für die Unterstützung eines gemeinsamen Arbeitsstabs von Bamf und BA. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Nach SPIEGEL-Recherchen hat McKinsey unter Deutschlandchef Cornelius Baur dem Staat in den ersten Monaten einen Teil seiner Beratungsleistungen geschenkt. Wie die BA bestätigte, haben die Berater für den Arbeitsstab bis Februar dieses Jahres 488 Tage im Wert von gut 1,1 Millionen umsonst gearbeitet. Den Vorwurf, kostenlose Beratertage ("pro bono") angeboten zu haben, um an weitere Aufträge des Bundes zu gelangen, weist McKinsey zurück. Es habe "kein eigenständiges oder vorgelagertes Pro-bono-Engagement" gegeben, sagte ein Unternehmenssprecher. Bei der unentgeltlichen Arbeit habe es sich lediglich um eine Art Rabatt gehandelt, das sei "von Beginn an" so vereinbart gewesen.

Seit vergangenem Herbst haben die Berater der Bundesregierung bei der Optimierung des Asylprozesses oder der Registrierung von Flüchtlingen geholfen. Derzeit arbeitet McKinsey im Auftrag des Bamf an einer Studie zur schnelleren "Rückführung" von abgelehnten Asylbewerbern. Allein für diese Abschiebetipps erhalten die Consultants 1,86 Millionen Euro. Der durchschnittliche Tagessatz pro Berater beläuft sich auf gut 2700 Euro.

Während der Flüchtlingskrise hatte das Bamf wegen Eilbedürftigkeit auf eine Ausschreibung der externen Beratungsleistungen verzichtet. Nun hat die Behörde für die kommenden vier Jahre insgesamt 42.400 Beratertage ausgeschrieben. Im Januar entscheidet sich, welche Unternehmen den Zuschlag erhalten. Laut Insidern gilt McKinsey zumindest für einen Teil der Aufträge als gesetzt.

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