Freitag, 14. Dezember 2018

Wirtschaftspromi-Verlag zahlungsunfähig Florian Langenscheidts Verlag ist pleite

Florian Langenscheidt mit Ehefrau Miriam Anfang 2016 in Berlin. Kürzlich gab das Paar seine Trennung bekannt.
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Florian Langenscheidt mit Ehefrau Miriam Anfang 2016 in Berlin. Kürzlich gab das Paar seine Trennung bekannt.

Eine der prominentesten PR-Plattformen für deutsche Mittelständler ist pleite. Für den Kölner Verlag "Deutsche Standards Editionen" von Florian Langenscheidt wurde nach Informationen von manager-magazin.de ein Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. Als vorläufiger Insolvenzverwalter ist Miguel Grosser von der Kanzlei Jaffé eingeschaltet.

Der 61-jährige Langenscheidt ist Ururenkel des Verlagsgründers Gustav Langenscheidt, selbst aber seit 1994 nicht mehr in der gleichnamigen Verlagsgruppe aktiv. Seit 2003 führt er statt dessen als Mehrheitsgesellschafter den Verlag "Deutsche Standards", der sich vor allem mit elogenhaften Büchern wie "Lexikon der deutschen Weltmarktführer" und "Marken des Jahrhunderts" über bekannte deutsche Unternehmen aus dem Mittelstand positionierte. "Wir machen Visitenkarten für das Beste der deutschen Wirtschaft, seien es Familienunternehmen oder Weltmarktführer oder der Mittelstand", sagte Langenscheidt unlängst in einem Interview.

Dank seiner rhetorischen Gewandtheit und Prominenz positionierte sich Langenscheidt in auflagenstarken Blättern wie "Bild" und "Bunte" als inoffizieller Botschafter deutscher Familienunternehmen und konnte so auch seine Produkte immer wieder bewerben. Zuletzt verlegte er auch werbliche Bücher im Auftrag von Unternehmen ("Corporate Publishing").

Dabei halfen ihm seine beiden, unter Familienunternehmern ebenfalls gut bekannte Mitgesellschafter, die jeweils knapp unter 25 Prozent der Anteile halten: Christoph Walther, der die Kommunikationsagentur CNC in München mit aufgebaut hat und seit Jahren Unternehmer wie die Familie Schaeffler oder Carsten Maschmeyer (AWD) berät, sowie Peter May, selbst Sproß einer Unternehmerfamilie und Gründer der Familienunternehmer-Beratung Intes, die er inzwischen an PricewaterhouseCoopers verkauft hat.

Dennoch blieb das Geschäft des kleinen Verlags, der einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag umsetzte, so stark schwankend, dass der Cash Flow ein ständiger Risikoherd blieb. Zum Ende des Geschäftsjahres 2014 etwa, der letzten veröffentlichten Bilanz, belief sich das Guthaben bei Banken auf nur gut 49 000 Euro, die Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von unter einem Jahr dagegen auf fast 287 000 Euro.

Um den Insolvenzanftrag abzuwenden, hatte Langenscheidt nach Informationen von manager-magazin.de zuletzt noch Verkaufsverhandlungen für "Deutsche Standards" geführt. Weit fortgeschritten waren etwa die Gespräche mit dem Zeit-Verlag und der Verlagsgruppe Handelsblatt, die zum Teil ähnliche Geschäfte für Unternehmen betreiben wie Langenscheidts Verlag "Deutsche Standards".

Beide Interessenten sollen aber Liquiditäts-Garantien gefordert haben, die Langenscheidt und seine Gesellschafter nicht geben wollten. Auch die NZZ-Gruppe aus Zürich soll Interesse gezeigt haben. Nachdem die Interessenten Langenscheidt hinhielten, entschied sich sein Unternehmen am 22. Juni zum Antrag auf Regelinsolvenz.

Langenscheidt war für einen Kommentar zunächst ebenso wenig zu erreichen wie die Geschäftsführung des Verlags "Deutsche Standards".

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Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung hieß es, das Insolvenzverfahren sei eröffnet. Tatsächlich ist bislang nur der Antrag gestellt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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