Mittwoch, 19. September 2018

Flixmobility verklagt Bahn - und droht mit weiteren "rechtlichen Schritten" Streit zwischen Flixbus und Bahn eskaliert

Bahn-Konkurrent "Flixtrain": Das Start-up Flixmobility, zu dem neben Flixtrain auch Flixbus gehört, fühlt sich diskriminiert und klagt gegen die Deutsche Bahn

Das Verhältnis zwischen dem Start-up Flixmobility (Flixbus, Flixtrain) und der Deutschen Bahn galt bereits als angespannt, nun hat der Streit auch juristische Konsequenzen: Das Münchener Unternehmen hat nach Informationen von manager magazin am 31. Juli beim Landgericht Hamburg Klage gegen die DB Vertrieb GmbH eingereicht, weil es sein neues Zugangebot Flixtrain auf dem Portal bahn.de benachteiligt sieht. Der Vorwurf: unlauterer Wettbewerb.

Flixmobility moniert etwa, dass dort für Flixtrains keine Preise angezeigt werden und wirft der Bahn vor, fehlerhafte Fahrpläne gelistet zu haben und keine Buchungsmöglichkeit einzubinden. Außerdem würden Flixtrains auf bahn.de mit der Standardsucheinstellung "schnelle Verbindungen bevorzugt" zum Teil überhaupt nicht angezeigt. Die Angebote der Deutschen Bahn erschienen auf der Website entsprechend attraktiver.

"Bahn.de ist die zentrale Auskunftsplattform für Kunden und gesetzlich dazu verpflichtet, alle Reiseoptionen auf der Schiene aufzuzeigen", sagte Flixmobility-Chef André Schwämmlein (36) dem manager magazin. Im Nahverkehr, wo die Bahn bereits seit Längerem private Konkurrenz hat, würde dies ja schließlich auch funktionieren.

Die Bahn teilte auf Anfrage mit, nichts von einer Klage zu wissen. Man sei im Gespräch und habe auf bahn.de bereits "Punkte im Sinne von Flixtrain verändert".

Flixtrain bedient Strecken Berlin-Stuttgart und Hamburg-Köln

Flixtrain besitzt keine eigenen Züge, sondern vermittelt Passagiere gegen gut 25 Prozent Provision an Subunternehmen. Die Münchener betreiben dafür die Website und organisieren Werbekampagnen oder den Ticketverkauf, während die Partnerunternehmer sich um Lokführer und Züge kümmern. Mit diesem Plattformmodell stieg das Schwesterunternehmen Flixbus nach mehreren Übernahmen zum größten Fernbusanbieter Europas auf. In Deutschland liegt der Marktanteil mittlerweile über 90 Prozent.

Seit vergangenem Frühjahr fährt Flixtrain auf den Linien Berlin-Stuttgart und Hamburg-Köln mindestens einmal täglich mit alten, grün-lackierten DB-Waggons, die Partnerunternehmen des Start-ups von den Vorgängern Locomore und HKX übernommen hatten. Ab Dezember will Flixtrain Berlin zusätzlich mit München und Köln verbinden. Entsprechende Trassen hatte man bei der Bahntochter DB Netz beantragt, die den Großteil des deutschen Schienennetzes betreibt.

Bahn-Konkurrent fühlt sich diskriminiert

Die vorläufige Rückmeldung aus dem Juli war für die Münchener eine Enttäuschung: Flixtrains müssten demnach Düsseldorf und mehrere Städte im Ruhrgebiet monatelang umfahren, Umwege hätten stundenlange Verspätungen zur Folge und manche Routen würden gar komplett wegfallen. Gerade als neuer Anbieter wäre es so kaum möglich, stabile Kundenbeziehungen aufzubauen. Flixtrain fühlte sich "diskriminiert".

Die Bahn nannte in der Vergangenheit etwa Baustellen als Grund für Umwege, die alle Eisenbahnunternehmen beträfen. Gegenüber manager magazin warf eine Sprecherin Flixtrain nun vor, "in der Öffentlichkeit Stimmung gegen die DB zu machen" und verwies auf eine Aussage des Flixtrain-Chefs Fabian Stenger, der die Zusammenarbeit mit der DB Netz in einem Interview mit der "Allianz pro Schiene" als "sehr gut" bezeichnet hatte.

Flixmobility-CEO Schwämmlein, Stengers Vorgesetzter, droht derweil mit der nächsten Klage: "Sollten wir von der DB Netz keine wirtschaftlich zu betreibenden Vorschläge erhalten", so Schwämmlein, werde man auch hier "rechtliche Schritte" in Betracht ziehen.

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