20.08.2018

Flixmobility verklagt Bahn - und droht mit weiteren "rechtlichen Schritten"

Streit zwischen Flixbus und Bahn eskaliert

Von

DPA

Bahn-Konkurrent "Flixtrain": Das Start-up Flixmobility, zu dem neben Flixtrain auch Flixbus gehört, fühlt sich diskriminiert und klagt gegen die Deutsche Bahn

Das Verhältnis zwischen dem Start-up Flixmobility (Flixbus, Flixtrain) und der Deutschen Bahn galt bereits als angespannt, nun hat der Streit auch juristische Konsequenzen: Das Münchener Unternehmen hat nach Informationen von manager magazin am 31. Juli beim Landgericht Hamburg Klage gegen die DB Vertrieb GmbH eingereicht, weil es sein neues Zugangebot Flixtrain auf dem Portal bahn.de benachteiligt sieht. Der Vorwurf: unlauterer Wettbewerb.

Flixmobility moniert etwa, dass dort für Flixtrains keine Preise angezeigt werden und wirft der Bahn vor, fehlerhafte Fahrpläne gelistet zu haben und keine Buchungsmöglichkeit einzubinden. Außerdem würden Flixtrains auf bahn.de mit der Standardsucheinstellung "schnelle Verbindungen bevorzugt" zum Teil überhaupt nicht angezeigt. Die Angebote der Deutschen Bahn erschienen auf der Website entsprechend attraktiver.

"Bahn.de ist die zentrale Auskunftsplattform für Kunden und gesetzlich dazu verpflichtet, alle Reiseoptionen auf der Schiene aufzuzeigen", sagte Flixmobility-Chef André Schwämmlein (36) dem manager magazin. Im Nahverkehr, wo die Bahn bereits seit Längerem private Konkurrenz hat, würde dies ja schließlich auch funktionieren.

Die Bahn teilte auf Anfrage mit, nichts von einer Klage zu wissen. Man sei im Gespräch und habe auf bahn.de bereits "Punkte im Sinne von Flixtrain verändert".

Flixtrain bedient Strecken Berlin-Stuttgart und Hamburg-Köln

Flixtrain besitzt keine eigenen Züge, sondern vermittelt Passagiere gegen gut 25 Prozent Provision an Subunternehmen. Die Münchener betreiben dafür die Website und organisieren Werbekampagnen oder den Ticketverkauf, während die Partnerunternehmer sich um Lokführer und Züge kümmern. Mit diesem Plattformmodell stieg das Schwesterunternehmen Flixbus nach mehreren Übernahmen zum größten Fernbusanbieter Europas auf. In Deutschland liegt der Marktanteil mittlerweile über 90 Prozent.

Seit vergangenem Frühjahr fährt Flixtrain auf den Linien Berlin-Stuttgart und Hamburg-Köln mindestens einmal täglich mit alten, grün-lackierten DB-Waggons, die Partnerunternehmen des Start-ups von den Vorgängern Locomore und HKX übernommen hatten. Ab Dezember will Flixtrain Berlin zusätzlich mit München und Köln verbinden. Entsprechende Trassen hatte man bei der Bahntochter DB Netz beantragt, die den Großteil des deutschen Schienennetzes betreibt.

Bahn-Konkurrent fühlt sich diskriminiert

Die vorläufige Rückmeldung aus dem Juli war für die Münchener eine Enttäuschung: Flixtrains müssten demnach Düsseldorf und mehrere Städte im Ruhrgebiet monatelang umfahren, Umwege hätten stundenlange Verspätungen zur Folge und manche Routen würden gar komplett wegfallen. Gerade als neuer Anbieter wäre es so kaum möglich, stabile Kundenbeziehungen aufzubauen. Flixtrain fühlte sich "diskriminiert".

DPA

Anders als im Nahverkehr beherrscht die Deutsche Bahn im Fernverkehr den Markt allein. Ganz allein? Tatsächlich gibt es eine Reihe von Unternehmen, die dem Staatskonzern trotz zahlreicher bürokratischer Hindernisse Paroli bieten. Manche sind gescheitert, andere greifen an, wie die Übersicht zeigt.

DPA

Flixbus: Der Fernbus-Anbieter greift die Deutsche Bahn nun auch auf der Schiene an. Das Unternehmen vermarktet nach einer Testphase auf Dauer Fahrkarten für Verbindungen zwischen Köln und Hamburg sowie Stuttgart und Berlin. Die Fernzüge fahren unter der Marke "Flixtrain", wie am Dienstag angekündigt wurde. Fahrgäste sollen zahlreiche Umsteigemöglichkeiten in Fernbusse erhalten. Damit tritt das Unternehmen in die Fußstapfen von...

DPA

HKX: Der private Hamburg-Köln-Express zuckelte einige Jahre zwischen Norddeutschland und dem Rheinland hin und her. Mehrheitseigner war die US-amerikanische Railroad Development Corporation (RDC) aus Pittsburgh.

DPA

Dass sich langfristig kein echter Erfolg einstellte, lag sicher auch daran, dass die Züge lange mit Uralt-Waggons durch die Gegend rumpelten. Ende 2017 war Schluss, nachdem auch eine Tarifkooperation mit der Deutschen Bahn nicht die Wende brachte.

DPA

Autozug Sylt: Die Railroad Development Corporation gibt in Deutschland indes nicht auf und ist inzwischen auch auf Sylt aktiv, wo sie ein Nutzungsrecht für den Autozug-Verkehr ergattern konnte und im Wechsel mit dem SyltShuttle der Deutschen Bahn verkehrt. Auf der Insel schäumen Kommunalpolitiker allerdings über "die Amis". Diese haben es nicht vermocht, Doppelstock-Autowaggons für die Strecke zu beschaffen.

DPA

Locomore: Die Tochter des tschechischen Leo Express versuchte sich auf der Strecke Berlin-Stuttgart. Als billig und kinderfreundlich gerühmt, rechnete sich das Unterfangen am Ende jedoch nicht. Zwischenzeitlich ging das Unternehmen in die Insolvenz. Nun geht die Verbindung wie HKX ebenfalls in der Marke "Flixtrain" auf. Leo Express

DPA

InterConnex: Zwischen Rostock und Leipzig versuchte sich die Tochter des Verkehrskonzerns Veolia als Billig-Wettbewerber der Bahn, als diese Rostock weitgehend vom Fernverkehr abgekoppelt hatte. Die aufkommende Konkurrenz durch den Fernbus überstand der Zug jedoch nicht und wurde 2014 eingestellt.

DPA

Harz-Elbe-Express: Der Zug verkehrt im Harz und darüberhinaus an den Wochenenden bis nach Berlin. Hinter der Verbindung steht die französische Firma Transdev, in der inzwischen auch die Fernverkehrsaktivitäten von Veolia aufgegangen sind. Transdev ist wiederum mehrheitlich in den Händen der staatlichen französischen Bank Caisse des Depots.

DPA

Train4You und andere Sonderzuganbieter: Mit Zügen wie dem Urlaubs-Express oder dem Alpen-Schnee-Express bietet Train4You der Deutschen Bahn nur zeitweise, aber dennoch kontinuierlich die Stirn. So fahren im Sommer Züge täglich von Hamburg nach Verona oder in umgekehrter Richtung. Mit Autozügen werden auch die Strecken zwischen Hamburg und Lörrach sowie Hamburg und München bedient.

(Abbildung ähnlich)

SPIEGEL ONLINE

Georg Verkehrsorganisation (GVG): Das Charterzug-Unternehmen betreibt den Nachtzug zwischen Berlin und Malmö. Dabei fährt der Zug in Mukran auf Rügen auf eine Fähre. GVG übernahm mit dieser Strecke 2000 als erstes privates Unternehmen einen Fernzug der Deutschen Bahn. Trotz museal anmutender Wagen schwedischer Provenienz und trotz Billigflieger-Konkurrenz scheint die Verbindung nicht totzukriegen. Allerdings gilt wie für die meisten Bahn-Konkurrenten auf der Fernstrecke: Schlaflose Nächte bereiten solche Züge eher den Fahrgästen als den Managern der Deutschen Bahn.

Die Bahn nannte in der Vergangenheit etwa Baustellen als Grund für Umwege, die alle Eisenbahnunternehmen beträfen. Gegenüber manager magazin warf eine Sprecherin Flixtrain nun vor, "in der Öffentlichkeit Stimmung gegen die DB zu machen" und verwies auf eine Aussage des Flixtrain-Chefs Fabian Stenger, der die Zusammenarbeit mit der DB Netz in einem Interview mit der "Allianz pro Schiene" als "sehr gut" bezeichnet hatte.

Flixmobility-CEO Schwämmlein, Stengers Vorgesetzter, droht derweil mit der nächsten Klage: "Sollten wir von der DB Netz keine wirtschaftlich zu betreibenden Vorschläge erhalten", so Schwämmlein, werde man auch hier "rechtliche Schritte" in Betracht ziehen.

manager magazin widmet Flixbus und dessen US-Expansion in der kommenden Printausgabe einen ausführlichen Report. Das digitale Heft können Sie ab Donnerstagmittag (23.8.) erwerben.

Weitere Artikel