Freitag, 18. Januar 2019

Späte TV-Übertragung Firmen überdenken Arbeitszeiten zur Fußball-WM

Two males watching sports on television, fists raised in air, rear view --- Image by © Ale Ventura/PhotoAlto/Corbis

Später zur Frühschicht, kürzere Spätschicht, ausstempeln zur Übertragung - mit Blick auf die Fußball-WM und die Begeisterung der Angestellten lässt sich so mancher Arbeitgeber etwas einfallen. Aber nicht alle teilen die Euphorie.

Stuttgart - Stell dir vor, es ist Fußball-Weltmeisterschaft und keiner kann hin: Weil viele Spiele der WM in Brasilien hierzulande in die Abend- und Nachtstunden fallen, müssen Arbeitnehmer entweder um ihren Schlaf oder um ihr Fußball-Vergnügen bangen. Einige Unternehmen überlegen sich nach Aufrufen der Gewerkschaften nun etwas, um ihren Mitarbeitern entgegenzukommen. Nicht jeder Chef hat allerdings ein Herz für den Sport.

"Wir wissen natürlich um die Fußball-Leidenschaft unserer Beschäftigten", sagt ein Sprecher des Technikkonzerns Bosch. "In der Regel ist es so, dass sich die einzelnen Standorte etwas einfallen lassen." Wer während der Spiele Spät- oder Nachtdienst habe, könne in Absprache etwa zwischendurch ausstempeln und die freien Fußball-Stunden nachholen. In den Betriebskantinen stünden Fernseher parat, vor denen sich interessierte Kollegen dann gemeinsam versammelten - nicht selten zusammen mit dem Chef.

Wegen der Zeitverschiebung werden viele WM-Spiele erst gegen 22 Uhr deutscher Zeit angepfiffen, einige sogar erst um Mitternacht. Gewerkschaftsvertreter hatten deshalb spätere Frühschichten gefordert. "Wenn Spiele spät nachts stattfinden, dann guckt doch, dass ihr eure Arbeitnehmer am nächsten Tag einfach mal eine Stunde oder zwei Stunden später anfangen lasst", hatte etwa Carsten Burckhardt, Vorstandsmitglied der IG Bau, gefordert.

Für das Spätspiel ausstempeln, Schichten tauschen

Spätere Frühschichten für Mitarbeiter führt Bosch zwar nicht ein. "Oft gibt es aber die Möglichkeit, dass Mitarbeiter eine Schicht mit jemanden tauschen, der vielleicht weniger Fußballinteresse hat", sagt der Sprecher.

Generell hatten sich Arbeitgeber offen für den Vorschlag gezeigt: "Viele mittelständische Unternehmer sind große Fußball-Fans", sagte etwa Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft (BVMW). "Deshalb sollte es gerade bei Klein- und Mittelbetrieben möglich sein, dass Unternehmer und Mitarbeiter flexible Arbeitszeiten vereinbaren."

So sieht man das aber nicht überall: "Nur weil Fußball-WM ist, steht die Welt ja nicht still", sagt ein Sprecher des Filterherstellers Mann + Hummel. "Wir haben Verpflichtungen gegenüber unseren Kunden", betont der Mittelständler. Das Schichtmodell für die WM ändern? Kommt nicht infrage. "Wenn wir für jeden die Extrawurst braten, dann können wir uns aufs Bratwurstbraten konzentrieren, aber nicht darauf, für unsere Kunden Filter zu bauen."

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